Gazette Verbrauchermagazin

Gut älter werden im Bezirk mit „Der Runde Tisch“

Netzwerk macht Mut

Erschienen in Lichterfelde West Journal August/September 2022
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So richtig rund waren die meisten Tische nicht, aber das tat dem Erfolg der Veranstaltung zum Thema „Gut älter werden in Steglitz-Zehlendorf“ keinen Abbruch. Immerhin 25,8 Prozent der Einwohner von Steglitz-Zehlendorf sind über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. Da ist es durchaus sinnvoll, dieser Gruppe gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken, um ihr Älter-Werden und ihre Bedürfnisse mitzubedenken, hin zu einer positiven Zukunft jenseits des Berufslebens.

Und so spielte das Seniorenorchester passend zum Wetter und Anlass flotte Weisen. Die leichtgeschürzte Bauchtanzgruppe musste nicht fürchten sich zu erkälten, bei strahlender Frühsommersonne waren rund 300 Senioren und solche, die es werden wollen, mit und ohne Strohhut in die Freizeitstätte Maria-Rimkus-Haus gekommen, um sich drinnen und draußen an 17 Ständen über altersrelevante Themen wie Freizeit, Begegnung, Kultur, Bewegung, Gesundheit, Digitalisierung, Freiwilliges Engagement, Nachbarschaftshilfe, Sicherheit sowie Pflege und Wohnen im Alter zu informieren und auszutauschen. Mitmachen war bei Bewegungsspielen oder der Erprobung der Reaktionsgeschwindigkeit angesagt.

Und wer wollte, konnte sich am Tablet versuchen oder im Internet nach berlinweiten Angeboten stöbern. Bei Kaffee und von der Gercke&Lala-Stiftung gespendetem Kuchen, den es über die kostenfreie Eintrittskarte gab, kam man schnell ins Gespräch miteinander. Initiator dieses „Runden Tisches“ war das Netzwerk von Einrichtungen des Bezirksamtes, freier Träger, Senioreninitiativen und Kirchengemeinden in Steglitz-Zehlendorf. So hatten Organisationen wie Mittelhof e. V., Stadtteilzentrum Steglitz e. V., Stiftung Villa Donnersmarck, Malteser Hilfsdienst, Wendepunkt, Seniorennetz Berlin, Pflegestützpunkte und die Seniorenvertretung des Bezirks, aber auch die Diakonie und Polizei ihre Mitarbeitenden vor Ort berufen, ihre Organisation vorzustellen und älteren wie auch jüngeren Besuchern Rede und Antwort zu stehen. – So wie Silke, Besucherin aus Lankwitz: Die 18-Jährige trägt sich mit der Überlegung, nach dem Abi einen sozialen Beruf zu ergreifen. „Aber wo fange ich da an?“ stellt sie sich die Frage und ist froh, dass es diese Informationsveranstaltung gab, bei der Organisationen, die sich für Senioren einsetzen, zu Wort kamen. „Mir fallen, wenn ich durch den Park zur Schule gehe, manchmal die alten Leute auf, die still auf den Bänken sitzen. Ich spreche sie dann einfach an, übers Wetter oder so, und plötzlich sind sie ganz gesprächig.“ Sie glaubt, dass es viele ältere Menschen gibt, denen einfach nur etwas Ansprache fehlt, die ihnen guttäte. Silkes Ansatz ist richtig: Schätzungsweise acht Millionen Menschen der Generation 60plus gelten in Deutschland zumindest zeitweise als vereinsamt. Doch man kann etwas dagegen tun.

