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Lankwitz

Ein Herrenhaus in Lankwitz

Von der Industriellen-Villa zum Musikzentrum

Herrenhaus Correns, Gartenseite.
Herrenhaus Correns, Gartenseite.

25.08.2026: Wer an der Ecke Calandrelli- und Gärtnerstraße in Lankwitz spaziert, erblickt hinter dichten Bäumen und einer schmiedeeisernen Einfriedung ein Bauwerk, das eher an ein barockes Schloss als an ein herkömmliches Wohnhaus erinnert. Das Herrenhaus Correns, im Volksmund heute meist als „Siemens-Villa“ bekannt, ist eines der größten und geschichtsträchtigsten Baudenkmale im Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Ein Baurat genehmigt sich selbst

Die Geschichte des herrschaftlichen Anwesens begann im Jahr 1913. Der wohlhabende Industrielle Friedrich Christian Correns, kaufmännischer Direktor der Accumulatoren-Fabrik AG (der späteren Varta), wünschte sich einen repräsentativen Familiensitz im damaligen Rosenthalschen Villenviertel in Lankwitz. Auf einem rund 37.000 Quadratmeter großen Areal ließ er ein Einfamilienhaus von gigantischen Ausmaßen errichten. Über 70 Zimmer, ein eigenes Pförtnerhaus, ein Gärtnerhaus und sogar ein verspieltes Teehaus im weitläufigen Park gehörten zum Ensemble.

Bei der Planung kam es zu einer kuriosen Konstellation: Nach Unstimmigkeiten mit dem ersten Architekten übernahm der Lankwitzer Gemeindebaurat Fritz Freymüller das Projekt. In seiner Funktion als Baurat war Freymüller somit in der ungewöhnlichen Lage, seine eigenen Architektenentwürfe für das Bauamt selbst prüfen und abzeichnen zu können. Um 1916 war das repräsentative Hauptgebäude fertiggestellt.

Vom Familiensitz zum privaten Konzertsaal

Nach dem Tod von Correns im Jahr 1923 erwarb Werner Ferdinand von Siemens, ein Enkel des berühmten Firmengründers Werner von Siemens, das Anwesen im Jahr 1925. Der neue Hausherr war leidenschaftlicher Musiker und Hobbydirigent, durfte jedoch aus familiären Traditionsgründen kein Musikstudium absolvieren. In Lankwitz verwirklichte er seinen Traum und ließ ab 1928 die Gewächshäuser im Park abreißen, um einen rund 800 Quadratmeter großen Konzertsaal anzubauen.

Der Saal bot Platz für rund 300 Gäste und zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Akustik aus. Am Eröffnungstag dirigierte Siemens um 20 Uhr persönlich das Orchester vor geladenen Gästen aus der Berliner Kunst- und Kulturszene. Stolz des Saals war eine eigens eingebaute, hochmoderne Wurlitzer-Orgel, die heute im Musikinstrumentenmuseum besichtigt werden kann.

Weltstars zu Gast im Musikstudio

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Villa ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ab 1947 nutzte der Sender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) den Konzertsaal als Aufnahmestudio. In der Zeit des Wiederaufbaus und des Kalten Krieges herrschte hier reger Betrieb. Wenn tagsüber die Tontechniker ihre Plätze einnahmen, gaben sich namhafte Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand. Berühmtheiten wie Dietrich Fischer-Dieskau, Marlene Dietrich oder später Daniel Barenboim nahmen hier Schallplatten auf. Auch die Deutsche Grammophon nutzte den Raum jahrzehntelang für anspruchsvolle Musikproduktionen. Bis zum Jahr 2010 beherbergte das Herrenhaus zudem das Deutsche Musikarchiv. Heute wird das denkmalgeschützte Gebäude von privaten Bildungseinrichtungen genutzt. Das Gelände ist nicht offen zugänglich.

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