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Steglitz-Zehlendorf

Eine Wasserstraße verändert den Südwesten

Vor 120 Jahren wurde der Teltowkanal eröffnet

Der Teltowkanal - Wasserstraße zwischen Havel und Dahme/Spree.
Der Teltowkanal - Wasserstraße zwischen Havel und Dahme/Spree.

10.09.2026: Wer heute an den Uferwegen in Steglitz-Zehlendorf, aber auch in Teltow oder Tempelhof spazieren geht oder den Blick von den vielen Brücken auf das Wasser schweifen lässt, erlebt vor allem Erholung: An vielen Stellen spiegeln sich dichte Baumkronen im Wasser des Teltowkanals und das Rauschen des Stadtverkehrs rückt in den Hintergrund. Doch die künstliche Wasserstraße, die sich fast 38 Kilometer quer durch den Berliner Süden zieht, verdankt ihre Existenz einem einst gigantischen Kraftakt und einem engagierten Landrat.

Stau in der wachsenden Stadt

Um die Wende zum 20. Jahrhundert drohte Berlin am eigenen Wachstum zu ersticken. Die Spree im Stadtzentrum war durch Lastkähne verstopft; Tonnen von Ziegeln, Kohle und Holz für die boomende Metropole kamen kaum noch durch die Innenstadt. Da trat der Landrat des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, mit einem kühnen Plan auf den Plan: Eine Umgehungsstraße zu Wasser sollte her. Sie sollte von der Havel bei Potsdam bis zur Dahme bei Grünau führen und den Schiffsverkehr südlich um die Hauptstadt herumleiten.

Vom Bach zum Kanal

Ab dem Jahr 1900 verwandelten tausende Arbeiter die bis dahin beschauliche Landschaft im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf in eine gewaltige Baustelle. Wo einst der kleine Bach Bäke durch morastige Wiesen mäanderte, aber auch durch Seen floss, gruben sich die damals modernen Dampfbagger durch den märkischen Sand. Die Bäke ging fast vollständig im neuen Kanalbett auf, Reste der einstigen Bäkeniederung sind heute noch in Kleinmachnow zu sehen. Für die Anwohner der Dörfer Lankwitz und Steglitz bedeutete dies eine Zeitenwende: Wo zuvor Landwirtschaft dominierte, entstanden binnen weniger Jahre Fabrikansiedlungen, Umschlaghäfen und Kraftwerke, die mit dem Bau des Kanals eine direkte Verbindung zu den großen Wasserstraßen des Kontinents erhielten.

Neue Maßstäbe

Auch technisch setzte das Vorhaben Maßstäbe. Um das Ausspülen der Kanalufer durch Schiffsschrauben und Rauchbelästigungen durch Kohledampfer zu verhindern, durften Frachtkähne den Kanal nicht mit eigenem Antrieb befahren. Stattdessen zogen eigens konstruierte elektrische Kleinlokomotiven die Kähne auf Uferschienen hinter sich her – das sogenannte Treideln im elektrischen Zeitalter war geboren. Die letzte Treidellok, die am Kanal fuhr, ist in Lichterfelde zusehen.

Einweihung durch den Kaiser

Am 2. Juni 1906 folgte schließlich der festliche Höhepunkt: Kaiser Wilhelm II. weihte das Jahrhundertbauwerk persönlich ein. Gegen 12 Uhr passierte die kaiserliche Jacht „Alexandra“ unter den Blicken tausender Schaulustiger die beeindruckende Schleuse Kleinmachnow und gab damit die Wasserstraße damit offiziell für den Verkehr frei.

Erholung am Wasser

Heute ist der gewaltige Schiffsverkehr vergangener Tage weitgehend abgeebbt; die einstigen Treidelloks sind längst Geschichte. Doch der Teltowkanal bleibt für Steglitz-Zehlendorf unverzichtbar – als nach wie vor genutzte Wasserstraße, aber auch als grünes Band, das Natur, Industriegeschichte und Naherholung in Berlin und Brandenburg vereint. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad genießen zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner des Südwesten Berlins, aber auch aus Kleinmachnow und Teltow die zum Teil gut ausgebauten Wege entlang des Gewässers. Hier und dort laden Bänke dazu ein, die Seele baumeln und den Blick über Wolken und Wasser schweifen zu lassen.

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