Gazette Verbrauchermagazin
Zehlendorf Mitte

Moderne trifft auf Denkmalschutz

Mittelhof bringt wieder Leben in KulturKiosk

09.04.2026: In den letzten Jahren hat der einst von Architekt Kurt Kurfiss erbaute und inzwischen 70-jährige denkmalgeschützte Kiosk an der Zehlendorfer Dorfaue einiges erlebt: Wo anfangs noch Busfahrer ihre Arbeitstaschen zwischenlagerten und später Bretter diesen besonderen Architekturbau verhüllten, zog 1996 der gemeinnützige Kultur in Zehlendorf e. V. ein – mit Kisten voller gut erhaltener Bücher und als aktiver Initiator etlicher dringend notwendiger Renovierungsarbeiten. Als Bindeglied zwischen Kultursuchenden und Kulturangebot entwickelte sich der KulturKiosk zur wahren Bücheroase. Doch 2018 mit Kündigung an den Kulturverein, der seitdem seine Bücher am Ausweichquartier neben dem U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim anbietet, folgten kalte Tage für ihn: Das Bezirksamt übergab ihn an einen kreativen Eishersteller, der Großes versprach, wenig davon umsetzte. Der Kiosk entwickelte sich mehr und mehr zur Abstellkammer, sodass das Bezirksamt schließlich die Zusammenarbeit kündigte. Nun schaut der geschichtsträchtige Kiosk wieder einmal hoffnungsvoll aus großen Fensteraugen in die Zukunft: Kein Geringerer als das Stadtteilzentrum Mittelhof hat sich nun seiner Anfang des Jahres angenommen und will ihn zu neuem Leben erwecken. Zu einem sozialen Treffpunkt soll er sich entwickeln, an dem Initiativen, Organisationen und Vereine zu Wort und ins Gespräch mit Alt und Jung kommen.

KulturKiosk von hinten.
Da geht noch was: Uhr und Infokasten warten auf den Neustart.

Wasser marsch und Tee gekocht

Das neue Konzept wird vom Leiter des Stadtteilzentrum Villa Mittelhof Olaf Löschke koordiniert und unterstützt von Markus Schönbauer, Geschäftsführer des Mittelhof e. V. Begleitet wird das Kioskprojekt vom Bezirksamt, das auch den Kontakt zu den Wasserwerken hergestellt hat: Die marode Wasserleitung bedarf einer Grundsanierung, damit die Sanitäranlage und die vom Mittelhof geplante kleine Kiosk-Teeküche in Betrieb genommen werden kann. „Wir haben 15.000 Euro eingeworben“, erzählt Markus Schönbauer vom Mittelhof e. V.. Doch die Wasserwerke lassen auf sich warten, und auch die Stromverkabelung muss erneuert werden. So läuft der neue Kioskbetrieb vorerst eingeschränkt an. Beim Rundgang zeigen Olaf Löschke und Markus Schönbauer der GAZETTE dann noch ein paar harte Nüsse, die es zu knacken gilt:

So soll im Kiosk der Innentresen abgebaut werden, um mehr Sitzraum zu gewähren, und der Informationskasten außen unter der Kioskuhr wieder zu neuem Glanz kommen. Dazu schwebt Olaf Löschke – wenn der Denkmalschutz mitspielt – die Installation einer zeitgemäßen Touchscreen-Anlage vor, auf der Mittelhof- und Bezirksveranstaltungen etc. abgefragt werden können. Die Kioskuhr dürfte erst einmal weiterhin im Dornröschenschlaf verweilen; es sei denn, eine geschickte Seele des Repair-Cafés nimmt sich ihrer ambitioniert an. Und auch an dem feuchten Keller unter dem Kiosk mag zurzeit niemand rühren. „Es ist eher ein feuchtes Gewölbe als ein Keller“, verrät Olaf Löschke, der sich davon schon selbst überzeugen konnte. Das Gelände rund um den Kiosk will der Mittelhof ebenfalls sinnvoll nutzen und so den öffentlichen Stadtraum beleben, beispielsweise mit Boulebahn und Tischtennisplatte oder auch anlässlich der Fête de la Musique. – Und das ganz im Zuge der urbanen Stadtverschönerung und im Rahmen des Förderprogramms Lebendige Zentren, welches das Ziel hat, den Reichtum an Zentren zu erhalten und deren funktionale Vielfalt weiter zu entwickeln. Dazu ist der Mittelhof bereits im Gespräch mit den Bezirksstadträten Urban Aykal und Patrick Steinhoff.

Olaf Löschke (l.) und Markus Schönbauer vom Mittelhof freuen sich auf spannende Kioskzeiten.
Olaf Löschke (l.) und Markus Schönbauer vom Mittelhof freuen sich auf spannende Kioskzeiten.

Wir haben richtig Lust darauf,

erklärt das neue Betreiberteam vom Mittelhof und gibt Einblick in seine Zukunftspläne für den Kurfiss-Kiosk: Zu den interessierten Organisationen und Vereinen, die den Kiosk bespielen wollen, zählt unter anderem das Rote Kreuz, das hier Beratungen anbieten wird. Aber auch Omas gegen Rechts Deutschland e. V., die mobile Stadtteilarbeit und der Bundeselternverband gehörloser Kinder will den Kiosk als Plattform nutzen. Dazu soll es einen Nutzer-Wochenplan geben. Und das Heimatmuseum Zehlendorf – gleich gegenüber angesiedelt – hat bereits sein Interesse an der Kioskarbeit bekundet. Und wieso eigentlich nicht den Kiosk und seine Umgebung zum Schattenort für heiße Sommer machen? Mit guten Gesprächen unter schattenspendenden Bäumen. Gute Ideen gibt es übrigens reichlich, womit sich dieser Raum durch die Zivilgesellschaft weiterentwickeln soll, weitere werden vom Mittelhof gerne entgegengenommen.

Red mit mir am Plaudertresen

Eine gute Idee fasst bereits Fuß am Kiosk: Gleich von nebenan aus Kleinmachnow kommt das ehrenamtliche Projekt von Seniorentrainer Manfred Sander. Mit seinem „Plaudertresen“ vor Ort lädt er seit 10. April jeden Freitag von 16 bis 20 Uhr Alt und Jung zu kleinen Gesprächen und Plaudereien an wetterfestem Tresen vor dem Kiosk ein. „Und vielleicht ließe sich das ja auf laue Sommernächte ausweiten“, überlegt er, der Wirtschaftskommunikation studiert hat und sich in späten Jahren dann noch zum Telefonseelsorger ausbilden ließ. Die Gespräche sollen dabei helfen, eine gesunde Gesprächskultur zu entwickeln und soziale Einsamkeit zu überwinden. Vorbeischauen am Kiosk lohnt sich also allemal.

Kontakt und Info unter villa@mittelhof.org und www.mittelhof.org

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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