Lankwitz
Rudolf Beyendorff prägte Lankwitz
150. Geburtstag des ersten Bürgermeisters des Ortsteils

01.10.2026: Wer heute durch Lankwitz spaziert, schätzt vor allem den großen Gemeindepark und markante Bauten wie die Dreifaltigkeitskirche, das Lankwitzer Rathaus oder das liebevoll „Käseglocke“ genannte Parkwohnhaus am Bernkastler Platz. Dass der Ortsteil dieses unverwechselbare Gesicht besitzt, verdankt er maßgeblich einem Mann: Dr. Rudolf Beyendorff. Als „Vater von Lankwitz“ prägte der einstige Bürgermeister die Gemeinde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie kein anderer.
Junger Jurist mit großen Plänen
Die Ära Beyendorffs in Lankwitz begann am 1. April 1908. Der damals erst 31-jährige Jurist, der zuvor in Bad Kösen als damals jüngster Bürgermeister Deutschlands gewirkt hatte, wurde zum ersten hauptberuflichen und besoldeten Gemeindevorsteher von Lankwitz gewählt. Damals war Lankwitz noch eine eigenständige Gemeinde im brandenburgischen Kreis Teltow.
Beyendorff hatte eine klare Vision: Er wollte das ländliche Dorf in einen modernen, vornehmen Villenvorort nach dem Vorbild des benachbarten Lichterfelde verwandeln – eine „Gartenstadt“. Um dieses Ziel zu erreichen, trieb er die Gründung der Lankwitzer Terrain- und Baugesellschaft voran. Die Gemeinde kaufte systematisch Grundstücke auf, um sie an bauwillige Familien aus der nahen Metropole Berlin zu veräußern. Industrie- und Großgewerbeansiedlungen wurden ausgeschlossen, um den Charakter eines ruhigen Wohnorts im Grünen zu bewahren.
Neues Ortsbild
Unter Beyendorffs Leitung erlebte Lankwitz einen Bauboom. Er sorgte für den Bau des repräsentativen Rathauses mit Post- und Polizeistation. Als dieses am 2. September 1911 um 11 Uhr feierlich eingeweiht wurde, feierte die Gemeinde gleichzeitig die Eröffnung einer neuen, zehn Hektar großen Grünanlage. Dieser Park, der heute als Gemeindepark Lankwitz bekannt ist, wurde damals zu Ehren des Bürgermeisters „Beyendorffpark“ getauft.
Auch der Bernkastler Platz samt der „Käseglocke“ sowie das neue Lyzeum – heute Beethoven-Oberschule – entstanden auf seine Initiative hin. Lankwitz wuchs schnell und entwickelte eine moderne Infrastruktur.
Schattenseiten und politischer Widerstand
Doch Beyendorffs Karriere verlief nicht ohne Brüche. Im Jahr 1918 wurde er seines Amtes enthoben, nachdem Unregelmäßigkeiten in der Führung der Terraingesellschaft bekannt geworden waren. Seine historische Bedeutung für den Ortsteil geriet dadurch jedoch nicht in Vergessenheit.
Während der Zeit des Nationalsozialismus bewies Beyendorff Rückgrat. Weil er sich weigerte, der NSDAP beizutreten, benannten die Machthaber den Beyendorffpark im Jahr 1939 kurzerhand wieder in „Gemeindepark“ um. Aufgrund seiner Kontakte zum Widerstandskreis „Kreisauer Kreis“ geriet er nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 ins Visier der Gestapo und wurde im August desselben Jahres vorübergehend inhaftiert. Rudolf Beyendorff verstarb am 2. Mai 1947 in Berlin und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Parkfriedhof Lichterfelde. Auch wenn der große Gemeindepark seinen Namen nicht zurückerhielt, erinnert seit dem Jahr 2002 der nahegelegene Rudolf-Beyendorff-Ring in Lankwitz an den tatkräftigen Bürgermeister aus Lankwitz.



