Gazette Verbrauchermagazin

Repair Café Lichterfelde West wird´s schon richten

Auch bei der 1000. Besucherin wieder ein Geräteleben mehr gerettet

Teamleiter Rüdiger K. Büttner begrüßte Alwine Bonjer als besonderen Gast.
Teamleiter Rüdiger K. Büttner begrüßte Alwine Bonjer als besonderen Gast.
Erschienen in Gazette Steglitz November 2022
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Der morgendliche Kaffee ist Alwine Bonjer wieder sicher: Als 1000. Besucher des seit sechs Jahren bestehenden Repair Cafés in Lichterfelde West durfte sie am 10. Oktober beim allmonatlichen Reparatur-Treff nicht nur ihre heißgeliebte und an diesem Abend von fachkundiger Hand kostenlos reparierte Kaffee-Padmaschine mit nach Hause nehmen. Darüber hinaus überreichte ihr Repair-Café-Gründer und Teamleiter Dipl. Ing. Rüdiger K. Büttner eine ebenso nützliche wie süße Aufmerksamkeit: Zwei LED-Lampen sorgen nun dafür, dass Alwine ihr Käffchen nicht im morgendlichen Dämmerlicht schlürfen muss, und die Zehlendorf-Schokolade versüßt ihr den Start in den Tag.

Kaputt iss schon, kaputter kanns nich werden

Mit diesem Gedanken kommen viele Besucher mit ihren defekten Geräten ins Repair Café, das für sie auf jeden Fall immer Kaffee und Kuchen (lecker selbstgebacken) und in den meisten Fällen die erfolgreiche Reparatur bereithält. – So auch für Alwine Bonjer, 1000. Nutzerin des kostenfreien Angebots. „Ich bin so gar nicht dafür, etwas gleich wegzuwerfen“, erklärt die seit über 50 Jahren im Bezirk lebende gebürtige Lindauerin. Und so fiel der Flyer aus ihrem Briefkasten genau der Richtigen in die Hände. „Wegwerfen? Denkste! Repair Café Lichterfelde – West“ stand da in schwungvollen Lettern. Gleich fiel ihr ihre Lieblings-Kaffeemaschine ein, „die einmal richtig teuer gewesen ist und so praktisch, weil man die biologisch abbaubaren Kaffeepads nach Gebrauch einfach im Garten entsorgen kann.“ Die zuverlässige Kaffeezubereitung hatte die mindestens acht Jahre alte Maschine allerdings vor Kurzem eingestellt.

Am 10. Oktober also macht sie sich auf den Weg zum Kultur-Bahnhof Lichterfelde West zum allmonatlichen Reparatur-Treff, das gute, aber defekte Stück sicher verpackt unterm Arm. Teamleiter Büttner erkennt mit fachmännischem Blick das Problem sofort: „Bei diesen Geräten sind es meist ganz bestimmte Bauelemente, die nach gewisser Zeit ausfallen. Anders ist das bei Kaffeeautomaten. Die nehmen wir nicht an, weil sie einfach zu vielschichtig sind.“ Und so gibt er Alwine Bonjer mit ihrer streikenden Padmaschine in die Obhut seiner Bastler-Koryphäen Frank und Winfried, die zum professionellen elf Mann starken Reparaturteam gehören, alles Fachleute wie ausgebildete Techniker, Elektroniker, Mechaniker oder Ingenieure. Immer mit dabei: Büttners Frau Carola und weitere weibliche Einsatzkräfte, zuständig für den administrativen Teil, die Organisation und die Gemütlichkeit vor Ort.

Tüftler Frank und Winfried machen sich bei Alwines Kaffeemaschine gleich ans Werk. Schon das Öffnen des Gerätes verlangt Erfahrung: Keine Schrauben, nur Plastikhalteklammern, die jede falsche Handhabung krumm nehmen und abbrechen könnten. „Gemeinsam reparieren und Spaß haben“, verspricht der Flyer. „Ich will mitmachen“, erklärt Alwine daher. Als Hobby-Malerin bringt sie das notwendige Feingefühl mit. Bei einem so diffizilen Teil aber, wie es ihre Kaffeemaschine ist, darf sie dann wenigstens die Lampe halten.

Teamleiter Büttner dagegen wird – als es schwierig wird – ans Operationsfeld gerufen. Bei so viel vereintem Fingerspitzengefühl kann die Kaffeemaschine schließlich nicht anders und gibt (relais)knirschend nach. 20 Minuten weiter, der defekte Kondensator ist gewechselt, der Lötkolben auch noch zu Wort gekommen, das Innenleben der Maschine wieder züchtig verhüllt. Es ist vollbracht: Sprudelnd vor Glück über ihr neugewonnenes Leben entlässt die Maschine im Probelauf einen heißen Wasserschwall in die bereitgestellte Tasse. Auch wenn Alwine nicht mitgetüftelt hat, Spaß hatte sie dennoch reichlich an diesem Abend. Deshalb will sie bald wiederkommen: „Dann bringe ich mein Kofferradio mit. Da funktioniert die Sendersuche nicht richtig.“ – Team Büttner ist gefragt.

Weil´s Spaß macht, und der Umwelt zuliebe…

sagt Initiator Rüdiger K. Büttner, wenn man ihn fragt, warum er – noch längst nicht im Ruhestand – und sein Team nun schon seit sechs Jahren ehrenamtlich bei bis jetzt immerhin 53 Veranstaltungen mit kostenfreien Reparaturen für über 1.000 Gäste ihre Abende geopfert haben. Und er sagt auch, was die pro Repair-Abend etwa 20 um Reparatur suchenden Besucher bestätigen: „Da ist diese ganz eigene Atmosphäre im wohlorganisierten Chaos des Repair Cafés, in der ein Team eine Gemeinschaft ist, in der jeder jedem hilft. – Das hat was.“

Die Nachfrage ist groß, der Bezirk ist es auch. So hat für den Zehlendorfer Einzugsbereich vor zwei Jahren als Verstärkung in der Villa Mittelhof nach Lichterfelder Vorbild ein weiteres Repair Café eröffnet und ist ebenfalls gut besucht.

Büttner & Co können sich weitere Repair Cafés im Bezirk gut vorstellen: Da ist Bedarf in Lankwitz und auch in Wannsee gibt es Interessierte, die sich solch Repair-Hilfsangebot näher zur eigenen Haustür wünschen.

Weiter geht´s indessen im Kultur-Bahnhof mit flackernden Lampen, knarrenden Mixern und tonlosen Radios, mit defekten Geräten des Alltags, Heimelektrik, Spielzeug, Gebrauchsgegenständen, die auf eine zweite Chance warten: Büttner und seine ehrenamtlichen Tüftler werden´s richten: mit Know-how, Nächstenliebe und viel Erfahrung.

Übrigens: nächster Termin fürs Repair Café im Kultur-Bahnhof Lichterfelde West ist der 14. November 2022 von 18 – 21 Uhr. Anmeldung erbeten per Telefon unter 0157 / 816 94 634 (kein AB, es wird zurückgerufen!)

Weitere Informationen unter www.bastler-beutel.de/RC.htm

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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