Gazette Verbrauchermagazin

Ohne Konzept und Kompromisse kein lebendiger Kranoldplatz

Standortgemeinschaft Mein LiLa mit Blick über den Tellerrand

Jutta Gödicke (r.), Andrea Kuner, Walter Kaschubat vom Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz und René Rögner-Francke, BVV-Vorsteher Steglitz-Zehlendorf (2.v.l.). Foto: Ulrike Meyer
Jutta Gödicke (r.), Andrea Kuner, Walter Kaschubat vom Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz und René Rögner-Francke, BVV-Vorsteher Steglitz-Zehlendorf (2.v.l.). Foto: Ulrike Meyer
Erschienen in Gazette Steglitz Februar 2024
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Die Diskussionen um eine Umgestaltung des Kranoldplatzes in Lichterfelde Ost reißen nicht ab. Zu Redaktionsschluss lagen dem Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz bereits fast 2.000 Unterschriften für den Einwohnerantrag „Lebendiger Kranold-Markt-Platz“ vor, die dem BVV-Vorsteher am 10.Januar 2024 überreicht wurden. Der auf der Gazette-Webseite Ende vergangenen Jahres angesprochene Offene Brief des Bündnis hingegen hat noch keine Antwort erhalten. Eine Nachfrage bei Fraktionen und Bezirksbürgermeisterin insbesondere zur Forderung nach der Einrichtung des Runden Tisches ist aktuell erfolgt.

Bewohner, Einzel- und Markthändler des Gebietes rund um den Kranoldplatz bringen immer wieder schlagkräftige Argumente für oder gegen eine Umgestaltung vor. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass sich da Jeder schnell selbst der Nächste wird: Anwohner wünschen sich einen grünenden und blühenden Platz zum Entspannen und Feiern sowie vielfältige gut erreichbare Einkaufmöglichkeiten mit reichem Marktangebot, die Einzelhändler ein buntes Ladenbild mit zufriedenen Kunden, wozu eben auch Parkplätze gehören. Die Markthändler beließen alles am liebsten beim Alten. Sie erhalten dabei Rückenwind vom CDU-Ortsverband Lilienthal, der sich in seinem Antrag sozusagen gegen sämtliche Baumaßnahmen am Kranoldplatz ausspricht und damit wenig zu einer lösungsorientierten Stimmungslage beiträgt. Wie soll da ein für alle Beteiligten befriedigender Weg hin zu einem mehr Lebensqualität versprechendem harmonischen Umfeld gefunden werden? Auf ihn arbeiten von Anfang an aktive und mit der Problematik vertraute Initiativen wie die Standortgemeinschaft Mein LiLa Lichterfelde-Lankwitz e. V. hin, die 2018 aus der Unternehmergemeinschaft „Mein LiLa“ hervorgegangen ist, sich für die Förderung von sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Belangen in den Bezirksteilen Lichterfelde Ost und Lankwitz einsetzt und die Menschen mitnehmen will. LiLa ist Mitglied des im vorigen Jahr gegründeten Bündnisses für einen lebendigen Kranoldplatz, auf dem jeder Beteiligte sich und sein Anliegen wiederfindet. Dieses Bündnis hat sich nicht nur intensiv mit den Argumenten und Behauptungen der Markthändler gegen einen Umbau des Platzes auseinandergesetzt, sondern auch mit allen diesbezüglich geäußerten Argumenten, die es im Laufe des Unterschriftensammelns gehört hat. Argumente und Gegenargumente sind auf der Bündnis-Webseite veröffentlicht unter www.kranold-markt-platz.de/einwohnerantrag/argumente/

LiLa-Sprecherin Jutta Goedicke richtet den Blick vorbildlich über den eigenen Tellerrand und spricht damit auch die wichtige Aufgabe des Bündnisses an: „Wir setzen uns für einen attraktiven Kiez mit sinnvoller Vielfalt und vernünftigem Konzept für alle ein, der zukunftsfähig ist und gesunde Kiez-Struktur besitzt.“

