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Die Wasserspiele sind zurück

Fontänen, Brunnen und Bäche sprudeln im Park Babelsberg

Blick über den Pleasureground zum Schloss Babelsberg. Foto: SPSG/Leo Seidel
Blick über den Pleasureground zum Schloss Babelsberg. Foto: SPSG/Leo Seidel
Erschienen in Wannsee Journal August/September 2017
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Die kaiserlichen Hoheiten flanierten durch den Park. Dabei fiel der Blick immer wieder auf den aufstiebenden Geysir in der Havel. Oder sie verweilten, um den munter sprudelnden Lauf eines Baches zu bewundern. Auch die Brunnen beeindruckten und wurden immer wieder gern besucht. Sehenswerte Werke wie der von der Stadt Köln gestiftete Städtebrunnen, der Jubiläumsbrunnen anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares und der Adlerbrunnen sind darunter. Die repräsentativen Wasserspiele ließ Kaiser Wilhelm I. noch während seiner Zeit als Kronprinz erbauen. Zunächst war Peter Joseph Lenné als Planer für die Parkanlagen beauftragt, um sein Gesamtkunstwerk der preußischen Parks weiter zu führen. Er überwarf sich jedoch mit der Prinzessin Augusta und wurde daraufhin abgelöst. Die Planung oblag nun dem Fürsten Hermann von Pückler-Muskau. Der Kronprinz Wilhelm und sein Vater, König Friedrich-Wilhelm II., zeigten sich großzügig, wenn es um ihre Parkanlagen ging. Die Wasserspiele wurden über ein ungefähr 10 km langes Brauchwassernetz gespeist. Der Betrieb war allerdings teuer. Das führte dazu, dass die ersten Wasserläufe nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1888 abgeschaltet wurden. Nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 ließ man nach und nach auch den Rest abschalten. Im Laufe der Jahrzehnte verfielen die Anlagen und die Lage einiger Wasserläufe war nur noch mit Fantasie auszumachen.

Im Jahr 2013 begannen die Baumaßnahmen zur Wiederherstellung der zahlreichen Wasserspiele im Babelsberger Park. Möglich wurde das Unterfangen durch das Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten. Die Rückkehr zur alten Schönheit ließ sich das Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie die Berliner Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten immerhin 5,9 Millionen Euro kosten.

Die Terrassen am Schloss

Als außergewöhnliche Herausforderung erwies sich die Wiederherstellung der fünf – das Schloss umgebenden – Terrassen mit ihren Brunnen, Setzstufen und Stützmauern aus Naturstein. Dekontaminationsmaßnahmen auf der Abdichtungsebene waren ebenso erforderlich wie die Restaurierung stark geschädigter Metall- und Kunststeinvasen, Fialspitzen, Wasserspeier, Tier­skulpturen und der ca. 100 Meter langen gusseisernen Brüstungsgeländer in Maßwerkform.

Nach Fertigstellung des ersten Bauteils hatte das Schloss keine Terrasse. Stattdessen war es nur von einem schmalen Weg und einer steilen Rasenböschung umgeben. Der Vorschlag, mit der Erweiterung des Schlosses auch Terrassen zu errichten, ging auf Hermann Fürst von Pückler-Muskau zurück, der sich 1842 um die Weitergestaltung des Babelsberger Parks bewarb und dem es gelang, den Architekten Ludwig Persius (1803-1845) von der Terrassen-Idee zu begeistern.

Die Terrassen sollten nach Pücklers Bekunden wie „Schlossräume in vergrößertem Maßstab unter freiem Himmel“ wirken. Sie waren daher reich mit Blumen, Skulpturen, Mosaiken und exotischen Pflanzen geschmückt. Sie entstanden sukzessive zwischen 1843 und 1848. Auf unterschiedlichen Ebenen angelegt, über Treppen erreichbar, sind sie von den Innenräumen des Schlosses aus zugänglich und mit dem anschließenden Pleasureground verbunden. Ein fischblasenornamentiertes Geländer umfasst die Terrassenebenen. Lange eingelagert, konnte es restauriert und mit einer zusätzlichen Stützkonstruktion wieder montiert werden. Jede Terrasse ist spezifisch ausgestattet.

Im Zentrum der Porzellanterrasse steht der jetzt wieder funktionierende Städte-Brunnen, der um 1863 in Gestalt einer gotischen Fiale und als Geschenk der Dombauhütte Köln zum Dank für die Bemühungen Friedrich Wilhelms IV. (1796-1861) und Wilhelms I. um die Vollendung des Kölner Domes errichtet wurde. Von den zahlreichen Tierplastiken auf der Porzellanterrasse haben sich die Gruppe „Adler und Geier um eine Gemse kämpfend“ von Christophe Fratin (1801-1864) und verschiedene Hundeplastiken von Elisabeth Ney (1833-1907) erhalten. Die Goldene Terrasse verdankt ihren Namen einem vergoldeten, bepflanzten Rankgerüst unmittelbar vor dem Erkerfenster des Arbeitszimmers der Prinzessin Augusta (1811-1890). Es konnte nach erhaltenen Teilen rekonstruiert werden und wird bald wieder Blütenfreude versprühen. Restauriert wurden zudem die stark geschädigten ornamentierten Bodenmosaike der Porzellanterrasse und der Goldenen Terrasse sowie die Beeteinfassungen aus vergoldeten Stahlseilen, die an Schiffstaue erinnern.

