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Historische Kunstmanufaktur

In der Gipsformerei in Charlottenburg bleibt Tradition erhalten

Erschienen in Gazette Charlottenburg März 2017
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Die berühmte Büste der Nofretete gehört zu den Stücken, die in der Gipsformerei hergestellt werden.
Die berühmte Büste der Nofretete gehört zu den Stücken, die in der Gipsformerei hergestellt werden.

Vom Deckenstuck zur Replik der berühmten Büste der ägyptischen Königin Nofretete – die Bandbreite von Europas größter erhaltener Gipsformerei erstreckt sich über die Jahrtausende. 1819 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III. die „Königlich Preußische Gipsgussanstalt“. Die Gründe waren – wie so oft – finanzieller Natur. Durch die Herstellung und den Verkauf von Gipsabgüssen vor Ort sollten neue Einnahmen fließen. Schließlich mussten die Kopien klassizistischer Werke sonst teuer aus Italien importiert werden. Leiter der neuen Anstalt wurde der bekannte Bildhauer Christian Daniel Rauch.

Seit 1891 in Charlottenburg

1891 zog die Gipsgussanstalt, die seit 1830 zu den Königlichen Museen zu Berlin, heute Staatliche Museen, gehört, in das für sie gebaute Haus in der Sophie-Charlotten-Straße im heutigen Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, in dem sich die Gipsformerei bis heute befindet. Die Vielzahl der hier vorhandenen Formen und Abgüsse spiegeln die Sammlungen in den Museen wider. Von der Vor- und Frühgeschichte über die ägyptische Hochkultur, Vorderasien, die Antike, das Mittelalter und die Renaissance bis hin zum 19. Jahrhundert reicht das Repertoire. Dieses kann in mehreren Katalogen bewundert und natürlich auch erworben werden. Und so kann man unter anderem eine Replik der Nofretete ins Wohnzimmer stellen.

Traditionelle Formen und moderner Scan

Bis heute werden Formen verwendet, die zum Teil seit 200 Jahren existieren. Sie sind zum einen sehr haltbar, zum anderen detailgetreu. Allerdings ist es mühsam, die traditionellen Gipsstückformen zu fertigen. Für die Herstellung neuer Formen wird heute deshalb oft Silikon verwendet, das nach etwa zehn Jahren ersetzt werden muss. Bei sehr empfindlichen Originalen wird ein 3-D-Scan erstellt. Anschließend erfolgt die detailgetreue Bemalung – dabei werden die Farben so exakt wie möglich wiedergegeben. Auch Materialien werden so nachgebildet. So kann der Gipsabguss – der aus hochwertigem Alabaster-Gips besteht – optisch dem Original entsprechen, der beispielsweise aus Holz oder Bronze war. Einen interessanten Einblick in die Tradition der Gipsformerei bieten Führungen durch die Produktions- und Lagerstätten in der Gipsformerei, die in der Regel zweimal im Monat stattfinden. Termine unter www.smb.museum.