Gazette Verbrauchermagazin
Steglitz-Zehlendorf

Aktionskreis Energie e. V

Auch im 21. Jahr Zukunft klimafreundlich gestalten

Grund zum Feiern hatten Mitglieder und hochrangige Gäste des Aktionskreis Energie e. V.
Grund zum Feiern hatten Mitglieder und hochrangige Gäste des Aktionskreis Energie e. V.

06.02.2026: Sie hätten schon im vergangenen Jahr guten Grund gehabt, rundes Bestehen des Aktionskreis Energie zu feiern. Doch das holten die 476 Vereinsmitglieder nun zu Beginn ihres 21. Wirkungsjahres im Bürgersaal des Rathaus Zehlendorf gemeinsam mit Vertretern aus Politk und Fachgremien nicht weniger gebührend nach. Längst zählt der Verein weit über den Bezirk hinaus zu den wichtigen Akteuren für sinnvolle Zukunftsgestaltung. Gerade in diesen bewegten Zeiten ist er aktiv, indem er sich der Förderung des Klima- und Umweltschutzes widmet – insbesondere über die Einsparung von Energie, die Verminderung von klimaschädlichen Gasen, über energetische Optimierung von Gebäuden und deren Anlagentechnik sowie die Nutzung regenerativer Energien.

2005 war der Aktionskreis Energie zielgerichtet gegründet worden, nachdem ein Jahr zuvor in den Nachhaltigkeitszielen des Bezirk Steglitz-Zehlendorf beschlossen worden war, akzentuierte Öffentlichkeitsarbeit rund um die Gebäudesanierung und den sorgsamen Umgang mit Energie anzubieten. Aufgebaut wurde er als ein Projekt des Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit Steglitz-Zehlendorf in der Zeit von August 2005 bis Dezember 2007 mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE, des JobCenters und des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, Abteilung Jugend, Schule und Umwelt. Seit 2007 arbeitet der Aktionskreis als gemeinnütziger Verein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Gastgeber und Initiatoren

Den Jubiläumsabend im Rathaus Zehlendorf moderierte Peter Schrage-Aden, ohne den es den Aktionskreis vielleicht gar nicht geben würde: Als erster Klimaschutzbeauftragter des Bezirks war er rund 20 Jahre in Steglitz-Zehlendorf und 40 Jahre beruflich im Dienste der Umwelt unterwegs und fest mit bezirklichem Umwelt- und Naturschutzamt verbunden. Von Beginn an bis heute, längst aus dem eigentlichen Berufsleben ausgeschieden, begleitet der gelernte Maschinenschlosser und Dipl. Ing. für Umwelt- und Verfahrenstechnik als versierter „Kümmerer“ den Aktionskreis Energie und dessen Ziele mit intensivem Beraten, Nachfragen und Organisieren. Gemeinsam mit engagierten Experten und Partnern auf Vereinsseite wird also auch zukünftig auf verantwortungsvolles Handeln zugunsten unserer gefährdeten Erde hingearbeitet werden. Dafür wünschte sich am Jubiläumsabend Schrage-Aden, endlich das 500. Vereinsmitglied begrüßen zu dürfen. Nicht nur im vergangenen Jahr trugen über 40 ebenso spannende wie informative Vorträge zur Netzwerkstärkung und -ausweitung vor Klima- und Umweltschutz-Interessierten bei. 26 der Vorträge erfolgten in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. In den vergangenen 20 Jahren wurden so ca. 500 Veranstaltungen und Schulungen durchgeführt, davon etliche inzwischen auch online. Und es wird weitergehen.

In ihrem Grußwort betonte Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg – noch den vergangenen Zehlendorfer Stromausfall vor Augen – wie wichtig es sei, dass auch der Akionskreis sich weiterentwickele hin zu mehr Resilienz in Sachen Energie. Und Ulrich Döbler, kliQ-Berlin eG und Vorsitzender des AK Energie e. V., setzte in seinen Worten mit dem Aktionskreis Energie auf „keine Pause, sondern die Besinnung auf Wesentliches“. Außerdem forderte er anwendbare Technik und führte dazu zukunftsweisend das Pilotprojekt „Machbarkeit Nahwärme Sprungschanzenweg“ der kliQ-Berlin eG an: Es zielt unter Zusammenarbeit von Verwaltung und Politik darauf ab, an Hand eines möglichst einfachen kalten Nahwärmenetzes zusammen mit dem Bezirk und der Landesverwaltung erstmalig in Berlin eine Genehmigung für diese Art von Netzen im Bestand unter Nutzung öffentlicher Flächen zu bekommen. Für den Aktionskreis Energie stellte Döbler für dieses Jahr spannende Vorträge und Symposien zu lokaler Energieversorgung in Aussicht.

