Wannsee
Könige, Grenze und Spione
Führungen im Oktober zur Glienicker Brücke und Exklave Klein-Glienicke

15.09.2026: Wer heute über die Glienicker Brücke in Richtung Potsdam fährt, nimmt den geschichtsträchtigen Boden an der Grenze von Steglitz-Zehlendorf vielleicht nur noch beiläufig wahr. Doch die grüne Stahlkonstruktion über der Havel blickt auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück, die weit vor die Zeit der deutschen Teilung zurückreicht. Eine Sonderführung Anfang Oktober bietet nun die Gelegenheit, die historischen Hintergründe dieses Ortes genauer kennenzulernen.
Holzbrücke im 17. Jahrhundert
Die Verbindung über die Havel hat eine lange Tradition, die eng mit dem preußischen Herrscherhaus verknüpft ist. Bereits in den 1660er-Jahren ließ der Große Kurfürst an dieser Stelle eine erste Holzbrücke errichten, um die Residenzstädte Berlin und Potsdam miteinander zu verbinden. Da der Verkehr auf der preußischen Chaussee stetig zunahm, entwarf der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel im 19. Jahrhundert eine repräsentative steinerne Bogenbrücke, die im Jahr 1834 eingeweiht wurde. Schinkels Bauwerk wich schließlich im Jahr 1907 der heutigen, markanten Stahlkonstruktion, die zu Ehren des damaligen Monarchen als „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ eröffnet wurde. Der Name konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Ort des Agentenaustauschs
Ihre wohl dramatischste Phase erlebte die Brücke jedoch im 20. Jahrhundert. Mit dem Wechsel der politischen Systeme änderte sich auch ihr Name: In der DDR offiziell als „Brücke der Einheit“ bezeichnet, war sie für die normale Bevölkerung jahrzehntelang unpassierbar. Weltweit bekannt wurde sie während des Kalten Krieges durch den dreimaligen Austausch hochrangiger Spione zwischen Ost und West, was ihr den bleibenden Beinamen „Agentenbrücke“ einbrachte.
Gut bewachte Exklave
Direkt neben der Brücke lag die DDR-Exklave Klein-Glienicke. Fast vollständig von West-Berliner Territorium umschlossen, bildete der Potsdamer Ortsteil eine streng bewachte „Sondersicherheitszone“, deren Alltag von Kontrollen und Abschottung geprägt war.
Die Sonderführung unter der Leitung von Schlossleiter Andreas Woche, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), beleuchtet diese vielschichtige Geschichte in direkter Nähe des Schlosses Glienicke.
Die Rundgänge finden am Samstag, dem 3. Oktober, und am Sonntag, dem 4. Oktober, jeweils um 11 Uhr und um 14 Uhr statt. Tickets und weitere Informationen auf der Webseite der SPSG.



