Gazette Verbrauchermagazin

20 Jahre „Miteinander im Kiez e. V.“ für Mensch und Umwelt

Stadtteilinitiative im steten Einsatz um l(i)ebenswertes Wohnumfeld

Miteinander: Stadtteilinitiative, Bezirksstadtrat und wirBERLIN.
Miteinander: Stadtteilinitiative, Bezirksstadtrat und wirBERLIN.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf September 2020
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Für die Förderung der Nachbarschaft und des Wohnumfeldes rund um den Leon-Jessel-Platz setzt sich die Stadtteilinitiative um Ingrid Lienke und ihre Mitstreiter seit 20 Jahren mit ganzem Herzen ein. Ein weiterer wichtiger Schritt Richtung lebenswertem Umfeld gelang dem Verein am 7. August 2020 auf dem „Pilzplatz“ in Wilmersdorf gemeinsam mit der wirBERLIN gGmbH und dem Umweltamt von Charlottenburg-Wilmersdorf: Mithilfe ihrer „Kippen-Box“ an einer Platzlaterne sagen die Umweltfreunde nach englischem Vorbild nun „miteinander“ dem unbedachten Wegwerfen von Zigarettenkippen den Kampf an.

Mit einem symbolischen ersten Kippeneinwurf weihten Stadtteilinitiative, Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger und Vertreter von wirBERLIN ihre „Ballot Bin“ ein.

Kippensammeln mit Spaß – der Umwelt zuliebe

Mit einer guten Portion Humor startete die Aktion Kippen-Mülleimer, welche auf die Stadtteilinitiative und ihre Mitstreiter zurückgeht. In den Medien hatte Vorstandsmitglied Ingrid Lienke das Aufstellen des ersten Berliner Ballon Bin in Spandau verfolgt und sofort gewusst: „Das brauchen wir am Leon-Jessel-Platz auch.“ Denn bei den engagierten Parkputzaktionen der Stadtteilinitiative fielen Mengen achtlos weggeworfener Zigarettenkippen ins Auge: Allein 49 Stummel waren es auf einem markierten Quadratmeter, der in den kommenden Wochen noch mehrmals in 14-tägigem Abstand ausgezählt werden wird.

Diesen Zustand zu ändern, trat die resolute Umweltfreundin Lienke mit der gemeinnützigen Organisation wirBERLIN in Kontakt, die in der Hauptstadt in Sachen Kippen-Bekämpfung in erster Reihe agiert. Die Stadtteilinitiative finanzierte zunächst das Kippenbox-Projekt vor, für das dann das bezirkliche Umweltamt grünes Licht gab und die Finanzierung übernahm. Dafür sagte am Einweihungstag der Kippenbox die pensioniere Schulleiterin Ingrid Lienke auch im Namen der Umwelt danke: „So können wir auf humoristische Weise die Idee aus England auch hier am Pilzplatz an den Menschen bringen und mehr Aufmerksamkeit für ein ernstes Thema zugunsten von Natur und Umwelt bei Jung und Alt wecken. Denn jeder unachtsam auf den Boden geworfene Stummel bedeutet immerhin 40 Liter verseuchtes Grundwasser.“

Mit Kippen-Box, Taschenascher und Stängel-Bengel“ für sauberes Straßenland

Mit einem gutgemeinten Augenzwinkern ging die Aktion in Wilmersdorf an den Start, denn mit dem Einwerfen der Fluppen in den zweigeteilten gelben Sammler mit durchsichtiger Frontscheibe erfüllen die Kippen gleichzeitig einen informativen Zweck: Mit jedem eingeworfenen Stummel kann über regelmäßig wechselnde lokale Themen für alle sichtbar mit „Ja“ oder „Nein“ abgestimmt werden. Aktuelles Abstimmungsthema auf der Box: Sollte Pfand auf Zigarettenkippen erhoben werden? „Weitere Themenvorschläge sichten wir derzeit; es gibt bereits einige, natürlich nicht nur zum Thema Rauchen“, erklärt Ingrid Lienke und hofft, mit diesem spielerischen Ansatz der nachhaltigen Aktion möglichst viele Menschen im Kiez zum Mitmachen bewegen zu können.

An ihrer Seite erklärte Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger am Einweihungstag gutgelaunt: „Mit der gewachsene Kooperation zwischen wirBERLIN und der Stadtteilinitiative „Miteinander im Kiez e. V.“ helfen beide Projektpartner über das Thema „Was liegt auf dem Fußboden?“, Straßenfläche zurückzuerobern. Weitere Bürgervorschläge liegen dazu vor.“ So sei an das Bezirksamt die Idee herangetragen worden, rund um den Leon-Jessel-Platz Plastik zu sammeln, um daraus Aschenbecher für das Kippenprojekt fertigen zu lassen. Ein erstes Musterverfahren läuft dazu. Und auch das Auflesen der ebenfalls in Mengen herumliegenden Kronkorken auf dem „Pilzplatz“ ist ein wichtiges Thema, dem man sich zukünftig „Miteinander“ widmen will.

