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Kultur im Bunker

Ein neuer Raum für die Kunst in Schmargendorf

Eine Treppe führt zur Kultur im Bunker.
Eine Treppe führt zur Kultur im Bunker.
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Februar/März 2017
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Inserf-Bautenschutz GmbHMesserschmiedemeisterWilhelm Pusch

Klaviertöne erfüllen den kleinen Raum, dessen Wände für eine bessere Akustik mit Vorhängen und schalldämmenden Stoffen versehen sind. Kein Nachbar beschwert sich über die Musik – das ist bei diesem ungewöhnlichen Ort kein Wunder, denn kein Ton dringt nach draußen. Der Raum befindet sich unter der Erde – und zwar in einem 800 Quadratmeter großen Bunker unter dem Haus und Parkplatz des Grundstücks Hohenzollerndamm 120 in Schmargendorf.

Positive Energie trotz Kriegsvergangenheit

Die Wiederentdeckung des Bauwerks aus dem Zweiten Weltkrieg war eher zufällig. Nach einem Eigentümerwechsel des Hauses entdeckte der Käufer den Bunker, in dem das Wasser stand. Als die Immobilie nach der sehr teuren und aufwändigen Renovierung auf den Markt kam – der neu geschaffene Zugang ist über den Parkplatz des Hauses erreichbar – sahen Jong-Ha Kim und seine Frau das Angebot, als es erst eine Minute im Internet stand. Der Jazzmusiker war auf der Suche nach Übungsräumen und als er das Inserat sah, ergriff er die neue Möglichkeit beim Schopf. Das Ehepaar besichtigte den Bunker und spürte sofort die positive Energie, die dieser Ort trotz seiner düsteren Vergangenheit ausstrahlt. So griffen sie mutig zu und schufen ein Zuhause für Künstler – eben Artist Homes.

Geheimsache Trafo

Geplant wurde der Bunker bereits im Jahr 1935 als Standort für eine Flugmeldekompanie. Vier Jahre vor Kriegsbeginn waren die Vorbereitungen also bereits im Gange. 1937 war Baubeginn. Der Bunker wurde unter höchster Geheimhaltung mit dem Codenamen „Trafo“ erstellt. Eine Besonderheit ist ein Wandbild, das sorgfältig restauriert wurde. Es stellt Mitarbeiter des Kommandos dar, die auch tatsächlich im Bunker gearbeitet hatten. Von Schmargendorf aus warnte man die Berliner, wenn sich die Bomber der Alliierten der Stadt näherten.

Probenräume, Ausstellungen und Konzerte

Heute erklingen zwischen den Betonwänden ganz andere Töne: In sechs Räumen, die an einzelne Musiker und Bands vermietet werden, wird geprobt. Außerdem soll nach und nach eine Bibliothek mit philosophischer und musischer Literatur eingerichtet werden. Ein Service für Eltern, die im Bunker Konzerte besuchen möchten, ist ein Spielzimmer mit Kinderbetreuung. Im Konzertsaal, der bis zu 200 Besuchern fasst, wird Klassische Musik genauso gespielt wie Jazz und Cellokonzerte, dargeboten von Michael Hussla, der als Erster Solo-Cellist an der Deutschen Oper Berlin spielte. Einen Kunstort für Schmargendorf zu schaffen, gehört zu den Visionen der Mieter. Deshalb gibt es hier nicht nur Raum für Musiker und Konzerte, sondern auch wechselnde Ausstellungen und das Art-Café, das zum Verweilen im erstaunlich hellen Bunker einlädt.

Vielseitiges Angebot

Mit Kunst Geld zu verdienen – nicht um reich zu werden, sondern um davon zu leben und selbst wiederum Künstler fördern zu können, ist ebenfalls ein Zukunftsplan von Jong-Ha Kim. Artist Homes erhält keinerlei Förderung vom Land und die Vorbereitung von Konzerten und Ausstellungen – dazu gehört auch Werbung und Druck von Flyern – ist aufwändig. Einnahmen bekommt er bisher durch die Vermietung der Probenräume und Spenden. Aber auch als Ort für Workshops, Firmenmeetings, Partys und andere Events kann sich Jong-Ha Kim den Bunker gut vorstellen. Interdisziplinäre Angebote, in denen sich beispielsweise Jazz und Philosophie mischen, sind weitere Ideen, mit denen der Musiker seinen Bunker beleben möchte.

Artist Homes
Hohenzollerndamm 120,
14199 Berlin
www.artist-homes.com