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Mit den „Old Gymnastic Boys“ Leib und Seele in Schwung bringen

Ü65er-Herrenrunde heißt ab sofort neue Sport-Teilnehmer willkommen

Die Power-Boys: Spaß an der Bewegung und Liane´s Gymnastik halten sie aktiv.
Die Power-Boys: Spaß an der Bewegung und Liane´s Gymnastik halten sie aktiv.
Erschienen in Gazette Steglitz März 2019
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Wer, jenseits der 65, kennt das nicht: entweder zwickt es im Knie oder der Rücken meldet sich, und das Aufstehen gelingt auch nicht mehr so elastisch wie noch vor wenigen Jahren.

Doch für die „Old Gymnastic Boys“, die sich jeden Dienstag um 10 Uhr in der Carl-Schumann-Sporthalle in Berlin-Lichterfelde treffen, ist das kein Grund, klein beizugeben. Im Gegenteil: Mit Gymnastikmatte und –band gewappnet, rücken sie den Zipperlein des Alters entschlossen zu Leibe, in Bauch-, Rücken- und Seitenlage oder fröhlich hüpfend. Dabei fachkundig und sensibel angeleitet werden die Herren, die im Alter zwischen 65 und 90 Jahren sind, von Therapeutin Liane Doering.

„Sie weiß genau, was jeder von uns sich NOCH, beziehungsweise NICHT MEHR zumuten kann“, erklärt Peter, begeistertes Mitglied der Gymnastikriege.

Ab sofort sucht die derzeit 22 Mann starke Gruppe, die Mitglied im Dachverband Steglitz-Zehlendorfer Seniorenvereinigungen ist, gemeinsam mit ihrem Gruppensprecher, dem 1. Dachverbands-Vorsitzenden Michael Mielke, weitere männliche Gleichgesinnte ab 65.

„Aktiv im Alter – gemeinsam statt einsam“ lautet das Motto des 1973 gegründeten Dachverbandes Steglitz-Zehlendorfer Seniorenvereinigungen, der – unabhängig, selbstständig und überparteilich – inzwischen auf über 60 Gruppen mit weit über 1.000 Mitgliedern in unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten blicken kann. Wertvolle Kooperation besteht mit dem Amt für Soziales im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.

Gern angenommenes Ausweichquartier der Gymnastikgruppe ist zurzeit die Carl-Schumann-Sporthalle in der Osdorfer Straße 52, da die Bauarbeiten an ihrer eigentlichen „Stammturnhalle“ in der Steglitzer Lessingstraße noch nicht beendet sind – „nicht fachgerecht saniert“, wie es heißt. Dass sie dorthin bald wieder zurückkehren können, hofft auch Therapeutin Liane.

Senioren mit Power

„Bei uns darf auch gelacht werden“, begrüßt mich an sonnigem Dienstagmorgen in der Halle ein flotter Mitt-Siebziger in bunter Sporthose. 17 Mann, die überwiegend aus dem Berliner Südwesten kommen, sind zu dieser Gymnastikstunde mit Gymnastikmatte, Sportschuhen (bitte mit weißen Sohlen!), viel guter Laune und kleinem Kostenbeitrag angetreten. Man duzt sich von Anfang an, wie es unter Sportlern üblich ist. 1993 gründete sich die Sportgruppe, von deren Gründungsmitgliedern jedoch inzwischen niemand mehr aktiv dabei ist.

Liane ordnet die freiwillig von den Kursteilnehmern ausgefüllten Gesundheitsfragebögen, Gruppensprecher Michael hakt die Anwesenheitsliste ab.

Auch der rüstige Arnold ist da, ältester „Gymnastic-Boy“. Am 21. März feiert er seinen 90. Geburtstag, was man nicht so recht glauben mag. Das liegt wohl auch daran, dass er regelmäßig geschwommen ist, bis er vor drei Jahren zur Herrenriege fand:

„Ich hatte in der Bezirksbroschüre von dem Angebot gelesen.“ Der ehemalige Architekt und Bauleiter ist froh, hier unter älteren Herren außer der wohltuenden Gymnastik „den erfreulichen Nebeneffekt guter Gemeinschaft“ erleben zu dürfen.

„Ich bin Single und finde hier Abwechslung, die Leib und Seele beweglich hält“, erklärt Arnold, der auch bei den gelegentlichen Treffen der Herrenrunde außerhalb der Gymnastikstunde gerne mit dabei ist, und der von Michael Mielke scherzhaft und nicht ohne Stolz als „unser mobiler Vorzeige-Senior“ bezeichnet wird.

