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Kleines Dorf am Ufer

Als die Lanke noch Lebensader war

Gedenkstein auf dem Dorfanger.
Gedenkstein auf dem Dorfanger.
Erschienen in Lankwitz Journal Oktober/November 2018
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Allianz Agentur

Von der Jungsteinzeit über die Völkerwanderung – hin zu der ersten Erwähnung im Jahr 1239 als Lancowice bis zum modernen Lankwitz. Heutige Bewohner des Ortsteils können sich die Mühen, mit denen die Ur-Lankwitzer Ertrag aus dem märkischen Boden holten, kaum noch vorstellen.

Bis zur Gründerzeit war die Besiedelung von Lankwitz gering. 1624 waren es 86 Einwohner, 1866 sind 334 Bewohner verzeichnet und erst nach der Eröffnung der Bahnstation stieg die Anzahl auf 900 Menschen.

Harte Zeiten

Aller Anfang ist schwer, das galt auch für die frühen Bewohner des Ortes Lankwitz, die Wenden waren. Das schließen Forscher aus dem Namen, der im wendischen Sprachgebrauch „Ort an der Uferaue“ bedeutet. Der Alltag in dem sumpfigen Ort dürfte mühsam gewesen sein. Anfangs war es vor allem ein Fischerdorf mit wenig Ackerbau und Viehzucht. Im Laufe der Zeit weideten mehr und mehr Tiere auf dem Upstall, der gemeindeeigenen Weide, die allen zur Verfügung stand. Die Bauern bestellten ihre Felder. Denn die Lanke, deren Quelle immer noch unterirdisch existiert und durch einen Findling nahe der früheren Ratswaage markiert wird, lieferte das überlebenswichtige Wasser. Mit der Herrschaft der Askanier begann die Kolonisation der Mark Brandenburg. Die Kirche war neben den weltlichen Herrschern maßgeblich und die Markgrafen verschenkten Lankwitz an das Benediktinerinnenkloster St.-Marien zu Spandau. In Lankwitz lebten Bauern und Kossäten. Letztere hatten keinen großen Grundbesitz. Sie wohnten in Katen und leisteten ihre Dienste bei den Bauern. Mit der Reformation änderten sich die Zeiten. Lankwitz ging nun an das kurfürstliche Amt Spandau. Das änderte an den Abgaben, die die Bauern und Kossäten zu leisten hatten, jedoch wenig. Auf die Reformation folgte der Dreißigjährige Krieg. Hierunter hatten auch die Lankwitzer sehr zu leiden. Vier Jahre nach Kriegsende gab es nur noch fünf Bauern und einen Kossäten in Lankwitz.

Gräben für mehr Ertrag

Die Jahre gingen ins Land und das nahe, ständig wachsende Berlin war auf die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus den umliegenden Dörfern angewiesen. Doch viele Orte – natürlich auch Lankwitz – hatten sehr nassen Boden, der mühsam bewirtschaftet werden musste und dessen Erträge zu wünschen übrig ließen. Friedrich II. erkannte die Lage und ließ die Äcker mit Hilfe von Gräben trockenlegen. So findet man vielerorts in Brandenburg noch einen „Königsgraben“, der aus Dankbarkeit gegenüber dem Alten Fritz so benannt wurde. Die Lankwitzer machten es genauso. Anfang des 19. Jahrhunderts litten die Brandenburger Dörfer unter der Herrschaft der Franzosen. Auch Lankwitzer kämpften gegen die Eindringlinge. Der preußische General von Bülow soll im Lankwitzer Krug übernachtet haben, bevor er zur siegreichen Schlacht bei Großbeeren auszog.

Vom Dorf zum Vorort

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts blieb Lankwitz ein ruhiges Bauerndorf. Im Jahr 1869 verkauften die Bauern Zietemann und Mertens Land an den Kaufmann Felix Rosenthal. Dieser wollte nach dem Vorbild von Groß-Lichterfelde hier Kolonien für wohlhabende Berliner errichten. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn mit der Eröffnung eines Bahnhofs im Jahr 1895 war Lankwitz gut erreichbar. Das frühere Dorf wuchs zum Stadtvorort heran und wurde 1920 als Ortsteil des Bezirks Steglitz nach Berlin eingemeindet. Heute kann man im früheren Dorfkern Alt-Lankwitz der dörflichen Atmosphäre noch nachspüren. 1989 wurde anlässlich von 750 Jahren Dorf Lankwitz ein Stein auf dem Dorfanger niedergelegt, auf dem ein Plan des alten Dorfs zu sehen ist.

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