Lichterfelde
Artenreiche Stadtnatur statt Betongold
BUND argumentiert gegen naturvernichtende Bebauungspläne

07.05.2026: „Gut mit der S-Bahn erschlossene Grünflächen sollen nicht generell bebaut werden, sie dienen vielmehr in Zukunft als schnell erreichbares Erholungsgebiet für Menschen aus dem Stadtzentrum. Am Coca-Cola-Gelände beginnt eine Naherholungsverbindung zum Umland, die – richtig behandelt – zur Biotopverbindung werden kann. Wenn der Grünflächenanteil nicht proportional mit der Bevölkerung wächst, wird die Stadt unattraktiv und schwer regierbar werden“, gibt Dr. Achim Förster von der Bezirksgruppe Südwest BUND Berlin angesichts der drohenden Bebauung des rund 25.000 Quadratmeter großen Grundstücks der ehemaligen Coca-Cola-Zentrale an der Hildburghauser Straße nahe S-Bahnhof Osdorfer Straße (die GAZETTE berichtete) zu bedenken. Er, bekennender Umweltschützer und Wiederentdecker der Schwarzpappeln in Berlin, blickt auf eine über 50-jährige Geschichte im Naturschutz zurück und engagiert sich mit großer Fachkenntnis u. a. beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) noch immer unverändert aktiv in zahlreichen Naturschutzprojekten, ohne dabei den Blick auf eine lebenswerte Zukunft von Flora und Fauna zu verlieren. Über Jahre hat sich auf dem ungenutzten Areal in Lichterfelde nach den harten Gesetzen der Natur anstatt nach Regeln der Forstwirtschaft oder Landschaftsarchitektur auf bewaldeter Brache eine artenreiche Stadtnatur gebildet, die in der Hauptstadt ihresgleichen sucht. Doch mit der geplanten Bebauung könnte damit Schluss sein.
Flächensparende Bebauung, wenn überhaupt...
Im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz“ hatte im April der BUND-Berlin zum Vor-Ort-Termin an die Hildburghauser Straße gebeten, um anschaulich zu machen, welch Naturpotential hier bedroht ist, wenn das ca. 1,2 Hektar große Waldgrundstück nicht etwa mit sozial-verträglichem und flächensparend gebautem Wohngeschossraum bebaut würde, sondern 50 Luxus-Reihenhäusern weichen sollte. Laut BUND steht eine Mehrheit der BVV Steglitz-Zehlendorf aus CDU, AfD und FDP sowie drei von sechs Bezirksamtsmitglieder inklusive zuständiger Stadtentwicklungsstadtrat Patrick Steinhoff hinter diesen Plänen. Dagegen plädieren Grüne, SPD und Linke, die auf bezahlbare Mietwohnungen statt auf Luxus setzen, für Geschosswohnungsbau mit Blockrandbebauung, um möglichst viel des Naturwaldes zu erhalten. Der Berliner Mieterverein sieht es überhaupt als „baupolitische Sünde“, unversiegelte Flächen anstatt bereits bebauter, brachliegender Flächen und leerstehender Gewerbeflächen zuzubauen. Der Investor sei laut SPD und BUND sei jedoch erst nach beschlossenem Bebauungsplan bereit, sich auf eine Diskussion einzulassen. – Seine Zusage bereits vor diesem Beschluss für eine zukünftige Gestaltung des Geländes im Sinne der Natur sowie Erholung und Abkühlung suchenden Menschen zu erreichen, dürfte nun oberstes Verhandlungsziel des Bezirks sein.

Grüne Flächen retten – Hitzeschutz tut Not
Dr. Achim Förster macht indessen klar, dass jede Art von Bebauung auf diesem Areal einen Eingriff in die ungestörte und die behauptende Natur bedeutet und hebt den hohen Wert des Wäldchens hervor: So haben auf dem Gelände sich gegen schwierige Stadtbedingungen behauptete junge Bäume dank kräftiger Eltern(Samen)bäume in dichtem Robinienvorwald überlebt, ihre Wurzeln trotz erlittener Trockenheit durch festen Boden wachsen lassen und sich gegen andere Gehölze und krautige Pflanzen durchgesetzt. Sie überlebten nach den harten Gesetzen der Natur. Pilz- und Insektenbefall ebenso wie den Verbiss von Tieren und tragen nun maßgeblich zur nächtlichen Abkühlungsrate bei. Auch eine artenreiche Fauna mit geschützten Arten konnte sich ungestört ausbreiten und ungestört heranwachsen: U.a. Zauneidechse, Bachstelze, Mönchsgrasmücke, verschiedene Meisenarten, der gefährdete Igel, Ringeltaube und Grünfink fühlen sich in dem Wäldchen wohl. Um dieses Biotop in seiner Weiterentwicklung nicht zu stören, bedarf es unbedingt der Verhinderung weiterer Flächenversiegelung.- Nicht zuletzt für ein verbessertes Stadtklima spielt das Wäldchen schon heute als Kaltluftentstehungsgebiet eine wichtige Rolle. – Angelegte und von Forstwirtschaft und Landschaftsarchitektur geprägte Grünflächen mit gezüchteten Pflanzen verlören hingegen diese Dynamik. – Kaum ein Gärtner würde wohl auf bebautem Areal – wie auf diesem sich gegen alle widrigen Klimaeinflüsse behaupteten Coca-Cola-Wäldchen gegeben – Laub, Zweige etc. austragen, um Unterschlupf für Nager und sogar Echsen zu schaffen. Und im Sommer fehlte auf gärtnergepflegter Grünfläche mit gedüngter aufgelockerter Erde das wichtige zu Humus zerfallende Totholz, um kühlende Feuchtigkeit zu speichern und dabei natürliche Nährstoffe freizusetzen. Ganz zu Schweigen von absinkendem Grundwasserspiegel infolge von Bebauung. – Unschätzbare Werte birgt dieses Lichterfelder Wäldchen also für unsere klimaresiliente Zukunft, die sich Investor und Bezirk VOR einer Bebauung verantwortungsbewusst vor Augen halten müssen.
Jacqueline Lorenz




