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Vom Fischteich zum Erholungsort

Der Lietzensee gehörte Nonnen und einem preußischen Kriegsminister

Die Große Kaskade am Südufer des Lietzenseeparks wurde 1912-1913 von Erwin Barth und Heinrich Seeling geschaffen. Im Jahr 2006 wurde sie saniert, 2018 erfolgte der Neubau der Pergola.
Die Große Kaskade am Südufer des Lietzenseeparks wurde 1912-1913 von Erwin Barth und Heinrich Seeling geschaffen. Im Jahr 2006 wurde sie saniert, 2018 erfolgte der Neubau der Pergola.
Erschienen in Gazette Charlottenburg Juli 2022
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Der idyllisch gelegene Lietzensee – er gehört zur Grunewaldseenkette und ist deren nördlichster See – wurde schon lange von Menschen genutzt. Einst war die Gegend im Besitz des Benediktinerinnenklosters St. Marien in Spandau, daran erinnern Namen wie „Jungfernheide“ und „Nonnendamm“. Der einsam im Wald gelegene Lietzensee gehörte zu den Gewässern, die vom Kloster zum Fischen genutzt wurden. Mit der Reformation endete die Zeit des Klosters. Der Name des Sees ist mit Lietzow verwandt, dem ursprünglichen Namen des nahen Dorfes, das nach Charlottenburg eingemeindet wurde. Eine Sage gibt jedoch an, dass ein Dorf namens Lützow im See versunken sein soll und er so zu seinem Namen kam. Lietzow soll sich von dem slawischen „luccina“ ableiten, was so viel wie Lache oder Sumpf bedeutet. Gleichzeitig ist Lietze eine alte Berliner Bezeichnung für das Blässhuhn, das auf dem See früher häufig gewesen sein soll.

1824 kaufte der preußische Generalleutnant und spätere Kriegsminister Job von Witzleben den See und die umliegenden Ländereien. Er ließ einen Park anlegen, der von Anfang an für die Öffentlichkeit zugänglich war. Von Witzleben, der bereits beim Kauf erkrankt war, starb im Jahr 1837. Der Naturforscher und Kunstgärtner Ferdinand Deppe kaufte das Areal und benannte es nach seinem Vorbesitzer „Witzleben“, ein Name, der bis heute die Ortslage um den Lietzensee bezeichnet. Er züchtete am Lietzensee Rosen und Dahlien. Die wunderschönen Blumen gehörten schon bald zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend. Auch Deppe ließ den Park für die Allgemeinheit geöffnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts, im Zuge der Gründerzeit, wurde auch die Gegend um den Lietzensee bebaut. 1904 ließ die Stadt einen Damm aufschütten und teilte den See. Auf dem Damm wurde die heutige Neue Kantstraße gebaut. Der Nord- und Südteil des Sees sind für Spaziergänger durch eine Unterführung zu erreichen. Am östlichen Ufer reichen die Grundstücke bis an den See heran, doch im Lietzenseepark, der den größten Teil des Sees umschließt, ist der Blick auf den See unverbaut. Und so erfreut sich der Lietzensee als Erholungsort nach wie vor großer Beliebtheit.

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