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Lankwitz

115 Jahre Rathaus Lankwitz

Sitz der Gemeindevertretung für neun Jahre

01.10.2026: Wer am S-Bahnhof Lankwitz aussteigt und den Hanna-Renata-Laurien-Platz betritt, blickt direkt auf das Rathaus Lankwitz. Es erzählt eine Geschichte von lokalem Stolz, schwerer Zerstörung, Wiederaufbau und lebendiger Gegenwart.

Zentrale Verwaltung und Treffpunkt

Das Gebäude mit seiner markanten Neorenaissance-Fassade wurde in den Jahren 1910 und 1911 nach den Plänen der Architekten Eberhard und Wilhelm Ratz errichtet. Damals war Lankwitz noch eine eigenständige, schnell wachsende Landgemeinde, die von ihrem Bürgermeister Rudolf Beyendorff ambitioniert zur „Gartenstadt“ ausgebaut wurde. Das Rathaus sollte Selbstbewusstsein ausstrahlen und gleichzeitig bürgernah sein. Seine geschwungene Bauform war bewusst so konzipiert, dass sie an zwei ausgebreitete Arme erinnert, die ankommende Besucher empfangen. Mit dem Markt vor dem Rathaus wurde ein Treffpunkt geschaffen, an dem sich Lankwitzerinnen und Lankwitzer bis heute mit frischen Lebensmitteln eindecken können.

Die Lage direkt am S-Bahnhof ermöglichte denjenigen Lankwitzern, die damals in Berlin arbeiteten, ihre Behördengänge bequem auf dem Arbeitsweg erledigen können. Ein Blick auf die Rathausuhr zeigt noch heute das historische Lankwitzer Wappen mit einem Löwen und drei Kornähren.

Schäden in der Bombennacht

Die wohl schwerste Stunde erlebte das Gebäude in der Bombennacht vom 23. auf den 24. August 1943, als Lankwitz durch Luftangriffe zu 85 Prozent zerstört wurde. Auch das Rathaus trug schwere Schäden davon, wurde nach dem Krieg jedoch in leicht vereinfachter Form wiederaufgebaut. Heute dient es nicht mehr als Gemeindeverwaltung, sondern beherbergt unter anderem das Amt für Soziales von Steglitz-Zehlendorf sowie das Finanzamt.

Vorplatz nach Politikerin benannt

Der Platz direkt vor dem Rathaus blieb über Jahrzehnte namenlos. Erst im April 2016 erhielt er offiziell den Namen Hanna-Renata-Laurien-Platz. Damit würdigte der Bezirk eine der prägendsten Berliner Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. CDU-Mitglied Hanna-Renata Laurien, die viele Jahre in Lankwitz lebte, war nicht nur Schulsenatorin, sondern auch die erste weibliche Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses. Wegen ihrer Entschlossenheit und Diskussionsfreude war sie im politischen Berlin auch als „Hanna-Granata“ bekannt.

Vier-Winde-Brunnen. Archiv Jörg Becker Immobilien
Vier-Winde-Brunnen. Archiv Jörg Becker Immobilien

Geschenk der Bürger

Mitten auf dem Platz steht der Vier-Winde-Brunnen, der eine ganz eigene Symbolik in sich trägt. Anlässlich der Rathauseröffnung stifteten Lankwitzer Bürger das fünf Meter hohe Kunstwerk aus Muschelkalk, das im November 1912 feierlich eingeweiht wurde. Gestaltet wurde der achteckige Brunnen von den Bildhauern Ludwig Isenbeck und Johannes Hinrichsen.

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