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Charlottenburg-Wilmersdorf

Ehrengrab für eine Flugpionierin

Melli Beese schrieb gegen alle Widerstände Geschichte

Melli Beese auf ihrer Rumpler-Taube im Jahr 1911.
Melli Beese auf ihrer Rumpler-Taube im Jahr 1911.

18.09.2026: Wer über den Friedhof Schmargendorf an der Breiten Straße geht, sucht Ruhe zwischen alten Bäumen oder besucht die Gräber seiner Lieben. Wenige Schritte abseits der Hauptwege erinnert eine Grabstätte in der Abteilung L an ein Leben, das von Pioniergeist, Anfeindungen und einem tiefen Fall geprägt war: Hier ruht Amelie Hedwig Boutard-Beese, besser bekannt als Melli Beese. Auf dem Stein steht in schlichten Lettern: „Erste Deutsche Motorfliegerin“.

Der Traum vom Fliegen

Als die 1886 bei Dresden geborene Fabrikantentochter beschloss, sich in die Lüfte zu erheben, war die noch junge Luftfahrt ausschließlich Männern vorbehalten. Beese, die zuvor Bildhauerei in Stockholm studiert und mathematische Vorlesungen besucht hatte, ließ sich davon nicht abschrecken. Im Jahr 1910 kam sie nach Berlin, fest entschlossen, auf dem Flugplatz Johannisthal das Fliegen zu erlernen.

Skulptur
Die Skulptur „Taube“ in der Melli-Beese-Anlage.

Missgunst und Sabotage

Auf dem Flugfeld stieß sie auf massive Ablehnung. Die anderen Flugschüler und Konkurrenten begegneten ihr mit offener Missgunst und scheuten auch vor Sabotage nicht zurück: Zündkerzen wurden manipuliert, Benzin heimlich abgelassen und Teile der Steuerung beschädigt. Selbst eine Bruchlandung, bei der sie sich den Knöchel brach, hielt sie nicht vom Fliegen ab. Gegen die Schmerzen bekam sie Morphin – eine Sucht, die sie ihr Leben lang begleiteten sollte. Beese ließ sich durch die Rückschläge nicht entmutigen. Am 13. September 1911, ihrem 25. Geburtstag, trat sie morgens um 6 Uhr zur offiziellen Pilotenprüfung an - noch bevor die anderen Flugschüler anwesend waren. Sie absolvierte die geforderten Runden mit einer Rumpler-Taube fehlerfrei und erhielt die Flugzeugführerlizenz Nummer 115 – als erste Frau in Deutschland.

Fluglehrerin und Entwicklerin

In den folgenden Jahren bewies Beese, dass sie mehr war als eine gute Pilotin. Sie eröffnete auf dem Johannisthaler Flugplatz eine eigene Flugschule, bildete Schüler aus und begann, Maschinen technisch weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit dem französischen Piloten Charles Boutard, den sie 1913 heiratete, konstruierte sie eigene Eindecker und meldete Patente für Wasser- und Transportflugzeuge an.

Interniert im Krieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 beendete diese Entwicklung. Durch die Heirat besaß Beese nach damaligem Recht die französische Staatsbürgerschaft und galt den Reichsbehörden plötzlich als Bürgerin eines feindlichen Staates. Ihr Betrieb wurde geschlossen, die Flugzeuge wurden ohne Entschädigung konfisziert und das Ehepaar zeitweise interniert.

Grabstein von Melli Beese auf dem Friedhof Schmargendorf. Foto: Jacqueline Lorenz
Grabstein von Melli Beese auf dem Friedhof Schmargendorf. Foto: Jacqueline Lorenz

Tod in Schmargendorf

Nach Kriegsende gelang es Beese nicht mehr, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Die Ersparnisse waren aufgebraucht, gesundheitliche Probleme machten ihr zu schaffen und ein Versuch, ihre abgelaufene Lizenz zu erneuern, endete 1925 mit einer Bruchlandung. Am 21. Dezember 1925 nahm sich Melli Beese im Alter von 39 Jahren in einer Pension in der Friedrichshaller Straße, Schmargendorf, das Leben. Ihr knapper Abschiedsbrief enthielt den Satz: „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“

Erinnerung an die erste Pilotin

Heute zählt ihr Grab auf dem Friedhof Schmargendorf zu den offiziellen Ehrengräbern des Landes Berlin. Auch an anderen Orten bleibt ihr Name präsent: In Johannisthal sowie Kladow gibt es jeweils eine Melli-Beese-Straße, in Halensee liegt die Melli-Beese-Anlage nahe der Autobahnauffahrt Kurfürstendamm, in Schönefeld gibt es den Melli-Beese-Ring und in Johannisthal wurde die Melli-Beese-Schule nach ihr benannt.

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