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Zum Tag des Denkmals am Perelsplatz

Kleine Vorabführung mit dem Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule

Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau August 2017
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Wenn wir zu Fuß vom Varziner Platz durch die Isoldestraße zum Perelsplatz spazieren, sehen wir schon von weitem ein großes Gebäude mit mächtigem Turm. Wir überqueren die Handjerystraße, in der nach dem 2. Weltkrieg für mehrere Jahre die Trümmerbahn ihre Loren vom Prager Platz zum Insulaner zog. Nach wenigen Schritten stehen wir vor dem Gebäude des ehemaligen Friedenauer Gymnasiums. Über 100 Jahre steht es nun schon an seinem Platz. Schade, dass seine Steine nicht reden können!

Historie

Sie könnten uns erzählen, wie der junge, gerade 28 Jahre alte Architekt Erich Blunck zusammen mit seinem Partner Paul Engelmann das Schulgebäude für die damals ungeheure Summe von 435.000 Goldmark in den Jahren 1901 – 1902 errichtete.

Sie könnten vom Abschieds-Kommers einschließlich Festsalamander zu Ehren des Direktors und Geheimrats Dr. Wilhelm Busch nach über 25-jähriger Amtsführung berichten; vom Reichskanzler Wilhelm Marx, der 1924 eine Theateraufführung in der Schulaula besuchte, von den Bombennächten des 2. Weltkrieges, denen die Schulturnhalle und die Aula zum Opfer fielen, vom mühsamen Wiederaufbau des Schulgebäudes und vom Einzug der Friedrich-Bergius-Realschule in den Jahren 1958 – 1959.

Bekannte und weniger bekannte Schüler sind im Laufe der Jahrzehnte durch das Schulportal geschritten. Darunter die Politiker Egon Bahr und Peter Lorenz, der Theaterkritiker Friedrich Luft, die Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime Friedrich Justus Perels und Günther Smend, aber auch der DDR-Chefpropagandist Karl Eduard von Schnitzler.

Allein 397 Schüler sind in den beiden Weltkriegen gefallen. Eine Gedenktafel vor der Aula mahnt die heutigen Schüler, sich für die Erhaltung des Friedens einzusetzen.

Posteritati

Schauen wir uns das damals so kostspielige Schulhaus einmal näher an: Höchster Gebäudeteil ist der Turm an der Ecke Handjerystraße/Perelsplatz. In seiner Kammer befindet sich das mechanische Uhrwerk mit unzähligen, goldglänzenden Zahnrädern, das seit 1903 zuverlässig die Zeiger der beiden Zifferblätter bewegt und die Glocken zum Leben erweckt. Die Zifferblätter sind mit Blumenornamenten aus Sandstein geschmückt und tragen die Inschriften „Begonnen 1901“ und „Beendet 1902“. Unterhalb des Zifferblattes sehen wir das alte Friedenauer Wappen, gearbeitet als großes Sandsteinrelief. Ein Friedensengel mit einem Palmenzweig in der Hand wandelt auf einer blühenden Aue; darüber als Schutz die preußische Königskrone. Dieses Wappen besaß die Gemeinde Friedenau bis zur Eingliederung in Groß-Berlin im Jahre 1920.

Aus der Turmecke ragt der Torso eines lesenden Mönches hervor. Auf den Buchdeckeln erkennen wir die griechischen Buchstaben „Alpha“ und „Omega“, die uns an Anfang und Ende unseres irdischen Daseins erinnern.

Darunter erkennen wir eine Sandsteinmaske mit den Zügen Richard Wagners, ein Hinweis auf das seinerzeit erst im Planungsstadium befindliche Wagnerviertel auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Ebenfalls in Sandstein gearbeitet finden wir „Handjerystraße“ und „Maybachplatz“. Während die Handjerystraße, benannt nach einem Landrat des Kreises Teltow, ihren Namen bis heute behalten hat, wurde der „Maybachplatz“ (nach einem preußischen Minister) im Jahre 1960 nach einem ehemaligen Schüler des Friedenauer Gymnasiums in Perelsplatz umbenannt. Eine bronzene Gedenktafel rechts neben dem Haupteingang erinnert an seinen mutigen Einsatz gegen das Naziregime und an seine Ermordung in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges.

Vorausschauend bestimmten die Friedenauer Stadtväter für ihr Gymnasium einen Bauplatz mit Bahnanschluss. Der Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau grenzte dicht an das Schulgrundstück, so dass Baumaterialien problemlos angeliefert werden konnten.

