Gazette Verbrauchermagazin

Weltkulturerbe Glienicke schützen

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) diskutiert

Heilandskirche am Port von Sacrow.
Heilandskirche am Port von Sacrow.
Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Dezember 2020

Nach aktuellen Planungen will ein Mobilfunkunternehmen im Potsdamer Ortsteil Sacrow einen 44 Meter hohen Sendemast errichten. Gegen diese Pläne regt sich Widerstand, da nach Auffassung der Kritiker mit diesem Projekt die historischen Sichtachsen der Preußischen Schlösser und Gärten und damit des Weltkulturerbe Ensembles beeinträchtigt werden. Die BVV Steglitz-Zehlendorf fasste im November einen Beschluss, der sich gegen das Projekt bzw. für eine Verlegung des Standortes der Anlage ausspricht. Im Folgenden nehmen die Fraktionen in der BVV zu dem Projekt Stellung.

CDU-Fraktion

Sacrower Bürgern, die durch einen 44 Meter hohen Sendemast das historische Ensemble ihres Ortes gefährdet sehen, sind an die CDU Steglitz-Zehlendorf herangetreten. Dabei sind auch Belange und Interessen des Bezirks Steglitz-Zehlendorf berührt. Der Sendemast wäre deutlich auch von unserem Teil der Glienicker Brücke, der Pfaueninsel, dem Uferweg, sowie vom Wasser bis zum Wannsee aus zu sehen. Die Sichtachsen des Weltkulturerbes Preußische Schlösser und Gärten wären erheblich beeinträchtigt. Damit würde der Authentizität und Ursprünglichkeit des beliebten Ausflugsziels der Berliner und damit einer wichtigen touristischen Attraktion Berlins und dem Weltkulturerbe erheblicher Schaden zugefügt. Wir teilen die Bedenken, und gehen davon aus, dass die Bürger das Bezirks dies auch so sehen. Dieser Mast darf dort auf keinen Fall gebaut werden. Wir wollen keine Neuauflage des Problems Waldschlößchenbrücke/Dresden. Die BVV hat zwar keinen direkten Einfluss auf den Mast. Wir wollen aber, dass das Bezirksamt mit Nachdruck die zuständigen Stellen auffordert, eine andere Lösung zu finden.

Dr. Marela Bone-Winkel

SPD-Fraktion

Ein UNESCO Weltkulturerbe ist eine außerordentliche Auszeichnung. Es ist alles zu unterlassen, was den Gründen zur Auszeichnung des Ensembles entgegensteht. Veränderungen sind behutsam zusammen mit der UNESCO zu entwickeln. Auch sind sachkundige Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen, jedoch zu entscheiden hat am Ende die gewählte Volksvertretung. Auch ist das berechtigte Interesse des Mobilfunkanbieters zu berücksichtigen, eine gute und flächendeckende Funkverbindung anbieten zu können. Die Klagen über Funklöcher sind erheblich. Die widerstreitenden Interessen sind ohne Vorbedingungen an einem „runden Tisch“ zu erörtern und zu lösen. Unverrückbare Vorabforderungen oder eine Standortgarantie darf es dabei nicht geben. Alle Beteiligten müssen zum Kompromiss bereit sein. Hilfreich könnte es sein, zur Anschauung ein Holzmodell im Original zu errichten und dann auf das Ensemble zu schauen. In der Schweiz werden damit u. a. beim Hausbau gute Erfahrungen gemacht. Die Vereinbarkeit von Weltkulturerbe und moderner Infrastruktur sollte möglich sein, solange ehrlich, offen und transparent an einer gemeinsamen Lösung gearbeitet wird.

Norbert Buchta

B‘90/Grünen-Fraktion

Die „Parklandschaft Glienicke“ ist mit ihrem UNESO-Weltkulturerbe-Ensemble von Pfaueninsel bis Schloss Glienicke so etwas wie ein verstecktes Juwel teils in unserem Bezirk, teils in unserer nächsten Nähe: gerne besucht und genossen, kaum bewusst zur Kenntnis genommen. Zugehörige historische Gebäude verfallen hier leider zusehends und wir müssen dem entgegenwirken. Neben der Auswahl der Pflanzen, ihrer Anordnung und der Gestaltung der Landschaftsstruktur gehören zu einer Lennéschen Landschaftsgestaltung unbedingt auch die Sichtachsen dazu: Binnensichtachsen innerhalb des Ensembles, aber auch zum Beispiel zur Heilandskirche und nach Sacrow hinüber. Hier würde ein aktuell geplanter, 44 Meter hoher Mobilfunk-Sendemast für eine erhebliche Störung der ursprünglichen Sichtachse sorgen. Wir denken, dass es gerade hier anderer technischer Lösungen bedürfte, die die Sichtachse nicht beeinträchtigen und diese besondere Gartenanlage in all ihren Ausprägungen auch für die nächste Generation erhalten helfen und die Freude an und Begegnung mit der Natur durch eine ganz besondere Verbindung von Denkmal und Natur direkt vor unserer Haustür weiterhin vermitteln.