Mach´s wie GiG

Des Problems hat sich auch „GiG – getragen in Gemeinschaft“ angenommen und will mit seinen Projekten dem entgegen wirken. Mit Projektkoordinatorin und Powerfrau Nicole Herlitz war GiG maßgebliches Informationsglied bei der Veranstaltung. – Die Koordinatorin hat im Januar 2022 ihren Bürostuhl von Schlachtensee in die Glockenstraße 8 in ihr neues Büro im Heimathaus des Ev. Diakonievereins in Zehlendorf verlagert. Nicht ohne Grund, denn Anfang des Jahres wechselte GiG vom Ev. Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf zum Ev. Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e. V. und agiert nun in diesem Verbund. Von der Kreissynode für die Arbeit mit Senioren offiziell beauftragt, bleibt GiG aber weiterhin dem Ev. Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf eng verbunden. 2016 bereits war das GiG-Projekt unter dem Slogan „Hochbetagt am Rande der Stadt“ in Nikolassee und Schlachtensee gestartet, das aus Mitteln verschiedener Stiftungen, des Ev. Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e. V., des Ev. Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf, der Ev. Gemeinden Nikolassee und Schlachtensee sowie aus Spenden finanziert wird. Ziel der verschiedenen von GiG initiierten Projekte im Kiez ist stets der Zusammenhalt und ein gestärktes Miteinander von Jung und Alt, gegen Vereinsamung und für wertschätzende Teilhabe von hochbetagten Menschen: Sei es mit dem „Erzählcafé“, in dem sich Schüler mit Menschen der älteren Generation beim Kaffeetrinken austauschen und dabei die Brücke zwischen den Generationen überschreiten oder mit der „Taschengeldbörse“, bei der Jugendliche mobilitätseingeschränkten Menschen aus der Nachbarschaft mit kleinen Gesten beim Einkaufen, beim Umgang mit der Digitalisierung, mit Handy und Laptop oder als Begleitung bei Theaterbesuchen ihre Wertschätzung beweisen – und oft so viel zurück bekommen. Und auch „ziemlich beste Brieffreunde“ können sich finden, wenn ein regelmäßiger Briefwechsel zwischen Grundschülern und Älteren gepflegt wird. Auf Nachbarschaftsfesten kann man sich ungezwungen näherkommen, und im inzwischen schon Tradition gewordenen Kalender der GiG-„Kiezgeschichten“ werden (manchmal auch ganz persönliche) Geschichten von Menschen im Kiez erzählt, die damit ein Stück Erinnerung und Neuigkeiten aus der Nachbarschaft mit vielen Menschen teilen.

Angebote nutzen, damit´s auch mit dem Altern klappt

„Anbieter und Nutzer“ brachte die Informationsveranstaltung im Maria-Rimkus-Haus dann auch auf sehr persönliche Art und Weise zusammen, wo Zuhören großgeschrieben wurde; – eine Tugend, die gerade Ältere zu schätzen wissen. Und immer wieder konnten von den anwesenden Fachleuten ermutigende Lösungswege und Zuständigkeiten aufgezeigt werde. Tim Richter, Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Soziales, nahm sich vor Ort viel Zeit für die angetretenen Organisationen, besonders aber für die älteren Besucher, deren Fragen er sich in einem sehr bürgernahen Interview mit Nicole Herlitz stellte: Hauptthemen dabei waren die Zukunft der beliebten Freizeitstätte Lichterfelde Ost, deren Schließung aufgrund von Mieterhöhung droht, der Wunsch nach besserer Mobilität durch bessere Anbindungen aus dem Öffentlichen Verkehrsnetz sowie die dringende Bitte nach mehr öffentlichen Toiletten bzw. leichterem Zugang zu Toiletten.

Anlässlich dieses wichtigen Runden Tisches erklärte Tim Richter dann auch: „Mit der Veranstaltung „Gut älter werden in Steglitz-Zehlendorf“ bringen die beteiligten Träger Angebot und Nachfrage zusammen, präsentieren Angebote in der Öffentlichkeit. Mir ist dabei wichtig, dass wir positiv über das Älter-Werden sprechen. Wir alle dürfen – hoffentlich gesund – älter werden. Und da gehört es zu uns in Steglitz-Zehlendorf dazu, dass wir die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger mitdenken. Und dieses Mit-Denken umfasst alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens: Freizeit, Begegnung, Kultur, Bewegung, Gesundheit, Freiwilliges Engagement, Nachbarschaftshilfe, Sicherheit und Wohnen im Alter.“

Und Frau Dr. Levke Quabeck, QPK – Gesundheitsdienste in Vertretung von Frau Böhm, Stadträtin für Gesundheit und Jugend, erklärte: „Bei all den genannten Punkten – Bewegungsförderung, Einbezug von isolierten Menschen, Digitalisierung ist einer der wichtigsten Faktoren die Zusammenarbeit – sowohl innerhalb des Bezirksamtes als auch mit der Seniorenvertretung und den freien Trägern und Stiftungen unseres Bezirks. Natürlich arbeiten meine Abteilungen für Gesundheit auch eng mit dem Sozialamt zusammen, und wir sind auch sehr gerne Teil des Netzwerkes „Runder Tisch gut älter werden in Steglitz-Zehlendorf“ und im Verbund für Altenhilfe und Gerontopsychiatrie. Zusammen können wir unsere sehr unterschiedlichen Ressourcen bündeln und älteren Menschen gute und bedarfsgerechte Angebote machen – die ja so vielfältig sein sollten, wie das Menschen immer sind, egal welchen Alters.“

Weitere Informationen und Angebote für Ältere unter www.gut-aelter-werden-in-sz.de und www.seniorennetz.berlin und www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/ #soz

Die Broschüre „Wir treffen uns“ ist beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf erhältlich und enthält Informationen und Gruppenangebote für ältere Bürgerinnen und Bürger.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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