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Buchtipp: DAHLEM Zwischen Idylle und Metropole

Das deutsche Oxford im Berliner Südwesten

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Februar/März 2017
DAHLEM Zwischen Idylle und Metropole von Christian Simon, be.bra verlag, 16 Euro, ISBN 978-3-8148-0218-3.
DAHLEM Zwischen Idylle und Metropole von Christian Simon, be.bra verlag, 16 Euro, ISBN 978-3-8148-0218-3.

Der be.bra verlag vervollständigt mit diesem Band von Autor Christian Simon das Quartett seiner Bücher über prominente Berliner Ortsteile „zwischen Idylle und Metropole“: Wilmersdorf, Zehlendorf und Steglitz mit seinen Einwohnern stellte der promovierte Berliner Geograph, Politologe, Grundschulpädagoge und Stadtführer Christian Simon mit viel Geschichtskenntnis ebenso interessant wie kurzweilig bereits in seinen vorherigen Werken vor, jetzt ist ihm das als Autor und Verleger von Berlin-Literatur einmal mehr mit seinem Band über Dahlem gelungen. Mit gespitztem Stift kehrt er in das sogenannte deutsche Oxford zurück, in dem er einst selbst an der Freien Universität Berlin studierte.

Den Leser lädt er auf 176 Seiten mit 95 schwarz-weiß-Abbildungen auf seine Dahlemer Zeitreise ein, die mit der Vorgeschichte des Ortsteils – der Ostkolonisation – beginnt, die Jahrhunderte bis zum Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik umfasst, aber auch die Dahlemer Jahre unterm Hakenkreuz und den Neubeginn des Ortsteils nach 1945 anschaulich vor Augen führt. – Eine wechselvolle Geschichte, die sich in der Vielschichtigkeit Dahlems widerspiegelt, und die Simon auch dem weniger geschichtsversierten Leser näherzubringen vermag.

Der lernt zu Beginn erst einmal, dass der Name „Dahlem“ so viel wie „Talheim“ bedeutet, was aber wenig Sinn ergäbe, da der Ortsteil mit 54 Meter über NN relativ hoch liegt. So verdanke er seinen Namen wohl eher den aus dem Stendaler „Dahlen“ zugewanderten Ur-Dahlemern, leitet Geograph Simon ab.

Der Leser erfährt von der einst königlichen Domäne Dahlem, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum noblen Villenvorort der nahen Hauptstadt für wohlhabende Berliner entwickelte. Aber auch von der Vielzahl der Forschungseinrichtungen Dahlems berichtet der Autor: von Einrichtungen wie Lennés Königlicher Gärtnerlehranstalt, dem Ausbau der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und von Namen wie Otto Hahn und Lise Meitner. Sie alle waren es, die Dahlem mit der Freien Universität Berlin, der Max-Planck-Gesellschaft und seinen Museen schließlich zum Zentrum wissenschaftlicher Forschung und Kultur von Weltrang, einem deutschen Oxford, werden ließen.

Autor Simon gelingt es dabei immer wieder, die Menschen hinter der Dahlemer Geschichte geschickt in Szene zu setzen, die diesen Ortsteil eigentlich prägten. Auch wenn dessen wechselvolle Geschichte nicht nur rühmliche Namen hervorbrachte. So stellt Simon Vertreter der ersten Dahlemer Bauern, Schauspieler, NS-Größen und US-Offiziere vor, die dem bunten Einwohner-Bild des Ortsteiles zu Farbe verhalfen.

Wer dieses Buch gelesen hat, dürfte – egal ob Jung oder Alt – gespannt auf die Weiterentwicklung der Dahlemer Geschichte geworden sein… Jacqueline Lorenz

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