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Verein für Kultur und Geschichte in Wannsee e. V.

Erinnerungskultur zwischen Eisernem Gustav und Stolperstein

Erschienen in Wannsee Journal April/Mai 2017
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In der Förderung der Heimatgeschichte durch die Erforschung des Ortsteils Wannsee und seiner Umgebung sieht der „Verein für Kultur und Geschichte in Wannsee e. V.“ seine Hauptaufgabe. Mit der Durchführung kultureller Veranstaltungen wie Vorträgen, Führungen, Besichtigungen und Ausstellungen soll den Menschen und Ereignissen, die fest mit Wannsee und seinem Werdegang verbunden sind, ein würdiges Andenken bewahrt und ihre Geschichte der Nachwelt überliefert werden.

Heimatgeschichte, die verbindet

1985 von geschichtsinteressierten Wannseer Bewohnern gegründet, hat sich der Verein zu einer unverzichtbaren Institution des Bezirks Steglitz-Zehlendorf entwickelt, wenn es darum geht, Erinnerungskultur lebendig zu halten und Heimatgeschichte zu pflegen. Dazu unterstützt der Verein immer wieder kulturhistorisch bedeutsame Bau- und Naturdenkmäler des Ortsteils durch Spenden und besitzt eine umfangreiche Materialsammlung an Büchern und Schriftstücken zur Geschichte Wannsees. Verwaltet wird sie von der seit 2008 amtierenden 1. Vereinsvorsitzenden Hannelore Bolte in ihrem Haus an der Alsenstraße, das derzeitiger Vereinssitz ist und die kleine, aber gehaltvolle Vereins-Bibliothek verwahrt. Tatkräftig unterstützt wird Frau Bolte in ihrer Recherche-Arbeit vom 2. Vorsitzenden Werner Siepmann sowie von Schriftführer Michael Tunnat und Schatzmeisterin Irene Srama.

Hannelore Bolte, pensionierte Lehrerin für Deutsch und Russisch, zog im Jahr 1972 nach Wannsee und setzte sich schon bald mit der Geschichte des Ortsteils aktiv auseinender. „Als Liebhaberin der Malerei finde ich hier viele Ansatzpunkte“, verrät die temperamentvolle Frau mit den strahlenden Augen, die die besondere Gabe besitzt, unkompliziert und offen auf andere Menschen zugehen zu können. Nicht zuletzt dadurch konnte sie für den Verein ein umfangreiches Netzwerk interessanter Wannseer Persönlichkeiten knüpfen, die nun ihr Engagement um die Heimatgeschichte weit über Wannsee hinaus unterstützen. Dazu gehört auch die Enkelin des als „Eiserner Gustav“ unvergessenen Wannseer „verrückten“ Droschkenkutschers Gustav Hartmann, der am 4. Juni1928, seinem Geburtstag, unter Jubel mit Droschke und Pferd Grasmus in Paris empfangen worden war. Seine damals fünfjährige Enkelin, das heutige Vereinsmitglied Ursula Buchwitz-Wiebach, lebt in Hannelore Boltes Nachbarschaft. Ein KPM-Schild in der Alsenstraße 11 erinnert an ihren berühmten Großvater, der mit seiner friedlicher Droschkenfahrt nach Paris die deutsch-französische Annäherung ein gutes Stück vorangebracht und auf dem Alten Friedhof in Wannsee seine letzte Ruhe gefunden hat.

Eine weitere Persönlichkeit, die den Verein umfangreich unterstützt, ist der ehemalige Polizeipräsident in Berlin a. D., Georg Schertz. Selbst Bewohner der kleinen, aber geschichtsträchtigen Insel Schwanenwerder, arbeitete er mit am Langzeit-Projekt des Vereins „Von Häusern und Menschen“ und übernahm eine Führung über die Insel. Außerdem stellte er seine seit 2005 im Landesarchiv Berlin vorliegende Ausarbeitung zur Insel Schwanenwerder zur Verfügung, so dass die aussagekräftige, von Werner Siepmann betreute Broschüre „Eine Insel im Spiegelbild der Geschichte“ im Jahr 2015 erscheinen konnte. Eine weitere Broschüre, „Einsatzlage Mauerfall“, geht u. a. ebenfalls auf seine Erfahrungen und Aufzeichnungen zurück, die er als Diensthabender in den Tagen des Mauerfalls gemacht hatte. Doch auch die dunklen Tage der Geschichte berücksichtigt der Verein, von der die Broschüre „Das Kriegsende in Wannsee“ berichtet, finanziert von der Evangelischen Kirchengemeinde Wannsee.

Im Einsatz für Wannsee und seine Menschen

Nicht nur, dass unter dem aktiven Vorsitz von Hannelore Bolte die Mitgliederzahl auf 97 anstieg, die Zahl der in Wannsee verlegten Stolpersteine wuchs von zwei im Jahr 2007 bis auf 31 im Jahr 2016 an. Auch der Verein für Kultur und Geschichte in Wannsee übernahm Patenschaften dafür, nachdem Hannelore Bolte bei Recherchen im „Haus der Wannseekonferenz“ von 31 Menschen aus Wannsee erfahren hatte, die ermordet worden waren. Für den Kulturverein hat die 1. Vorsitzende ihre Augen überall und zeigt zusammen mit seinen Mitgliedern steten Einsatz: So bemüht der Verein sich inzwischen um die Pflege und Zukunft der Ehrengräber auf dem Neuen Friedhof an der Andreaskirche und pflegt die damit verbundene Erinnerungskultur, unterstützt von Vorträgen, Exkursionen und Gedenkveranstaltungen.

Seine Mitglieder begleiten die Vereinsarbeit nach ihren jeweiligen Möglichkeiten. „Von Bewohnern kommen manchmal die verrücktesten Anfragen“, erzählt Hannelore Bolte. Doch jeder werde nachgegangen. An jedem zweiten Donnerstag im Monat kommt der Verein zum gemeinsamen Austausch im Potsdamer Yachtclub zusammen, nachdem das „Alte Schulhaus“ aufgrund der steigenden Mitgliederzahl zu eng geworden war.

Nicht in Vergessenheit zu geraten – das liegt Hannelore Bolte nicht nur für die Heimatgeschichte Wannsees am Herzen. Daher meldet sie sich mit dem Verein auch immer wieder mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen persönlich zu Wort; aber auch mit an Wannseer Bürger gerichteten Glückwunschkarten der Fotografin Gudrun Lucke anlässlich von Geburtstagen, die eine 5 oder 0 am Ende aufweisen, oder mit der aussagekräftigen Homepage des Kulturvereins, in der viel ehrenamtliche Arbeit steckt. Neue aktive Mitglieder sind daher im Verein herzlich willkommen, der Jahresbeitrag liegt pro Mitglied bei 36 Euro.

Weitere Informationen und Veranstaltungstermine unter www.kulturverein-wannsee.de , Kontakt unter: kontakt@­kulturverein-wannsee.de .

Jacqueline Lorenz

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