Zukunft in bewegten Zeiten

Gäste und Unterstützer

Zu Wort anlässlich des Jubiläums kam im Laufe des Abends auch Matthias Kollatz, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der ehemalige Finanzsenator kritisierte Berlin, zu große Haushalte aufstellen zu wollen.Vielmehr müsse man kleiner planen und systematisch Schwerpunkte setzen. Anstatt zu hohen Aufwandes bei der Gelände-Optimierung sei in Sachen ökologischer Fußabdruck stärkeres Augenmerk auf die Bereiche Bau und Abriss zu richten. Kollatz betonte außerdem, dass – was nur wenige wissen – Berlin führend im Bereich Holzbau ist, wie man an vielen Schul- und Turnhallenbauten sehen kann. Ein Zukunftsziel müsse sein, Stadtquartiere mit möglichst hohem Holzanteil zu bauen.

Patrick Graichen, Bündnis 90/Die Grünen und Staatssekretär a.D., gab in seiner Gastrede zu bedenken, dass es 2026 im Rahmen der „Zeitenwende auch im Energiebereich“ die Aufgabe Europas und der Politik sein müsse, sich zeitnah weg von der Energieabhängigkeit zu bewegen. Noch sei die Gaslobby groß, daher sei es notwendig, die Auseinandersetzung zwischen erneuerbarer Elektrifizierung und Gas zu vertiefen.

Eine weitere politische Aufgabe müsse auch sein, die Preise für die Wärmepumpen-Installation deutlich zu senken. Graichen prophezeite, dass drohende Sabotage des Energiesystems auch die kommenden Jahrzehnte Thema sein wird: Dazu sei es unumgänglich, zeitnah resiliente Energiesysteme als Speicherhelfer zu schaffen. Und auch Redner Thomas Heilmann, Vorsitzender der KlimaUnion e. V. und ehemaliges Mitglied des Bundestages, CDU, forderte, möglichst bald eine Lösung in der Wärmewirtschaft zu finden. Berechtigte Zweifel bestehen für ihn, die Klimaziele zu erreichen, wenn Länder wie beispielsweise Rumänien oder Polen weiter auf fossile Energie setzen. Den Aktionskreis Energie nannte Heilmann auch deswegen für sehr wichtig, weil hier Bürger anderen Bürgern von ihren Erfahrungen mit Wärmepumpen etc. berichten können und aus Fachkreisen wichtige Informationen zum Thema erneuerbare Energie beigesteuert werden.