Verloren gegangen war der blau gebänderte Belag der Blauen Terrasse. Die jetzt fertig gestellte Gliederung der Bodenoberfläche nimmt Materialität und Dimension der Babelsberger Terrassen in einem neuen Entwurf auf. Der östliche Teil der Blauen Terrasse wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen. Die Bruchkante markiert ein einfaches Eisengeländer. Gartenmöbel aus Gusseisen zieren die Terrassen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird eine Sitzgruppe mit Motiven aus Eichenlaub und -ästen wieder auf der Blauen Terrasse aufgestellt. Vor der Blauen Terrasse stehen vier große neugotische Bänke, die bereits 2015 dank einer Spende restauriert und nachgegossen wurden. Sie gehen auf einen Entwurf von Johann Heinrich Strack (1805-1880) um 1850 zurück. Eine kleine, zierliche Bank aus einer englischen Kunstgießerei, die sich am Teeplatz unterhalb der Porzellanterrasse befindet, vervollständigt das historische Gartenmobiliar.

Südlich des Schlosses schließt sich die gestufte Voltaireterrasse an. Nachgüsse neogotischer Vasen schmücken die Balustraden der Terrassenabsätze. Der Tonfliesenbelag wurde saniert und ergänzt, die Pflanzflächen unter den Linden mit Efeu bepflanzt. Auf der zweithöchsten Stufe der Terrasse befindet sich der 1854 – anlässlich der Silberhochzeit des Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Augusta – aufgestellte Jubiläumsbrunnen. Von der Voltaireterrasse führt in der Achse des Tanzsaales eine Treppe zum Michaelsdenkmal. Das von Johann Heinrich Strack geschaffene Erinnerungsmal an den Badischen Feldzug (1849) war ein Geschenk des königlichen Bruders Friedrich Wilhelm IV. an den Prinzen Wilhelm. Dieser Terrassenteil konnte bislang noch nicht saniert werden.

Der Pleasureground

„Pläscherground“ nannte der Babelsberger Hofgärtner Christoph Ferdinand Kindermann (1805-1865) den mit Blumen, blühenden Sträuchern und Zierrat reich geschmückten Gartenbereich, der südwestlich an die Babelsberger Schlossterrassen heranreicht. Er nahm mit dieser umgangssprachlichen Adaption des englischen Begriffs „Pleasureground“ wohl den vorherrschenden Klang dieses Areals auf – das allgegenwärtige Plätschern der Fontänen und Brunnen. Drei Gartenräume – mit je einem eigenen Wasserspiel – gliedern den Pleasureground: Im Zentrum des reich verzierten Goldenen Rosengartens reckt ein bronzener Reiher seinen Hals und sprüht inmitten der Rosenpracht eine zierliche Fontäne nach oben. Einen rauschenden Grundton erzeugen die vier löwenköpfigen Wasserspeier des Adlerbrunnens, der künftig wieder von Miniatur-Obstbäumen in Tontöpfen umgeben sein wird. Die ursprünglich vorhandene Adlersäule ist nicht erhalten. Unterhalb des Goldenen Rosengartens sprüht die Gotische Fontäne einen Wasserstrauß nach oben und bildet seitlich zugleich kleine bogenförmige Wasserstrahlen, die an die Linien gotischer Architektur erinnern. Die Anlage des Pleasuregrounds geht in seiner Grundstruktur bereits auf das erste Jahrzehnt der Parkgestaltung unter Peter Joseph Lenné (1797-1866) zwischen 1833 und 1843 zurück. Nach dem Bau des Maschinenhauses und des Bewässerungssystems im Park ließ Hermann Fürst von Pückler-Muskau ab 1843 den Pleasureground mit Wasserspielen, weiteren Gärten, Wegen, Beeten und Ziergehölzen bereichern. Die Atmosphäre dieses exklusiven Gartenbereichs unterstrich ein zierlicher eiserner Pleasureground-Zaun, der jedoch nicht mehr vorhanden ist.

Das Schwarze Meer, Wasserfälle, Bachlauf und Geysir

Das von Hermann Fürst von Pückler-Muskau erdachte Zusammenspiel von Seen, Fontainen, Bachläufen und Wasserfällen bereichert das Parkbild in einmaliger Weise. Vor der Einweihung der Fontänen 1845 hielt sich der Fürst über einen längeren Zeitraum in Babelsberg auf, um die Arbeiten persönlich anzuleiten.

Die im 20. Jahrhundert verschwundenen Wasserspiele wurden Stück für Stück reaktiviert. Dort, wo sich jahrzehntelang eine überwachsene Senke befand, ist nun 200 Meter oberhalb des Schlosses das Schwarze Meer neu zu erleben. Durch die geschickte Reliefgestaltung ergeben sich reizvoll bewegte Uferlinien, die zusammen mit den vier bewusst positionierten Inseln dazu führen, dass das eigentlich kleine Gewässer von keinem der umlaufenden Wege vollständig überblickt werden kann und dadurch für den Betrachter die Illusion eines größeren Gewässers, eines Meeres, entsteht. Im Zuge der Baumaßnahme musste eine neue Dichtungsschicht aus Tonmaterialien eingebaut und die Ufermodellierung wiederhergestellt werden.

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