Ergänzend betont Sebastian Weise, Projektleiter der gemeinnützigen Initiative wirBERLIN für mehr Aufenthalts- und Lebensqualität, die in Anlehnung zum Ballon Bin die Kampagne der „Kippen-Buddies“ ins Leben gerufen hat: „Aktuell laufen an verschiedenen Berliner Stellen – darunter auch der Kiez rund um den Leon-Jessel-Platz – von wirBERLIN initiierte Öffentlichkeitskampagnen, in denen mit gutem Beispiel „Fluppen-Puppe“, Stängel-Bengel“ und „Stümmel-Lümmel“ als Botschafter vorangehen, indem sie Taschenascher an die Kiez-Gewerbe und -Kioske geben, damit diese kostenlos an die Kunden nach dem Motto „Immer Asche in der Tasche“ abgegeben werden.“ Schließlich seien Zigarettenkippen toxischer Sondermüll, der jährlich in Milliardenhöhe auf dem Boden anstatt im Mülleimer lande. Diese Problematik müsse endlich ernsthaft angepackt werden. – Eine Ansage, hinter der aktiv auch Bezirksamt und Stadtteilinitiative stehen.

Von „Aktion Spielstraße“ bis „Bücherbox“ miteinander dabei

Die Mitstreiterinnen und Mitstreiter Stadtteilinitiative „Miteinander im Kiez e. V.“ sind seit 20 Jahren zur Stelle, wenn es darum geht, die Wohlfühlqualität im Kiez rund um den Leon-Jessel-Platz zu erhöhen und dort eine ebenso lebens- wie liebenswerte Atmosphäre zu schaffen. Nicht nur Vorstandsmitglied Ingrid Lienke ärgert es maßlos, wenn Einzelne diesen Einsatz engagierter Nachbarn und Anwohner durch verantwortungsloses und respektloses Verhalten torpedieren. Mit regelmäßigen Aktionen, Kiezfesten, -treffen und Pflegeeinsätzen leistet der Verein dagegen Überzeugungsarbeit und spricht gleichgesinnte Mitkämpfer an. An seiner Seite weiß er dabei benachbarte Initiativen und Vereine wie das in Wilmersdorf gegründete Netzwerk „Menschengerechte Stadt“, das sich für weniger Verkehr und mehr Platz für Menschen einsetzt. – Ein Ziel, hinter dem Ingrid Lienke mit ganzer Überzeugung uns allen Vereinsmitgliedern steht. „Gemeinsam haben wir mehr Schlagkraft“, weiß sie und lobt die erfolgreiche Kooperation mit wirBERLIN und den Austausch mit erfolgreichen Bürgerinitiativen, wie sie beispielsweise am Bundesplatz und am Breitenbachplatz bestehen, sowie mit dem Freien Träger Tannenhof Berlin-Brandenburg. Und auch die Fridays-for-Future-Bewegung habe diese Schlagkraft gestärkt, betont Ingrid Lienke.

Nach den Prinzipien der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit wurde über die Jahre miteinander im Kiez auch die allseits beliebte Bücherbox finanziert und angeschafft, werden gemeinsame Putz- und Pflegeaktionen gestemmt, setzt man sich mit der Stadtteilinitiative für weniger Autos, Verkehrsberuhigung und mehr Straßenland der Menschen sowie für verkehrsberuhigte Zonen und Spielstraßen ein. – So auch demnächst am europaweit ausgerufenen autofreien Tag, dem 22. September 2020, an dem in Berlin mit Unterstützung der Senatsverwaltung und des Bezirksamtes viele Straßenabschnitte tatsächlich für den Autoverkehr gesperrt und zur zeitweisen Spielstraße werden sollen. Ingrid Lienke hofft auch für ihren Kiez: „Wir haben uns dazu für die Sigmaringer Straße zwischen Gasteiner und Wegener Straße von 14-18 Uhr angemeldet. Hoffentlich klappt es.“

Immer wieder neue Ideen für mehr Nachbarschaft, gegenseitige Hilfe und ihr Wohnumfeld bringt der Verein hervor, der sich im Jahr 2000 gegründet hatte, um dafür zu sorgen, dass ein leerstehendes Haus im Besitz des Bezirks nicht an Investoren verkauft, sondern einem gemeinnützigen Zweck zugeführt wurde.

Wohlfühloase Leon-Jessel-Platz

Beruhigend plätschernde Brunnen-Bronzeskulptur „Wasserpilz“ von Bildhauer Emanuel Scharfenberg, zu deren Füßen Kinder planschen, und erholungsspendende Begrünung, die einen reizvollen Kontrast zur roten Ziegelbepflasterung darstellt. Auch dieses besonders idyllische Kleinod – von Anwohnern und Besucher liebevoll „Pilzplatz“ genannt – geht auf die Initiative von „Miteinander im Kiez e. V.“ zurück.

Der Platz zwischen Sigmaringer-, Fechner- und Wegenerstraße war bis 1984 eine eher lieblose Straßenkreuzung mit typischer Eckkneipe. Heute hallt statt Autolärm Kinderlachen über den Platz, für dessen gepflegte Idylle und Aufenthaltsqualität die Stadtteilinitiative maßgeblich mitverantwortlich ist. Am 21. Mai 1985 hatte der Platz seinen Namen nach dem Komponisten und NS-Opfer Leon Jessel erhalten.

Ziele für die Zukunft, auf die der Verein weiter hinarbeiten will? Ingrid Lienke muss nicht lange nachdenken: „Es müssen weniger Autos werden. Der Durchgangsverkehr muss abnehmen. Den Verkehr kann man schon mit kleinen Mitteln lenken. Und es muss einfach wieder mehr öffentlichen Raum geben, den Familien und Freunde gemeinsam kostenfrei nutzen können, sozusagen mit mitgebrachter Kaffeekanne.“ Und man weiß, dass sie und die Stadtteilinitiative auch dafür bereits mehr als eine gute Idee parat haben. – Ideen, die so manchen Stadt- und Verkehrsplaner aufhorchen lassen sollten.

Weitere Informationen unter www.jessel-kiez.de und www.wir-berlin.org

Jacqueline Lorenz

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