Bestand ist beständig – Sanierung schlägt Neubau

Besonders beeindruckt aber zeigten sich die Jubiläumsbesucher des Aktionskreis Energie e. V. vom Vortrag des Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel. Die Stiftung Baukultur schließt eine Lücke, die zwischen Baukultur und Denkmalschutz klafft. Nagel nannte nachhaltige Lösungen, wie man mit energetischen Sanierungen (hoher) Baukultur gerecht werden und mit ihr die Zukunft gestalten kann. Das Motto der Baukultur laute „Räume prägen Menschen und Menschen prägen Räume“, wobei Bauen viel mit Strukturpolitik zu tun habe. Pro Person würden in Deutschland 361 Tonnen Baustoffe verbaut – so viel wie ein vollbesetzter ICE wiegt. Abreißen bedeutet zusätzliche CO2 -Freisetzung. Erhalt, Bestandspflege und -sanierung mit energetischer Ertüchtigung dagegen ist wesentlich CO2-ärmer und klimafreundlicher. Längst hat Bestand Konjunktur und ist Umbau angesagt, der oftmals deutlich preiswerter als Neubau ist. Dabei gilt es „graue Energie“ zu erhalten, d.h. Energie zu nutzen, die bereits im Rohbau steckt. Bestandschutz ist das Zauberwort, das Alt und Neu mithilfe verständnisvoller Architektursprache durch Umbau zur Weiternutzung zu „goldener“ Energie verhilft. Nicht nur Reiner Nagel wünscht sich dafür „anständige Architekten, die mit Freude sanieren“ und die von der Politik unterstützt „Beinfreiheit für Baureduktionsplanung“ haben: So kann dann nach durchdachtem Umbau eine Schule außerhalb der Schulzeit beispielsweise auch „infrastrukturgemäß“ als Bürgersaal genutzt werden. Doch heißt das nicht, vor jeden umgebauten Altbau eine optisch unpassende Wärmepumpe zu setzen. Da ist nun vielmehr die Bauwirtschaft und der Einsatz von „Kopf und Hand“ gefragt, um geschickte Lösungen für derartige Bausünden zu finden, ohne dabei energetisch Schiffbruch zu erleiden. Um den Architekten- und Handwerkernachwuchs von morgen bei Zeiten auf Bestand erhaltendes nachhaltiges Bauen vorzubereiten, hat die Stiftung Baukultur das „Schulbuch Baukultur“ als erstes umfassendes Schulbuch zum Thema Baukultur herausgebracht, das auf Spendenbasis bezogen werden kann. Bereits erste Schulen in Berlin arbeiten erfolgreich damit, darunter die Schulen der Königin-Luise-Stiftung in Dahlem.

Insgesamt machte der Jubiläumsabend des AK Energie Hoffung: Hoffnung auf eine bauliche Zukunftsgestaltung, die unseren Lebensraum behutsam behandelt und energetische Selbstständigkeit an Stelle der Abhängigkeit rücken lässt. All das benötigt Zeit – und engagiert lösungsorientierte Aktive, wie der Aktionskreis Energie e. V. sie seit über 20 Jahren hervorbringt und erfolgreich vernetzt.

Weitere Informationen und Kontakt zum AK Energie e. V. unter www.aktionskreis-energie.de

Jacqueline Lorenz


Schulbuch Baukultur. Foto: BSBK
Schulbuch Baukultur. Foto: BSBK

Information zum Schulbuch Baukultur:

Das Buch richtet sich auf rund 180 Seiten an Schüler ab etwa 11 Jahren (4./5. Klassen bis Sekundarstufen) an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland. Es hat das Ziel, Wissen über Planen und Bauen zu vermitteln sowie ein Bewusstsein für die bebaute Umwelt mit Gebäuden, Plätzen, Straßen und Landschaften zu schaffen. Dabei regt es an, die eigene Umgebung in Schule, Zuhause und Stadtraum aufmerksam wahrzunehmen, zu bewerten und mitzugestalten.

Das Buch spricht baukulturelle Themen wie Umwelt, Kultur, Politik, aber auch u. a. Nachhaltigkeit Ethik, Handwerk und Wirtschaft an. Behandelt werden u. a. die Gestaltung öffentlichen Raumes, das Verhältnis Stadt/Land, nachhaltiges Bauen und „Neue Umbaukultur“ mit Klimafolgeanpassung, Kreislaufwirtschaft, Bauen im Bestand und Mitwirken von Bürgern. Ein Kapitel behandelt explizit als Lernanlass für Kinder und Jugendliche die (Um)Baukultur im Schulbau. Zahlreiche Beispiele, Grafiken und Aufgabenstellungen in dem praxisnahen, jugendgerecht aufbereiteten Arbeitsbuch bieten Vorschläge für Projekte, Übungen und Reflexionsaufgaben sowie Anregung, eigene Ideen zu entwickeln. Das Schulbuch kann fächerübergreifend genutzt werden, knüpft u. a. an die Fächer Geografie, Kunst, Politik, Ethik, Deutsch, Technik und Wirtschaft an. Es eignet sich ebenso für Projekttage und AGs oder Projektwochen wie für Freizeit und Stadtteilprojekte.

Kontakt und Fragen zum Buch unter schulbuch@bundesstiftung-baukultur.de

Infos unter www.bundesstiftung-baukultur.de/baukultur-bundesweit/baukulturelle-bildung/baukultur-in-die-schule-bringen

TitelbildTitelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026