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Die kleinste Dorfkirche Berlins

Schmargendorfer Feldsteinkirche im Laufe der Jahrhunderte

Dorfkirche Schmargendorf.
Dorfkirche Schmargendorf.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Februar 2017
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Der genaue Zeitpunkt der Entstehung der Schmargendorfer Dorfkirche ist unbekannt, vermutlich war es im Laufe des 14. Jahrhunderts. Die Kirche bietet Platz für ca. 80 Gläubige und ist somit die kleinste Dorfkirche Berlins.

Der Atem der Geschichte ist deutlich zu spüren. Auf der Strecke zwischen alter Dorfkirche und markantem Rathaus haben sich noch Relikte aus dem aufstrebenden Ort erhalten, die Bindeglieder zwischen Dorf und dem langsamen Wachsen zur Stadt waren und an jene Zeit erinnern. Das Flair ist das einer gemütlichen Kleinstadt geblieben. Die Häuser in der Breite Straße Nr. 20 und 23 erinnern noch an das Dorf, mit der Nr. 23 ist das letzte Bauernhaus erhalten geblieben. Die Dorfkirche ist heute die kleinste erhaltene ihrer Art in Berlin. Sie wurde vor etwa 700 Jahren errichtet, obwohl bereits im Jahr 1275 eine Kirche erwähnt wurde. Es wird aber vermutet, dass es sich hierbei um einen Vorgängerbau handelte.

Als Joachim II., der die Region im 16. Jahrhundert regierte, evangelisch wurde, trat auch Schmargendorf zum protestantischen Glauben über. Damals herrschte der Grundsatz „Wes die Gegend, des die Religion“, volkstümlich „Wie der Herr, so’s Gescherr“. 1831 wurde der Kirche ein Fachwerkturm aufgesetzt, im Jahr 1957 wurde dieser rundherum verbrettert. Im Kirchturm befinden sich zwei Glocken aus dem 14. Jahrhundert, neben dem Eingang der Kirche erinnert eine Tafel an den ehemaligen Dorfbesitzer Hans von Willmersdorff und seine Frau Eva.

Die Kirche wurde mehrmals umgebaut

1895 wurde die Kirche umgebaut – leider nicht zu ihrem Vorteil. Die Veränderungen, bei denen Fenster vergrößert und der flach gedeckte Saalbau in ein Tonnengewölbe umgebaut wurden, waren jedoch nicht von Dauer. Bereits 1936 musste die Kirche geschlossen werden; der Grund: Baufälligkeit. Die Kirche dem Verfall preiszugeben oder gar abzureißen, kam für die Schmargendorfer gar nicht infrage. Deshalb erfolgte die Wiederherstellung nach historischem Vorbild im Jahr 1937/1938 zur 700-Jahrfeier Berlins. Einige Modernisierungen waren auch vorgesehen – wie der Einbau einer Heizungsanlage. Hierzu rissen die Arbeiter den Fußboden auf und stießen in einem bis dato in Vergessenheit geratenen Kellergewölbe auf sieben Särge. Hier lagen unter anderem die Gebeine des Ehepaars Hans und Eva von Willmersdorff sowie ihres siebenjährigen Sohnes. Hans von Willmersdorff gehörte zu den Prominenten seiner Zeit. Er hatte das Amt des Kammergerichtsrat am Kammergericht inne und fungierte zudem als Gesandter der Kurfürsten seiner Zeit. Zum einen Johann Sigismund, unter dem die Mark Brandenburg gewaltige Gebietszuwächse verzeichnen konnte. Zum anderen Georg Wilhelm, der sich bemühte, Brandenburg aus dem 30-jährigen Krieg herauszuhalten. Das gelang ihm nicht, obwohl Hans von Willmersdorff sich am 4. August 1620 mit Wallenstein traf und auch nach Halberstadt reiste, um Brandenburg von den Einquartierungen der Soldaten samt den damit verbundenen hohen Ausgaben zu befreien. Aus den Särgen wurden die goldenen Trauringe des Ehepaares entnommen, die leider während des Krieges verlorengingen. Eine Erinnerung an das Ehepaar befindet sich aber dennoch im Besitz der Kirche: Ein Abendmahlkelch mit der Gravur EVWGB 1.6.3.4. Die Buchstaben auf dem Kelch bedeuten Eva von Willmersdorff geb. Below.

Eine zusätzliche Besonderheit sind die Kirchenglocken, die aus dem 14. Jahrhundert stammen. Sie hatten das seltene Glück, zwei Weltkriege zu überstehen ohne zum Einschmelzen abgenommen zu werden.

Heute ist in der Dorfkirche eine lebendige Kirchengemeinde zu Hause, die von der Krabbelgruppe über Familiengottesdienste, Eltern-Kind-Turnen, Konfirmandenunterricht, Tanzangebote, Malkurse, Seniorenkreis und vieles mehr für jede Altersgruppe da ist. Informationen über die Gemeinde und ihr Programm finden Sie im Internet unter www.alt-schmargendorf.de.

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