Für den Sockel in Bossenquaderung wurde rötlicher Granit aus dem Harz herangeschafft.

Die gliedernden Fassadenteile an der Gebäudevorderseite sind aus gelblichem Nesselburger Sandstein aus dem Allgäu gefertigt, auf der Hofseite aus Cottaer Sandstein aus Sachsen.

Die Mauersteine kamen aus den Hoffmannschen Ringöfen der großen Ziegeleien des Berliner Umlandes.

Besonders aufwändig gestaltet ist der Haupteingang zum Perelsplatz, den ein Portikus, getragen von zwei toskanischen Säulen, ziert. Zahlreiche, sorgfältig ausgeführte Bildhauerarbeiten ergeben Leitmotive für den künftigen Lebensweg der Schüler.

Die Säulen werden gekrönt durch zwei Skulpturen arbeitender Schüler – einer liest, der andere denkt nach. Auf Kartuschen erkennen wir die Buchstaben „A-B-C“ oder Zirkel und Dreieck als Symbole für das Erlernen der Sprachen und Naturwissenschaften.

Oberhalb eines gotisierenden Bündelpfeilers auf Postament steht der heilige St. Michael als Drachentöter. Rechts und links davon deuten ein Hahn vor aufgehender Sonne, ein Hase, ein Helm und ein Pflanzenzweig den Lebensweg der Zöglinge an.

Die Glockenschläge der Turmuhr klingen weit über die Friedenauer Dächer hin und führen uns zu mehreren Inschriften, die auch heute noch als Leitbild der täglichen schulischen Arbeit dienen.

Die Brüstung eines Altans besteht aus gotischen Buchstaben, die das Zitat „Es fällt kein Meister vom Himmel“ ergeben.

Den Türsturz schmückt die Inschrift „Wie die Saat – so die Ernte“. Gusseiserne, mit Blattranken verzierte Rundbögen tragen die lateinischen Inschriften „salus scholae – salus civitatis“ (Das Wohl der Schule ist das Wohl der Bürgerschaft) und „ultra posse nemo obligatur“ (Niemand ist verpflichtet, ihm Unmögliches zu leisten).

Je länger wir vor dem Schulhaus verweilen desto mehr Details entdecken wir.

Links vom Eingang zeigen die Bögen von drei Fenstern die Symbole „Schlüssel“, „Glocke“ und „Besen“. Der Kundige erkennt die Wohnung des Hausmeisters, früher auch Pedell genannt. Nach wie vor ist er eine der wichtigsten Personen jeder Schule.

Oberhalb der großen Fenster in der dritten Etage, hinter denen sich die Aula verbirgt, lesen wir „Gymnasium Friedenau“ und „Posteritati“ (Dem Wohle der Nachfolgenden).

Nach einem Blick auf die ehemalige Direktorenvilla, die seit 1950 als Kindergarten genutzt wird, und noch ganz benommen von den vielen Eindrücken gehen wir die Handjerystraße Richtung S-Bahnbrücke entlang.

Im nördlichen Vorgarten des alten Schulhauses finden wir als Besonderheit eine aus Sandstein gearbeitete Stele mit germanisierendem Flechtwerk und Porträtmedaillons von Bismarck und Luther.

Wenn die Sonne günstig steht, können wir von hier aus in Höhe des dritten Stockwerkes eine vorspringende Sandsteinstele mit der Inschrift „Ohne Fleiß kein Preis“ erkennen.

– Auch nach über 100 Jahren und unzähligen Schulreformen ist das Fundament für schulisches Lernen unverändert erhalten geblieben ist.

Wer sich auch für das Innere des prachtvollen Schulhauses interessiert, kann es am „Tag des offenen Denkmals“ besichtigen oder einfach unter der Telefonnummer 90277 – 7910 einen Besichtigungstermin vereinbaren.

Bei dieser Gelegenheit lohnt auch ein Blick in das neue „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“, welches von der Schulgemeinschaft der Friedrich-Bergius-Schule betrieben wird. Das Schulhaus ist in diesem Jahr zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, dem 10. September 2017, von 14.00-16.00 Uhr geöffnet.

Um 14.00 Uhr beginnt vor dem Schulportal eine Führung durch den Schulleiter.

Michael Rudolph / Lo

Michael Rudolph, Schulleiter
Friedrich-Bergius-Schule
Perelsplatz 6-9
12159 Berlin

Tel. 030 / 90277 – 7910
sekretariat@fbs-schule.de
www.friedrich-bergius-schule.de

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