Wilmersdorf
Gewässer als Sorgenkind
Wasserqualität des Fennsees aufwendig verbessert

20.06.2026: Wer an einem sonnigen Nachmittag durch den Volkspark Wilmersdorf spaziert, erlebt das grüne Band im Herzen des Bezirks als Wohlfühlort. Doch am westlichen Ende, wo sich der Fennsee schlauchartig erstreckt, hielten Fußgänger in den Sommermonaten der vergangenen Jahre oft unwillkürlich die Luft an. Ein fauliger Geruch lag über dem Wasser, das nicht selten von einer dichten, grünen Schicht bedeckt war. Was von weitem wie ein idyllischer, natürlicher kleiner See wirkt, ist bei näherem Hinsehen ein hochgradig belastetes, künstlich geprägtes Gewässer – dessen Rettung eine technische und ökologische Herausforderung darstellt.

Von der Eiszeitrinne zum Regenbecken
Die Geschichte des rund 650 Meter langen und nur 35 Meter breiten Fennsees reicht weit zurück. Geografisch ist er Teil einer eiszeitlichen Nebenrinne der Grunewaldseenkette. Doch seine heutige Gestalt erhielt er erst im Jahr 1903. Wilmersdorf wuchs zu jener Zeit rasant, und das tiefliegende Gelände wurde künstlich als Regenrückhaltebecken angelegt, um die Entwässerung der neu entstehenden Stadtviertel zu sichern.
Was damals als praktische Lösung für die Stadtplanung galt, wurde für das Gewässer im Laufe des Jahrhunderts zur Bürde: Über ein riesiges Einzugsgebiet leiteten Rohre das ungefilterte Regenwasser von Straßen, Gehwegen und später auch direkt von der Stadtautobahn in den See. Mit dem Regenwasser gelangten Reifenabrieb, Schwermetalle und Öl sowie Unmengen an organischen Nährstoffen in das Becken. Dazu kommen Laub von den dicht bewachsenen Ufern. Am Grund lagerte sich eine meterdicke, schadstoffbelastete Schlammschicht ab. Im Sommer, wenn sich das Wasser erwärmte, kippte der See regelmäßig um. Akuter Sauerstoffmangel führte zu massiven Faulprozessen, die den berüchtigten Geruch nach Schwefelwasserstoff erzeugten.

Technologische Großprojekte
Der Handlungsbedarf war enorm, doch die Sanierung erwies sich als komplex. Ein erster großer Meilenstein gelang im Jahr 2010 mit der Inbetriebnahme der europaweit größten Lamellenfilteranlage unter der Wallenbergstraße. In einer 95 Meter langen, 6 Meter breiten und über 5 Meter hohen unterirdischen Röhre der Berliner Wasserbetriebe wird seitdem das einströmende Regenwasser mechanisch vorgereinigt, bevor es in den See fließt.
Zusätzlich befreiten Fachleute die Gewässersohle in Teilen von Schlamm, Müll und Totholz. Um die verbleibenden Sedimente am Boden chemisch zu stabilisieren, wurde Calciumnitrat eingebracht, was den biologischen Abbau ohne die Entstehung von stinkenden Faulgasen unterstützen sollte.
Sauerstoffsteuerung und Flachwasserzonen
Trotz dieser Großinvestitionen blieb das ökologische Gleichgewicht des Fennsees labil. Massenhafte Ausbreitungen von Wasserlinsen – umgangssprachlich als Entengrütze bekannt – und des Rauen Hornblatts entzogen dem Wasser weiterhin Licht und Sauerstoff.
Um dieses Problem nachhaltig anzugehen, setzt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf seit 2024 auf eine innovative Steuerungstechnik. In einem unauffälligen Container am östlichen Ufer überwacht eine automatisierte Anlage kontinuierlich den Sauerstoffgehalt des Wassers. Sinkt dieser unter einen kritischen Wert, greift das System regulierend ein, um die Aktivität geruchsbildender Mikroorganismen gezielt zu unterbinden. Die Auswertungen der letzten Jahre zeigten deutliche Erfolge: Die extremen Geruchsbelästigungen im Sommer konnten spürbar reduziert werden.
Zuletzt folgten im Herbst 2025 weitere wichtige Bauarbeiten. Da der See historisch sehr steile Ufer hat, fehlte es an flachen Übergangsbereichen. Es wurden Flachwasserzonen angelegt und heimischee Wasserpflanzen angesiedelt. Sie dienen als natürlicher Filter und bieten sowohl Lebensraum als auch Nahrung für Libellen, Wasserkäfer, Fische und Vögel.

Ein Blick nach vorn
Der Fennsee ist auch heute kein unberührter Natursee und muss auch künftig immer durch menschliche Eingriffe beeinflusst werden. Doch die Kombination aus unterirdischer Filtertechnik, digitaler Sauerstoffüberwachung und naturnaher Ufergestaltung zeigt Wirkung. Für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Spaziergänger im Volkspark ist das einstige Sorgenkind auf einem guten Weg, wieder zu einem lebendigen und einladenden Erholungsort zu werden.