Miteinander im Gespräch bleiben

Jutta Goedicke weiß, wovon sie spricht, wenn es um eine eben nie ganz risikofreie Veränderung geht: Die Einzelhändlerin und Herausgeberin des Kiezmagazins „Ferdinandmarkt“ ist mit ihrem Spielwarengeschäft „Löwenzahn Berlin“ im Rahmen der Umbaumaßnahmen vom Ferdinandmarkt an den Oberhofer Weg umgezogen. Sie versteht also zu gut und behält im Blick, wenn andere abwägen und – wie die Markthändler – am liebsten gar keine Veränderung erfahren wollen. „Deshalb ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich auszutauschen, dem anderen zuzuhören und seine Argumente zu achten, ihn mitzunehmen“, erklärt sie und wünscht sich gemeinsam mit den Bündnispartnern zeitnah wiederholt einen Runden Tisch, wie ihn das Standortmanagement erfolgreich als wichtiges demokratisches Element aufgestellt hatte. Die gemeinsame Forderung nach einem Runden Tisch „Kranoldplatz und Umgebung“ war bereit im Mai 2022 schon einmal von der Zählgemeinschaft als Antrag in die BVV eingebracht worden, dann aber im November 2022 aus folgenden – dem Bündnis unverständlichen – Gründen zurückgezogen worden. In der Begründung hieß es: „Die Gestaltung des Ortskerns Lichterfelde Ost ist seit jeher schwierig, weil mit vielen, teilweise gegensätzlichen Interessen seit Jahren versucht wird, auf die Gestaltung des Kranoldplatzes und Umgebung Einfluss zu nehmen. Das Format eines regelmäßig hybrid tagenden Runden Tisches Lichterfelde Ost soll eine Säule der Beteiligung sein.“ LiLa und seine Partner sehen aber einen nach wie vor hohen Bedarf eines Runden Tisches – nicht zuletzt in jüngster Zeit bestätigt durch das erfolgreiche Sammeln von Unterschriften für zwei unterschiedliche Einwohneranträge bzgl. der Zukunft des Kranoldplatzes und seiner Umgebung.

Mit viel Verständnis für die Markthändler des Kranoldplatzes hatte sich LiLa bereits im vergangenen Jahr an sie mit einem Schreiben gewandt, in dem als Lösungsmöglichkeit für die Umbauphase der Oberhofer Weg als Markt-Ausweichquartier vorgeschlagen und der immer wieder als schwarzes Beispiel „mantraartig“ vorgebrachte Umbau-Markt-Misserfolg des Ludwig-Beck-Platzes sachkundig entkräftet wurde: So seien beide Standorte aufgrund ihrer ganz unterschiedlichen Struktur und Voraussetzungen nicht miteinander vergleichbar, bzw. müsse aus Umbaufehlern, wie sie durch fehlende Marktbetreuung am Ludwig-Beck-Platz gemacht wurden, für den Kranoldplatz gelernt werden. Dass ein Markt, wie er am Kranoldplatz gewachsen ist, die Vielfalt und Attraktivität der Kiezstruktur belebt und erhöht, daran zweifelt auch LiLa nicht und will dieses Kleinod zeitgemäß erhalten wissen. Denn, so Jutta Goedicke: „Eine Veränderung kann eine Chance sein und etwas Neues der Impulsgeber Menschen mitzunehmen.“

Keine Lösung ohne Kompromisse

Die inzwischen jahrelang geführte Diskussion über den Umbau des Kranoldplatzes lässt an den jeweiligen Anliegen der Beteiligten wohl keinerlei Zweifel mehr. – Doch zur erfolgreichen Umsetzung bedarf es außer einer sensiblen Stadtplanung, eines gesunden Konzeptes und finanzieller Möglichkeiten auch des Kompromisswillens eines jeden Einzelnen mit Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, egal ob Anwohner, Einzelhändler oder Markthändler. So dürfte es unmöglich werden, den Markt in seinem jetzigen Ausmaß zu erhalten, wenn der Kranoldplatz für seine Aufenthaltsqualität zusätzliche Ruhezonen und Grünfläche erhält. Und ohne wenigstens teilweise erhaltene Parkplätze werden auch die Einzelhändler Einbußen hinnehmen müssen. Und warum nicht in Brauerstraße oder Oberhofer Weg Marktstände versuchsweise aufstellen? – Die Entfernung zum jetzigen Marktstandort ist wohl für jeden zumutbar, der ein gewisses Maß an Kompromissfähigkeit und -willen mitbringt und einen lächerlich kurzen Zusatzweg bzw. einen Parkhausplatz akzeptiert. Und auch die Politik ist gut beraten, anstatt störenden Rückenwind zu blasen, Kompromisse demokratisch anzuregen und aktiv nach passenden Lösungsmöglichkeiten zu suchen, anstatt bestehenden Möglichkeiten und Argumente zu negieren.

Ansonsten wird der schöne Traum vom lebendigen, attraktiven und zeitgemäßen Kranoldplatz irgendwann für alle ausgeträumt sein.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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