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Auf Schienen in den Tod

Gedenkfeier am Mahnmal Gleis 17

Mahnmal Gleis 17.
Mahnmal Gleis 17.
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Oktober/November 2019
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Auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Grauen der Massenvernichtung in den Konzentrationslagern unfassbar. Umso wichtiger, dass diese Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten.

Eine Reise in den Tod, die für jüdische Bürger Berlins am 18. Oktober 1941 begann. Mit dem ersten Zug wurden 1013 Juden nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Am 1. November 1941 waren Grete Leyser, ihr Mann Leopold und die gemeinsame kleine Tochter Karin in einem Deportationszug. Die SS erstickte sie am 8. Mai 1942 im Gaswagen bei Kulmhof (Chelmo). An ihrem früheren Wohnort in der Fürbringerstraße 18 in Kreuzberg erinnern Stolpersteine an die Familie.

Weiße Rosen am Bahnsteig

Bei der Gedenkfeier „…abgeholt!“ am 18. Oktober 2019 wird dem Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 78 Jahren gedacht. Bei der Veranstaltung hält die Holocaustüberlegende Ingeburg Geißler eine Gedenkrede. Schülerinnen und Schüler des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin werden ebenfalls zu der Veranstaltung beitragen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Bernd Rosenthal. Da am Ende der Veranstaltung weiße Rosen am Bahnsteig niedergelegt werden, sind die Besucher gebeten, jeweils eine weiße Rose mitzubringen. Die Gedenkfeier findet um 12 Uhr am Mahnmal „Gleis 17“ am S-Bahnhof Grunewald statt.

Mahnmale am S-Bahnhof Grunewald

Mehrere Mahnmale erinnern an dieses Datum. Bereits 1953 brachte eine kleine Gruppe eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Deportationen am Signalhaus an. Diese Tafel wurde einige Zeit später wieder entfernt. 1973 wurde erneut eine Gedenktafel angebracht, die 1986 durch einen Diebstahl verschwand.

Am 46. Jahrestag des ersten Deportationszugs, dem 18. Oktober 1987, errichtete eine Frauengruppe der evangelischen Grunewald-Gemeinde auf dem Bahnhofsvorplatz ein Mahnmal, das aus drei Eisenbahnschwellen bestand, von denen eine senkrecht stand. Auf einer Schwelle befand sich eine Messingplatte mit Erinnerungsinschrift. Nachdem die Initiatorinnen aus Altersgründen nicht mehr in der Lage waren, das Mahnmal zu pflegen, wuchs es zu. Die Messingplatte wurde gestohlen. 2005 ließ man es in vereinfachter Form wieder aufbauen und erneut eine Messingplatte montieren.

Seit 1991 steht ein 18 Meter langer Betonblock mit schemenhaften Umrissen deportierter Menschen vor Ort. Der Entwurf stammt von dem polnischen Künstler Karol Broniatowski. Das zentrale Denkmal befindet sich hingegen entlang des Gleises. Auf 186 Stahlgussobjekten, von denen jedes für einen Zug steht, der die Menschen in die Konzentrationslager brachten, stehen Datum der Abfahrt, Anzahl der Deportierten und das Ziel des Zuges. Zusätzlich wurde der bereits abgetragene Bahnsteig auf einer Länge von ca. 160 Metern wieder aufgebaut. 2012 pflanzte Lukacz Sorowiec im Rahmen der Biennale Birken aus der Umgebung der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau auf dem Bahnhofsvorplatz.

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