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Charlottenburg

„Frischzellen-Kur“ für den Volkspark Jungfernheide

Charlottenburg-Wilmersdorf für Schwammstadt-Projekt ausgezeichnet

Auf 3000 Quadratmeter Wiese wurde in der Jungfernheide Pflanzenkohle ausgebracht. Foto: BACW
Auf 3000 Quadratmeter Wiese wurde in der Jungfernheide Pflanzenkohle ausgebracht. Foto: BACW

09.07.2024: Ob zum Spazieren, Klettern oder Spielen, ob zum Baden oder Hundeausführen: Der Volkspark Jungfernheide ist beliebt im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Er dient nicht nur den einwohnerstarken Wohnsiedlungen der Siemensstadt und der Paul‐Hertz‐Siedlung als zentraler Naherholungsraum, sondern zieht Erholungssuchende aus dem gesamten Stadtgebiet an. Das hinterlässt Spuren.

Zukunftsweisend mit Pflanzenkohle

Die Maßnahme des Bezirksamts „Pflanzenkohle als Schwamm – Ein Feldversuch im Volkspark Jungfernheide“ wurde als einer der zukunftsweisenden Vorhaben am 4. Juli im Rahmen des Wettbewerbs „Regenial! Ihr Schwammprojekt für unsere Schwammhauptstadt“ der Berliner Regenwasseragentur ausgezeichnet.

Widerstandsfähigkeit verbessern

Mit gezielten Maßnahmen hat der Fachbereich Grünflächen in den vergangenen zwei Jahren die Widerstandsfähigkeit der großen Wiese durch eine „Frischzellenkur” neues Leben und Vitalität eingehaucht. Die Sanierungsmaßnahmen haben den verfestigten Boden aufgelockert, den Wasser- und Nährstoffhaushalt verbessert und machen somit die Wiese widerstandsfähiger gegen Belastungen. Der Einsatz von Pflanzenkohle in der Jungfernheide ist eines von mehreren Schwammstadtprojekten des Bezirksamts im vergangenen Jahr.

Kohlenstoff binden

Auf mehr als drei Hektar der Wiesenfläche wurde Biokohle aus Gehölzschnitt in den Boden eingearbeitet und sorgt so für einen besseren Wasserhaushalt. Ähnlich wie ein Moor bindet die Biokohle Kohlenstoff, der der Atmosphäre entzogen wurde. In der Jungfernheide werden damit etwa 70 Tonnen Kohlenstoff langfristig im Boden festgehalten. Die Biokohle wurde mit Pilzen beimpft. Diese Pilzbeimpfung dient als Kommunikator zwischen den Rasenpflanzen und der Kohle. Die Hyphen der Pilze sorgen für den Austausch von Wasser und Nährstoffen aus der Kohle und den Rasenpflanzen. So wird der Speicher nutzbar.

Standortangepasste Pflanzen

Verwendet werden zudem standortangepasste Gräser und unterstützende Rasenkräuter (Regiosaatgut). Diese Pflanzen sind hier heimisch, somit genetisch an das Umfeld von Berlin angepasst und kommen mit den Standortbedingungen (Sand und Trockenheit) viel besser klar, als hochgezüchtete Rasengräser, welche bewässert und gedüngt werden müssen. Durch die Kombination dieser Eigenschaften kann auf künstliche Bewässerung und Düngung auch in Zukunft verzichtet werden.

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