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Max Liebermann in Noordwijk

Ausstellung „Küste in Sicht“ in der Liebermann-Villa

Max Liebermann, Am Strand von Noordwijk, 1908. Privatsammlung, Foto: Christoph Irrgang, Hamburg
Max Liebermann, Am Strand von Noordwijk, 1908. Privatsammlung, Foto: Christoph Irrgang, Hamburg
Erschienen in Nikolassee & Schlachtensee Journal August/September 2022
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Zwischen 1905 und 1913 verbrachte Max Liebermann (1847–1935) jeden Sommer im idyllischen Fischerdorf Noordwijk an der holländischen Nordseeküste – mit nur einer Ausnahme, 1910, der erste Sommer in seiner neu erbauten Villa am Wannsee. Das Dorf Noordwijk wurde in diesen Jahren zur bedeutenden Inspirationsquelle des deutsch-jüdischen Malers. Die über 120 in Noordwijk entstandenen Werke sind erstaunliche Dokumente für Liebermanns künstlerische Entwicklung und verweisen auf seine wachsende Faszination für die Techniken und Motive des Impressionismus. Mit der Ausstellung bringt die Liebermann-Villa eine Großzahl der Noordwijk-Gemälde erstmals wieder zusammen und präsentiert die Geschichte Liebermanns in Noordwijk. Mit etwa 30 Leihgaben aus privaten Sammlungen wird die Rolle des Küstenortes sowohl für Liebermanns künstlerische Praxis als auch für sein persönliches und berufliches Netzwerk untersucht.

Faszination Noordwijk

Ab den 1870er-Jahren reiste Liebermann fast jährlich nach Holland, wo er von der reichen künstlerischen Tradition, den Menschen und der Landschaft fasziniert war. Es entstanden die bis heute unverwechselbaren Bildmotive der Waisenhäuser oder des sogenannten Judenviertels in Amsterdam. Auch die holländischen Küstenorte hielten um 1900 eine Fülle an Sujets bereit, u. a. Badende und Reitende am Strand. Doch mit der wachsenden Beliebtheit der Urlaubsziele Zandvoort und Scheveningen fühlte sich Liebermann zunehmend gestört – bis er Noordwijk kennenlernte.

Um die Jahrhundertwende war das kleine Fischerdorf Noordwijk umgeben von weiter, unbebauter Landschaft. Die meisten Straßen waren noch nicht gepflastert und die Dünen reichten bis zum Ortsrand. Max Liebermann fand dort eine Ursprünglichkeit vor, die ihn über viele Jahre faszinierte. Mit einer beeindruckenden Ausdruckskraft, einer intensiven Farbpalette und zunehmend lockeren Pinselführung fing Liebermann spielende Kinder, Gemüseverkäufer mit Karren und Wäsche bleichende Dorfbewohnerinnen ein. Mit der wachsenden Beliebtheit des kleinen Ortes machten sich auch Freizeitmotive, wie flanierende Touristinnen am Strand oder Tennisplätze, in Liebermanns Werken bemerkbar. Die faszinierenden Werke vermitteln noch heute eindrücklich das Küstengefühl.

Künstlerort

Mit dem wachsenden Tourismus wurde Noordwijk auch zu einem Treffpunkt des deutschsprachigen Großbürgertums in Holland. Liebermanns Berliner Kunsthändler, der Verleger Paul Cassirer (1871–1926), ließ sich dort im Jahr 1906 eine Villa in den Dünen bauen und lud zahlreiche Künstlerfreunde ein. So begegnete Max Liebermann vielen seiner Secessionskollegen in Holland, darunter Max Slevogt (1868–1932) und Lovis Corinth (1858–1925). Der Küstenort wurde damit zu einem Ort des Netzwerkens der deutschen Kunst- und Kulturszene. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 kehrte Liebermann nie mehr nach Holland zurück, sondern verbrachte stattdessen die Sommer in seiner Villa am Wannsee. Die Noordwijk-Bilder gelten als unmittelbare Vorläufer der impressionistischen Gartenbilder, die Liebermanns Spätwerk auszeichnen und mit welchen er seinen Ruf in Berlin festigte.

„Küste in Sicht! Max Liebermann in Noordwijk“ wird bis zum 19. September 2022 gezeigt. Liebermann Villa, Colomierstraße 3, 14109 Berlin. Weitere Informationen unter www.liebermann-villa.de

Titelbild

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