Carsten Berger

AfD-Fraktion

„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!“ – eine Lebensweisheit des Geheimrats Goethe, die er seinen Dr. Faust sagen lässt. Unser kulturelles Erbe gilt es zu erhalten. Unter anderem gehören Schlösser und Parks in Berlin und Potsdam zum ersten gesamtdeutschen Weltkulturerbe. Doch die Parks sind bedroht.

Zu Recht hat die CDU das Bezirksamt jetzt aufgefordert, sich dafür einzusetzen, den Bau eines 44 Meter hohen geplanten Vodafone-Sendemasts im Potsdamer Ortsteil Sacrow zu verhindern. Die historischen Sichtachsen werden beeinträchtigt.

Es ist ein Skandal erster Güte: Seit 2014, so die Presse, soll Vodafone nach einem geeigneten Standort für einen Sendemast gesucht haben. Wie der Presse weiter zu entnehmen ist, scheint es ohne Diskussionen und Informationen der Bevölkerung Sacrow getroffen zu haben. Nur durch Zufall kam das in diesem Jahr heraus. Transparenz sieht anders aus.

Man kann immer nur wieder daran erinnern, dass ähnliche Neubauten nach der Wende, wie zum Beispiel in Dresden die Waldschlösschenbrücke die Gefahr bergen, aus der Weltkulturerbeliste gestrichen zu werden. Deshalb: Kein Sendemast in Sacrow!

Peer Lars Döhnert

FDP-Fraktion

Gute Nachbarschaft sieht anders aus. Im Potsdamer Ortsteil Sacrow soll am Rande der UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ ein 44 Meter hoher Sendemast eines Mobilfunkunternehmens erstellt werden. Ohne Kenntnis der Anwohner, aber auch ohne Beteiligung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf als unmittelbarer Nachbar von Sacrow auf der anderen Seite der Havel, hatte die Stadt bereits Zustimmung zu einem auch bei den Einwohnern von Sacrow umstrittenen Standort signalisiert. Mittlerweile ist nach einer Bürgerversammlung Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Flankiert wird dies durch einen im November gefassten Beschluss der BVV, wonach das Bezirksamt aufgefordert wird, sich für einen anderen Standort des Mastes einzusetzen. Die FDP unterstützt das Anliegen, die Einrichtung eines verbesserten Anschlusses an das Mobilfunknetz, ein „Muss“ in dieser Zeit, und die Erhaltung von historischen Sichtachsen in Einklang zu bringen. Es gilt aber in erster Linie alle Beteiligten mit ins Boot zu holen und das Verfahren transparent zu gestalten.

Rolf Breidenbach

Linksfraktion

Dem kann man sich doch anschließen – tun wir auch. Denn das, was die Besucher*innen der Parks vor allem interessiert ist – neben Kultur und Sichtachsen – der Zustand der Grünflächen, der Bäume, der Natur. Hier muss der Bezirk S-Z seine Hausaufgaben noch machen. Wenn große Flächen abgesperrt werden müssen, weil Äste drohen abzubrechen und Besucher*innen zu gefährden, dann ist dies ein Armutszeugnis für das Bezirksamt, das nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stellt, um die Grünflächen entsprechend zu pflegen. Wir wissen um die Folgen der Dürresommer und haben deshalb in den vergangenen Haushaltsverhandlungen versucht, per Änderungsantrag mehr Geld für Bäume und Grünpflege zu erreichen. Pusteblume! Abgelehnt von Schwarzgrün. Ob nun die Errichtung eines Sendemastes auf Potsdamer Gebiet eine größere Gefährdung für das Weltkulturerbe darstellt als der Niedergang des Kulturgutes Natur, ist gewiss eine Frage der Priorisierung. Es fragt sich aber, ob wir uns nicht alle miteinander freuen, wenn es dann dort kein „Funkloch“ mehr gibt und wir die gerade geschossenen Selfies auf der Glienicker Brücke in alle Welt schicken können.

Gerald Bader

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