Schmargendorf
Spurensuche in Schmargendorf
Gedenktafel erinnert an den jüdischen Historiker Simon Dubnow

31.08.2026: Wer durch die Ruhlaer Straße in Schmargendorf spaziert, stößt an der Hausnummer 8 auf ein Stück bedeutender Weltgeschichte. Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt hat dort eine Berliner Gedenktafel für den Historiker Simon Dubnow (1860–1941) anbringen lassen.
“Weltgeschichte des jüdischen Volkes
Dubnow kam im Jahr 1922 nach Berlin. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ida war der damals 62-Jährige vor Hunger, Not und politischer Verfolgung aus Sowjetrussland geflohen. Berlin war zu dieser Zeit das Zentrum der russisch-jüdischen Emigration. In der Wohnung in Schmargendorf fand Dubnow die nötige Ruhe, um sein wichtigstes Werk zu vollenden: die zehnbändige „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“, die zwischen 1925 und 1929 erschien.

Verfechter der Selbstorganisation
Geboren 1860 in Mstislawl, hatte er als junger Mann mit der rabbinischen Orthodoxie gebrochen; dort schloss er sich einem Aufklärungskreis im Hause von Ida Frejdlin, seiner späteren Frau, an. Ausgangspunkt seines Lebenswerks war ein historischer Fund: die Protokollbücher der Gemeinden, der Kreisräte, des Vierländerrates und des Parlaments der Juden Litauens. Darin sah er eine jahrhundertealte Fähigkeit zur jüdischen Selbstorganisation in der Diaspora – Grundlage seines Autonomismus: säkulare Selbstverwaltung, abgesichert durch Minderheitenrechte. Fast zwangsläufig führte dies in die Politik: 1906 gründete er die Folkspartei, deren Forderungen sich weiterverbreiteten und später die Weimarer Jüdische Volkspartei prägten. Er unterstützte die Arbeit des Comité des Délégations Juives für Minderheitenrechte auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 und wurde 1927 in Zürich ins Präsidium des Council for Jewish Minority Rights gewählt. Angesichts des erstarkenden Nationalsozialismus planten Dubnow und Mitstreiter den Jüdischen Weltkongress als Bollwerk gegen den „neuen Kreuzzug des Hakenkreuzes“; seine geplante Eröffnungsrede musste 1932 in Genf aus gesundheitlichen Gründen verlesen werden.
Flucht und Tod
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 musste Dubnow erneut fliehen. Er zog nach Riga, wo er seine wissenschaftliche Arbeit trotz schwieriger Umstände fortsetzte. Im Dezember 1941 wurde Simon Dubnow bei der Liquidierung des Rigaer Ghettos von den deutschen Nationalsozialisten und ihren lokalen Helfern ermordet.
Die weiße Porzellantafel, die nun an sein Leben und Wirken in Schmargendorf erinnert, wurde von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) hergestellt. Sie ist Teil des Gedenktafelprogramms des Landes Berlin. Die historische Recherche für den Text und die Organisation der Tafel übernahm der Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin.