Neben ihm breitet Horst, 83 Jahre, seine Gymnastikmatte aus: Als Internist arbeitete er im Zehlendorfer Emil-von-Behring-Krankenhaus. Bis November vorigen Jahres hat er noch regelmäßig Faustball gespielt. Doch nach einem Bänderriss in der Schulter ist Schluss damit. Die Gymnastik, die er seit 2015 in der Gruppe mitmacht, tut ihm und der Schulter gut.

Gegen das Alter anturnen

Liane wirft den CD-Player an, Start der heutigen Gymnastikstunde mit Schwerpunkt Oberschenkel außen/innen, Oberkörper.

36 Füße treten zum Warmwerden auf der Stelle, erst langsam, dann schneller, trippeln, Tempo go! Liane ist fröhlich-fordernd: „Fersen hoch, in die Knie! Lösen! Alles gut? Arme nicht vergessen!“ Sie überfordert ihre Old Boys nicht, hat die Augen überall. Kursteilnehmer Peter betont: „Sie lobt oft; der stärkste Tadel aber von ihr ist, wenn sie „ach, Männer…“ sagt.“

Aus dem CD-Player krächzt Bonnie Tyler „It‘s a Heartache“. Nein, nach Herzschmerz sieht hier keiner aus, auch wenn anstrengungsbedingt gelegentliches Stöhnen aus rauer Männerkehle tönt à la Grunting-Meisterin Monica Seles.

Hier und da ein Scherz zum Nachbarn, der sich müht, das Gymnastik-Gummiband besonders korrekt um beide Knöchel zu platzieren. Endlich Bodenarbeit, sich hinlegen dürfen! Kurze Erholungspause, ein Schluck aus der Wasserflasche, weiter in Bauch-, Seiten-, Rückenlage. Gymnastische Übungen, über die Jahre unelastisch gewordene Bänder zu dehnen und verkürzte Muskeln wiederaufzubauen, weiß Liane viele und lässt sie ihre Boys spüren – verständnisvoll, aber unnachgiebig. Und die machen in fröhlicher Runde gerne mit.

„Du kannst nicht immer 17 sein“, ruft Chris Roberts ihnen aus dem Lautsprecher aufmunternd zu. Als ob sie das nicht schon längst wüssten! Und Drafi Deutscher lässt Marmor, Stein und Eisen brechen, – zum Glück die Knochen nicht. „Weiteratmen“, erinnert Liane einen besonders konzentriert körperarbeitenden Kursteilnehmer. Dann endlich eine Übung, die nur die unter 70-Jährigen mitmachen müssen, – doch das sind nur wenige, darunter Michael Mielke, der mit seinen 67 eher zu den „Küken“ zählt. Inzwischen singt Udo Jürgens „Sie husten und prusten, fast geht nichts mehr…“ Doch bei den Old Boys hier geht noch so einiges. Endspurt Bauchmuskeltraining: Liane dehnt hier fachmännisch eine Hüfte, streckt da mit „erlaubter Gewalt“ ein Knie. Die Körper danken es später.

Nach etlichen weiteren Übungseinheiten geht´s wieder auf beide Füße zum Lockerungstrippeln. Ende der Gymnastikstunde – und viele strahlende Gesichter.

Peter fasst zusammen: „Der Gymnastikkurs bringt alleine schon für den gesundheitlichen Zustand viel. Man wird mit den Jahren bequem. Unsere famose Therapeutin zeigt uns aber immer wieder Übungen, die man jeden Morgen machen sollte, nicht nur einmal in der Woche. Doch da macht es eben in angenehm erfrischender Runde, in der es so lustig-ironisch zugeht, deutlich mehr Spaß als alleine. Und davon profitiert die Seele dann auch.“

Wer Lust hat, bei den fröhlichen „Old Gymnastic Boys“ einzusteigen: Weitere Informationen und Anmeldung zum Probetraining bei Michael Mielke unter Telefon 0176 34 66 58 27 oder E-Mail michaelmielke1000@t-online.de.

Ort: Carl-Schumann-Sporthalle, Osdorfer Straße 52 in 12207 Berlin-Lichterfelde

Termin: Jeden Dienstag 10 – 11 Uhr, ab sofort

Informationen zu weiteren Gruppenangeboten des Dachverband der Seniorenvereinigungen unter www.seniorenmitpower.de.

Jacqueline Lorenz

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