Gazette Verbrauchermagazin

Leseglück aus dem Lankwitzer Büchertausch-Häusle

Tanja Huttner bietet gelesenen Büchern neue Chancen

Tanja Huttner und Leseglück-Lankwitz halten Bücher in Bewegung.
Tanja Huttner und Leseglück-Lankwitz halten Bücher in Bewegung.
Erschienen in Lankwitz Journal Juni/Juli 2020
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Bücher haben es ihr von jeher angetan. Bereits zur Kommunion waren sie ihr Hauptwunsch, während ihre Schwester Hörspiel-Kassetten bevorzugte. Und so ist es kaum verwunderlich, dass diese gehaltvollen Papierkunstwerke Tanja Huttner auch ausgelesen weiter am Herzen liegen. In ihrem Lankwitzer Vorgarten an der Blankenhainer Straße 4 bietet sie im selbstgebauten „Leseglück Büchertausch-Häusle“ Lesestoff für Groß und Klein von amüsant bis spannend. Und auch im Internet ist sie aktiv unterwegs und tauscht sich mit BookCrossern über Buch-Rückmeldungen aus: Im Online-Forum BookCrossing, einer weltweit offenen großen Bibliothek, kann so auch manches von Lankwitz aus auf Reisen gegangene Buch über sich und seine Stationen erzählen, an dem es schon Leseglück verbreitet und Langeweile vertrieben hat.

Mitnehmen, lesen, weitergeben

– So ist das Konzept, mit dem Tanja Huttner nachhaltigen Bücherkonsum unterstützt.

Denn in vielen häuslichen Regalen stapeln sich und verstauben Bücher, die, wenn überhaupt einmal gelesen, uninteressant geworden sind. Zum Wegwerfen zu schade, bietet ihnen da Tanjas rund um die Uhr geöffnetes Büchertausch-Häusle DIE Lösung: Türchen öffnen, das mitgebrachte Buch einstellen und dafür ein neues ganz nach eigenem Geschmack mitnehmen. Das kann dann frei nach BookCrossing an einen anderen Bücherwurm weitergegeben oder in Tanjas Fundus wieder zurückgetauscht werden – nachhaltiger kann Lesen kaum sein.

Konrad Kutt machte den nachhaltigen Büchertausch mit seinen zu BücherboXXen umfunktionierten ausrangierten Telefonzellen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf und weit darüber hinaus populär. „Doch in unserem Lankwitzer Kiez suchen wir die BoXXen vergebens“, erzählt Tanja Huttner. Die für sie nächstgelegensten BücherboXXen im Bezirk stehen ein gutes Stück entfernt – am Teltower Damm in Zehlendorf vor dem Mehrgenerationenhaus Phoenix und auf dem Markusplatz in Steglitz.

So entwickelte Tanja die Idee vom Bücherhäuschen vor der eigenen Haustür. Während ihr Ehemann der Bauherr war, übernahm die Tochter die Fassadenmalerei, und der Sohn vervollständigte das Gemeinschafts-Bauwerk mit einer letzten, aber wichtigen Schraube.

Vor 1 ½ Jahren zogen die ersten Bücher ein. Über 700 haben inzwischen die Leser gewechselt, schätzt die Buchfreundin, die akribisch darauf achtet, dass das Bücherangebot abwechslungsreich bleibt und keine Exemplare ungelesen im Tauschhäusle verstauben. Das Angebot ist überschaubar, ordentlich und ansprechend, das ist der Initiatorin wichtig. Vorurteilsfrei gibt sie jedem Buch eine Chance. Unterhaltungsliteratur ist bei den Leseratten am Häusle gefragter als Fachbücher, weiß sie.

Lesen gegen die Krise

Besonderer Bedarf besteht aktuell an gut erhaltenen Kinderbüchern, für die eine extra Tauschecke reserviert ist, in der aktuell die „zauberhafte Hexe Lilli“ und Cornelia Funkes „Anna-Geschichten“ auf kleine Leser warten. „Über weitere Kinderbücher freut sich das Häusle“, betont Tanja Huttner und nennt gleich noch ein weiteres Anliegen: Für ihre ehrenamtliche Schutzmasken-Herstellung für Arztpraxen bittet sie an der Tür des Lesehäuschens um Gummilitze-Gummibandspenden, die im Briefkasten abgelegt werden können.

Die derzeit rege Büchertausch-Aktivität am Häusle macht eine positive Nebenwirkung der Corona-Krise deutlich: Die Menschen lesen in diesen Zeiten wieder mehr.

Tanja Huttner über ihr eigenes geändertes Leseverhalten: „Sonst lese ich regelmäßig und überwiegend in der S-Bahn auf meinem fast einstündigen Arbeitsweg.“ Doch durch die geänderten Lebensverhältnisse greift sie in diesen Tagen zuhause wieder häufiger zum Buch und geht dafür auch mal gerne früher zu Bett. Ihr aktueller Begleiter: „Ein deutsches Klassenzimmer“ von Jan Kammann. Der Autor ist Lehrer von 30 Schülern aus 22 Nationen. Kammann bereiste diese Nationen, um mehr Verständnis für seine Schüler zu bekommen und schrieb darüber ein Buch. – Vielleicht demnächst der neue „Bestseller“ im Leseglück-Häusle?

Ein Buch kommt rum

Übrigens: Aktuell im Leseglück-Lankwitz-Bücherhäusle eingestellte Bücher sind unter www.bookcrossing.com/hunt/28/284/140663/838106 aufgelistet.

Um sein gewähltes und nach dem Lesen weitergegebenes Leseglück-Buch auf eine nachvollziehbare Reise um die Welt via BookCrossing schicken zu können, hat jedes Exemplar ein Etikett mit eigener BCID-Ident-Nr., die zusammen mit seinem Fundort und -datum unter www.bookcrossing.com angegeben werden kann. – So ist Spannung auch nach der Lektüre garantiert. Denn wer weiß, vielleicht entsteht daraus ein lebhafter Kontakt zu einer Leseratte gleichen Lesegeschmacks am anderen Ende der Welt?

Jacqueline Lorenz

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