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Marianne Strobl, Industriefotografin

Das Verborgene Museum zeigt Werke einer ungewöhnlichen Frau

Marianne Strobl, Einmünd-Ende Sammelkanäle bei der Kammer „Sophienbrücke“, 1898, Albumin. Archiv Photoinstitut Bonartes, Wien
Marianne Strobl, Einmünd-Ende Sammelkanäle bei der Kammer „Sophienbrücke“, 1898, Albumin. Archiv Photoinstitut Bonartes, Wien
Erschienen in Gazette Charlottenburg Oktober 2019
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Erstmalig in Berlin sind Fotografien der Industriefotografin Marianne Strobl zu sehen. Das Verborgene Museum zeigt 60 beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotografien einer außergewöhnlichen Frau.

Erste Industriefotografin der k.u.k. Monarchie

Marianne Strobl (1865-1917), die selbstbewusste Frau und Fotografin, die nicht wie viele ihrer Berufskolleginnen als Portraitfotografin im Atelier ihr Geld verdienen wollte, hat ein fotografisches Werk hinterlassen, das für die Fotografiegeschichte einen Glücksfall darstellt. Sie war zwischen 1894 und 1917 auf Großbaustellen und in Industriebetrieben unterwegs und wird wohl nicht zu Unrecht als „erste Industriefotografin der k.u.k. Monarchie“ bezeichnet. Die Kenntnisse über ihr Leben sind nur sehr spärlich: Sehr wahrscheinlich hat sich Marianne Strobl im exklusiven „Club der Amateur-Photographen in Wien“, zu dem sie vermutlich über ihren Mann, den Vermessungstechniker Josef Strobl, Zugang hatte, die notwendigen Kenntnisse im Umgang mit dem Fotoapparat, den Fotoplatten und den Geheimnissen der Dunkelkammer angeeignet. Eine Ausbildung an der 1888 gegründeten „K.K. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien“ war ihr noch nicht möglich, weil Frauen erst ab 1908 Zugang zu der Wiener Ausbildungsstätte hatten.

Schwerstarbeit im unwegsamen Gelände

Die Jahrhundertwende war geprägt von Technik und Industrie, vom Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Errichtung von Fabriken, vom Brückenbau, Kanalanlagen und Eisenkonstruktionen. Das war für Marianne Strobl der Anstoß, sich von Anfang an auf die Dokumentation derartiger großer Stadtbau- und Industrieanlagen zu spezialisieren. Das Fotografieren derartiger Großbaustellen bedeutete damals, eine hochkomplizierte Technik zu beherrschen: nicht zuletzt unterwegs in unwegsamem Gelände den Umgang mit der großformatigen Holzkamera, dem Stativ und den schweren Glasplatten zu handhaben.

Marianne Strobl stieg um 1900 für ihre Auftraggeber in die Kanalisation, fotografierte auch die geologisch einmaligen Ötscherhöhlen in Niederösterreich und begleitete über Jahre die Errichtung des Gaswerks Wien-Leopoldau. Nicht zuletzt führte sie auch Regie über alle männlichen Mitarbeiter vor Ort. Strobls Spezialisierung in diesem Metier war ihre persönliche Strategie, um auf dem extrem umkämpften Wiener Fotografiemarkt um 1900 konkurrieren zu können. Laut Firmenstempel nannte sie sich „Industrie-Photograph“ und zeichnete ihre Fotografien in markantem rotem Schriftzug „M. Strobl“. Ihren ersten Großauftrag hat sie in einer Mappe unter dem Titel präsentiert: „Typen der Landfuhrwerke der Österr.-Ungar. Monarchie aus der Internationalen Ausstellung für Volksernährung, Armeeverpflegung, Rettungswesen und Verkehrsmittel, Wien-Rotunde 1894“. Es sind 95 Albuminabzüge mit einem ausführlich erläuternden Begleitheft zu Nützlichkeit und Beschaffenheit der Fuhrwerke, wie z. B. die Achsenaufhängung, die Robustheit, den Wendekreis sowie die Korb- und Holz-Aufsätze. Dafür interessierte sich besonders die Militärbehörde für den Fall einer Mobilmachung.

Schließlich etablierte sie sich vor allem als Spezialistin für Blitzlichtfotografie: Sie begleitete 1901 eine Expedition in die Ötscherhöhlen in Niederösterreich, in denen sie sich mit schwerem Equipment aus Kamera und Blitzlichtausrüstung durch enge Zugänge und Stollen zwängen musste. Aus ihrer Hand sind nie zuvor gesehene Aufnahmen von dem Berginneren entstanden.

Die Ausstellung ist bis zum 8. März 2020 zu sehen. Öffnungszeiten: Do und Fr 15 bis 19 Uhr; Sa und So 12 bis 16 Uhr. DAS VERBORGENE MUSEUM, Schlüterstraße 70, 10625 Berlin. www.dasverborgenemuseum.de

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