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Schulleiter Michael Rudolph bleibt

Freude bei Schülern, Eltern und Lehrerkollegium der Friedrich-Bergius-Schule

Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juni 2019
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Schulleiter Michael Rudolph freut sich über die gute Bilanz der Friedrich-Bergius-Schule und auf ein weiteres Dienstjahr.
Schulleiter Michael Rudolph freut sich über die gute Bilanz der Friedrich-Bergius-Schule und auf ein weiteres Dienstjahr.

Noch ein Jahr länger darf der beliebte Schulleiter Michael Rudolph im Amt bleiben.

Und so hat sich der ganze Stress, der dem vorausging, für die Schüler, die Friedrich-Bergius-Schule, das Lehrerkollegium und für den Schulleiter selbst gelohnt.

Rudolphs Gesuch, auch mit 65 über die Pensionsgrenze hinaus und nach 41 Dienstjahren länger an der Friedenauer Sekundarschule arbeiten zu dürfen, war zunächst von der Schulaufsicht abgelehnt worden.

Er, der althergebrachte Werte und Sozialtugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ordnung und Disziplin im Schulhaus zur klaren Regel erklärt hat, war damit in der Senatsschulverwaltung bei fachfernen Ignoranten seines Erziehungsstils angeeckt, die ihm gar „Steinzeitpädagogik“ vorgeworfen hatten. Zu unbequem und unangepasst war er, der offene Worte nicht scheut, etlichen Bildungspolitkern geworden. Die Folge waren ungerechte und schlechte Bewertungen der Friedrich-Bergius-Schule durch die Schulinspektion, die ihr „erheblichen Entwicklungsbedarf“ vorwarf.

Empörte Eltern setzten sich über die Presse für Schulleiter Rudolph und die Befürwortung der von ihm beantragten Dienstzeit-Verlängerung ein. Das Schul-Kollegium sandte einen Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres, indem es um Dienstverlängerung für Rudolph bat. Auch die BVV von Tempelhof-Schöneberg stellte sich in einer Resolution hinter Rudolphs Antrag auf Verlängerung.

Doch erst, nachdem der bisherige Staatssekretär Mark Rackles im Amt durch Beate Stoffers ausgetauscht worden war, hob Scheeres die Entscheidung der Schulverwaltung auf. Zuvor hatte Rudolph noch einmal auf verbindliche Weise schriftlich zu der Bildungssenatorin Kontakt aufgenommen.

So bleibt nun Michael Rudolph ein weiteres Jahr Schulleiter an der Friedrich-Bergius-Schule.

Erfolge, die für sich und für Michael Rudolph sprechen

Der Erfolg von Rudolphs Pädagogik, die den Schülern deutliche Grenzen setzt, zeigt sich überall in der Schule. Etwa 70 Prozent der Friedrich-Bergius-Schüler haben Migrationshintergrund, doch das soziale Miteinander steht hier deutlich über Konflikten untereinander. Das war nicht immer so: Als Michael Rudolph im Jahr 2005 als Schulleiter die Brennpunkt-Schule am Perelsplatz übernahm, waren schwere Prügeleien mit Körperverletzung dort an der Tagesordnung. Rudolph erinnert sich: „Der erste ‚Tag der Offenen Tür‘ nach meinem Eintritt als Schulleiter endete katastrophal. Plötzlich kamen Polizeiwagen mit Blaulicht aus allen Himmelsrichtungen auf die Schule zu: Besorgte Eltern hatten die Polizei gerufen, da Schüler sich auf den Fluren blutige Prügeleien lieferten.“

Heute kann Michael Rudolph Zahlen vorlegen, die beweisen, dass das pädagogische Konzept von Michael Rudolph aufgeht: So gab es für das neue Schuljahr ein Drittel mehr Anmeldungen als verfügbare Plätzen, Tendenz steigend.

Über 50 Prozent der Friedrich-Bergius-Schüler erreichen inzwischen den Mittleren Schulabschluss mit Gymnasialempfehlung. – Für die Sekundarschul-Form ein selten gutes Ergebnis.

