Bus- und Radspur Unter den Eichen
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf August 2026
Die Senatsverwaltung für Verkehr will die Bus- und Radspur an der Straße Unter den Eichen zurückbauen. Es sollen auf Höhe des Botanischen Gartens in Steglitz wieder zwei Fahrstreifen für den Autoverkehr entstehen. Die Senatsverwaltung begründet den Schritt mit täglichen Staus und Problemen an der Kreuzung zur Autobahn 103. Diese Maßnahme wird in der Öffentlichkeit und in der Bezirksverordnetenversammlung kontrovers diskutiert. Nachfolgend nehmen die Fraktionen und Gruppen in der BVV-Steglitz-Zehlendorf zu diesem Thema Stellung.
René Rögner-Francke, Bezirksverordnetenvorsteher
CDU-Fraktion
Die Radspur muß weg, und mit uns kommt sie auch weg!
Wir wollen die sichere Teilnahme aller Verkehrsteilnehmer, auch der Radfahrer, am Straßenverkehr. Das beinhaltet auch Radspuren und Radwege. Der Unterschied zwischen politischer Vernunft und Ideologie ist vorliegend allerdings sehr gut zu erkennen, denn die Radspur der GRÜNEN ist fehl am Platz: An dieser Stelle fahren täglich 38.800 Kraftfahrzeuge (96,5 %) und 1.400 (3,5 %) Radfahrer. Welcher vernünftige Mensch kommt auf die Idee, dort eine der beiden Kfz-Spuren in eine Radspur umzuwandeln?
Die Sicherheit für Radfahrer muss auch an dieser Stelle gewährleistet sein, wir wollen den Radverkehr – unter Einbeziehung der Fußgängerampel vor dem Eingang des Botanischen Garten – auf den jetzigen Gehweg, der hergerichtet werden muss, verlegen. Fußgängerverkehr findet dort, bis auf den dann ampelgeschützten Eingang, kaum statt und ist auch auf der anderen Straßenseite möglich.
Wir machen Angebote und sprechen keine Verbote aus, wir zwingen die Menschen nicht, sich in ihrem Privatleben so zu verhalten, wie wir es gerne hätten.
Wir sind nicht Ideologie und Zwang, wir sind Vernunft und Freiheit!
Torsten Hippe
B‘90/Grünen-Fraktion
Der CDU-Verkehrssenat will die Bus- und Radspur Unter den Eichen abschaffen und den Radverkehr künftig auf den Gehweg verlagern. Dabei hat der Senat selbst eingeräumt, dass der frühere Radfahrstreifen nicht mehr nutzbar ist. Die Lösung? Der Bus steht im Stau und Radfahrende und Zufußgehende sollen sich den verbleibenden Gehweg teilen, der schon heute stellenweise so schmal ist, dass Besucher*innen des Botanischen Gartens kaum nebeneinander gehen können. Dort auch noch den Radverkehr zu führen, schafft neue Konflikte und gefährdet die Sicherheit aller. Die Krönung des Ganzen: Der CDU-Senat möchte beim späteren Umbau der Straße die schattenspendenden Eichen fällen, um eine zusätzliche Autospur zu ermöglichen. Und das trotz zunehmender Hitzewellen. Wir setzen stattdessen auf ganzheitliche Lösungen: etwa durch eine intelligente Ampelschaltung am Botanischen Garten oder eine flexible Nutzung der drei Fahrspuren – morgens zwei Spuren stadteinwärts und eine stadtauswärts, nachmittags umgekehrt. Moderne Verkehrspolitik bringt Sicherheit und Leistungsfähigkeit zusammen - statt sie aus ideologischen Gründen gegeneinander auszuspielen.
Alexander Kräß
SPD-Fraktion
Die CDU und Verkehrssenatorin Ute Bonde wollen die Radspur Unter den Eichen abschaffen. Das lehnen wir ab. Wer den Radverkehr einfach von der Straße verdrängt, löst die Verkehrsprobleme nicht. Busse, Radfahrende und Autofahrende gegeneinander auszuspielen, ist der falsche Weg.
Gleichzeitig verschließen wir nicht die Augen vor den Staus auf dieser wichtigen Hauptverkehrsstraße. Der begrenzte Straßenraum macht deutlich, dass es keine einfache Patentlösung gibt. Deshalb sollten alle Möglichkeiten sorgfältig geprüft werden. Denkbar wäre beispielsweise zu untersuchen, ob der Radverkehr in einem Teilbereich zunächst über den vorhandenen Hochbordradweg geführt und erst später wieder auf die Fahrbahn geleitet werden könnte, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Ob eine solche oder eine andere Lösung rechtlich, verkehrlich und unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit sinnvoll ist, muss jedoch fachlich geprüft werden.
Volker Semler
FDP-Fraktion
Der Fahrradweg „Unter den Eichen“ - zu Beginn dieser Wahlperiode 2021-26 eingerichtet, hat sich zu einem Zankapfel entwickelt, Fahrrad vs. Auto. Unsere Fraktion war diesem Projekt anfangs sogar zugewandt, allerdings als deutlich schmaleren Radstreifen. Außer Markierungen und Schildern wurde ja kein großer finanzieller Aufwand benötigt. Im Verlauf der Zeit muss aber die Frage erlaubt sein, ob der Stau, der sich jeden Tag vom späten Nachmittag bis zum frühen Abend bildet, so weiter hinnehmbar ist. Wir Freien Demokraten (FDP) sind der Meinung, dass Hauptverkehrsstraßen möglichst zweispurig sein müssen, um die Nebenstraßen zu beruhigen und vom Durchgangsverkehr freizuhalten. Autos im Stau stoßen unnötige Abgase aus, die damit vermieden würden. Wer von der Autobahn A103 in Richtung. Zehlendorf oder Wolfensteindamm unterwegs ist, erlebt schon auf der Autobahnbrücke einen starken Rückstau, der sich auch nicht durch Umrechnen der Fahrzeuge auf 24Stunden pro Tag wegdiskutieren lässt. Alle wollen die Schloßstraße nach Westen fahren, wenn dann auf der vermeintlichen Busspur niemand fährt, beißt manch eine(r) fast ins Lenkrad.
Mathia Specht-Habbel
AfD
Das Problem ist das Nadelöhr! Der „Witz“ ist, dass auch Busse, Taxen, Pflegedienste und Rettungsfahrzeuge zunächst im Stau stehen.
Wer wie der grüne Bürgermeister-Kandidat die Ampelschaltung dafür verantwortlich macht, ist entweder von bitterer Ahnungslosigkeit betroffen oder versucht, von der eigentlichen Ursache abzulenken. Unter den Folgen leiden Pendler, Handwerker, Lieferverkehr und Anwohner durch Ausweichverkehr und zusätzliche Abgase.
Die Lösung muss sich an den örtlichen Verhältnissen orientieren. Eine Fällung der Eichen kommt nicht infrage. Denkbar ist deshalb, den bisherigen Geh- und Radwegbereich auf dieser Straßenseite vollständig als Radweg zu nutzen. Der eigentliche Fußgängerverkehr wird über die gegenüberliegende Straßenseite geführt werden. An den verbleibenden Begegnungsstellen ist Radfahrern genau jene Rücksicht abzuverlangen, die die beengte Situation erfordert.
Jedes Gesetz kennt Ausnahmen. Gefragt sind Augenmaß, keine starren Ideologien.
Eine verantwortliche Bezirkspolitik à la AfD hat das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer im Blick, statt den täglichen Stillstand zum politischen Prinzip zu erklären.
Peer Döhnert

