Lichterfelde
100 Jahre Stadion Lichterfelde
Vom Kartoffelacker zum Trainingsplatz für Weltmeister-Anwärter

12.05.2026: Wer heute am Ostpreußendamm den Athleten auf der blauen Laufbahn zuschaut, ahnt oft nicht, wie viel Geschichte in dem Gelände steckt. Im Oktober 1924 beschlossen die Berliner Stadtverordneten den Bau eines zentralen Sportplatzes. Vor 100 Jahren, im Jahr 1926, begann der Bau des Stadions Lichterfelde. Was als ehrgeiziges Projekt begann, entwickelte sich zu einer der wichtigsten Sportstätten in Steglitz-Zehlendorf.
Knappe Kassen
Die Anfänge waren allerdings von knappen Kassen geprägt. Die Erdarbeiten starteten 1926 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Wegen fehlender öffentlicher Mittel geriet der Bau zwischenzeitlich ins Stocken; geplante Extras wie ein Hallenbad oder eine Tennishalle mussten aus Kostengründen wieder von den Plänen des Architekten Fritz Freymüller gestrichen werden. Dennoch konnte der Steglitzer Bürgermeister Martin Sembritzki am 16. Juni 1929 das Stadion feierlich eröffnen – begleitet von 1000 Turnern, die das Gelände mit ihren Wettkämpfen einweihten.
Baseball und Kartoffeln
Die darauffolgenden Jahrzehnte hinterließen tiefe Spuren in Lichterfelde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage durch Luftangriffe schwer beschädigt, das Eingangsgebäude brannte vollständig aus. In der unmittelbaren Nachkriegszeit bot das Areal dann ein durchaus kurioses Bild: Während US-Truppen einen Teil des Geländes als Baseballplatz nutzten, baute die hungernde Bevölkerung auf dem restlichen Gelände Kartoffeln an. Erst ab 1949 begann der Wiederaufbau, der maßgeblich durch eine Spende des amerikanischen Volkes finanziert wurde.
Umfassende Modernisierungen
Seit den 1960er-Jahren wurde das Stadion kontinuierlich modernisiert. Die klassische Aschenbahn wich einer Kunststoffbahn, alte Hartplätze wurden zu modernen Kunstrasenplätzen umgerüstet und Flutlichtanlagen installiert. Diese stetige Pflege der denkmalgeschützten Anlage blieb auch international nicht unbemerkt. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 rollte der Ball hier für die Nationalmannschaften aus Schweden und Brasilien, die das Stadion als Trainingsquartier auswählten. Auch für die Leichtathletik-WM 2009 und die Frauenfußball-WM 2011 schwitzten Spitzensportler aus aller Welt in Lichterfelde.
Sportstätte für den Bezirk
Heute schlägt auf der Anlage vor allem das sportliche Herz des Bezirks. Mit Platz für 4300 Zuschauer ist das Stadion mit seinem markanten, V-förmigen Hauptgebäude die Heimat lokaler Größen wie dem FC Viktoria 1889 Berlin, dem TuS Lichterfelde und der Leichtathletik-Gemeinschaft Süd. Auch nach 100 Jahren bleibt das Stadion am Ostpreußendamm damit genau das, was es von Anfang an sein sollte: ein zentraler Ort für Sport und Bewegung.




