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Zehlendorfs langer Weg zum Rathaus

Vor 100 Jahren begann der Bau des Rathauses Zehlendorf

Archiv HVZ
Archiv HVZ
Erschienen in Zehlendorf Mitte Journal April/Mai 2026

Als Zehlendorf im Jahr 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet wurde, stand der neue Bezirk vor einem praktischen Problem: Im Gegensatz zu Wannsee oder Nikolassee, die nun als Ortsteile zum Bezirk Zehlendorf gehörten, gab es bei dem Namensgeber des Bezirks kein eigenes Rathaus. Geplant wurde schon lange, seit dem Ersten Weltkrieg, doch die Inflation und die wirtschaftlich schwierige Lage verzögerten das Vorhaben immer wieder. Erst 1923 fiel die Entscheidung für den Standort an der Ecke Kirchstraße/Hauptstraße, dem heutigen Teltower Damm. Aus einem Architekturwettbewerb ging schließlich Eduard Jobst Siedler mit seinem Entwurf „Am Anger“ als Sieger hervor.

Eingang zum Rathaus Zehlendorf

Finanzielle Engpässe und Baustopp

Die Umsetzung geriet jedoch ins Stocken. Dem Berliner Magistrat erschienen die Kosten zu hoch, weshalb bereits bewilligte Gelder im Oktober 1925 gesperrt und stattdessen für das nahe Hindenburg-Lazarett, das spätere Behring-Krankenhaus, verwendet wurden. Dieser Stillstand sorgte damals für viel öffentliche Kritik und Spott in der Presse über das „Nicht-Rathaus“ von Zehlendorf. Aber im März 1926 gab es immerhin Gelder für die vorbereitenden Arbeiten. So konnten auf dem Grundstück vorhandene Gebäude abgerissen und mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden. Danach herrschte Stillstand auf der Baustelle. Erst im Frühjahr 1927 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Am 20. April 1929 wurde das Gebäude schließlich eingeweiht. Es präsentierte sich als funktionaler Bau ohne Turm und ohne den ursprünglich geplanten geschlossenen Innenhof. Um die Inneneinrichtung zu finanzieren, hatten die Zehlendorfer zuvor sogar ein Benefizkonzert geplant.

Die fünf Gebäudeteile des Rathauses Zehlendorf. Foto: Archiv HVZ
Die fünf Gebäudeteile des Rathauses Zehlendorf. Foto: Archiv HVZ

Zukunftsmusik „Zehlendorfer Bogen“

Das Hauptgebäude überstand den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Raumbedarf der Verwaltung jedoch stetig. Ab 1946 dienten zunächst Baracken als Provisorium, bevor ab 1954 und später in den 1960er-Jahren diverse Erweiterungsbauten hinzukamen.

Seit längerem sind Veränderungen geplant. Während der denkmalgeschützte Altbau des Rathauses von 1929 erhalten bleibt, sollen die Anbauten aus der Nachkriegszeit weichen. Ein Architekturwettbewerb aus dem Jahr 2021 prämierte den Entwurf für den neuen „Zehlendorfer Bogen“. Dieses geplante Gebäudeensemble gegenüber der Pauluskirche soll künftig öffentliche Nutzung und moderne Verwaltung vereinen. Neben dem Bürgeramt sind dort Räume für die Musikschule, Gastronomie sowie die Gottfried-Benn-Bibliothek vorgesehen. Für den Umbau, der im Jahr 2029 beginnen könnte, sind 75 Millionen Euro eingeplant.

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