Schüler und Schule voranbringen

Unbequeme Schüler werden der Friedrich-Bergius-Schule nicht verwiesen, sondern der Schulleiter sucht das individuelle Gespräch mit ihnen und bezieht Eltern rechtzeitig ein, wenn es Schulprobleme gibt. „Die können dann meist gemeinsam behoben werde“, erklärt der Pädagoge und setzt dabei auf Einsicht.

Zum Unterricht verspätete Schüler erwartet nach Unterrichtsbeginn eine verschlossene Schulhaustür. Sie werden nach gleichem Ritual von Michael Rudolph empfangen und mit kleineren „Aufräumarbeiten“ wie Blätterfegen auf dem Schulhof bis zum nächsten Schulstunden-Beginn beschäftigt, um den laufenden Unterricht nicht zu stören. Kommt ein Schüler öfter zu spät, steht ein Gespräch auf Augenhöhe mit dem Direktor an, der dann über geschickt gestellte Fragen seinem meist etwas kleinlauten Gegenüber klar macht, dass im späteren Arbeitsleben – egal in welchem Beruf – Zuspätkommen den Lieblings-Ausbildungsplatz oder –Job kosten kann.

Rituale im Schulalltag hält Michael Rudolph für wichtig, so beginnt jede Schulstunde an der Friedrich-Bergius-Schule mit freundlicher Begrüßung, darauf folgen die Hausaufgaben-Besprechung und die Erarbeitung neuen Stoffes.

„Ich überlasse den Lehrern, die ja Fachleute sind, welche Unterrichtsmethode sie wählen. Wichtig ist letztendlich, dass für den Schüler etwas dabei herauskommt und er die Prüfung besteht“, betont Michael Rudolph. Seinen Mitarbeitern – egal ob Lehrer-Kollegium, Hausmeister, Schulsekretärin oder Korrektorin – bringt er vollstes Vertrauen entgegen, auch wenn es um die jeweilige Aufgabenverteilung an sie geht. „Meine Aufgabe als Schuldirektor ist es, Rückhalt für einheitliches Handeln zu geben, Aufgaben zu delegieren und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen“, ist er sich als „Dienstleister für Lehrer“ bewusst. Dazu ist er jeden Schultag bereits ab vier Uhr morgens im Schulhaus anzutreffen.

41 Jahren Schulerfahrung besitzt Michael Rudolph, die er auch in Berlin-Kreuzberg an Brennpunktschulen sammelte. Schon da hatte er mit seiner Methode Erfolg:

So wurde im Jahr 2007 unter der Leitung von Rudolphs Nachfolger die Carl-Friedrich-Zelter-Oberschule zur sechstbesten Hauptschule Deutschlands und zur besten Berlins gewählt.

„Was Rudolph in Kreuzberg schafft, schafft er auch in Friedenau am Perels-Platz“, flüsterte man sich im Schulamt hinter vorgehaltener Hand zu und bot ihm 2005 die Leitung der zu dieser Zeit aufgrund rapide gesunkener Schüler-Anmeldezahlen kurz vor der Schließung stehenden Friedrich-Bergius-Schule an. Rudolph reizte das geschichtlich interessante Schulgebäude, die erstklassige Verkehrslage – und die Herausforderung, etwas aus dieser durch Gewaltvorfälle dauerhaft im Gespräch stehenden Schule machen zu können.

Er nahm das Angebot an.

Schneller als erwartet stiegen die Anmeldezahlen, und bis heute kann die Friedrich-Bergius-Schule durchweg eine erfreuliche Bilanz mit erfolgreichen Schülern vorweisen.

Dass es noch länger so bleibt, dafür will Schulleiter Rudolph noch ein weiteres Jahr vollen Einsatz zeigen. Zum Nutzen seiner Schülerinnen und Schüler, für die er seit 41 Jahren als strenger, aber verständnisvoller Lehrer und Schulleiter da ist.

Jacqueline Lorenz

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