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Wort der Bezirksbürgermeisterin

Tempelhof-Schöneberg Januar 2017

Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Januar 2017
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Apotheke am Bayerischen Platz
Angelika Schöttler
Angelika Schöttler. Foto: Photo Huber

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich Willkommen im Jahr 2017! Ich hoffe, Sie haben den Jahreswechsel gut überstanden und schauen mit Zuversicht in die Zukunft. Zuerst möchte ich über zwei für mich sehr bewegende Aktionen aus dem Dezember berichten.

„Weihnachtsfeier für bedürftige Kinder“

Die glücklichen Blicke der Kinder sind es, die mir diese traditionelle Veranstaltung so lebhaft im Gedächtnis bleiben lässt. Bei dieser besonderen Weihnachtsfeier bekommen Kinder ihre Wünsche erfüllt, nachdem sie von Mitarbeiter_innen des Jugendamtes nach sozialen Kriterien ausgewählt wurden. Die glänzenden Augen der Kinder, wenn sie die so heiß ersehnten Geschenke in ihren Händen halten, hinterlassen bei mir immer einen bleibenden Eindruck. Daher kann ich allen kleinen und großen Spender_innen und allen haupt- und ehrenamtlichen Helfer_innen, die dies Jahr für Jahr möglich machen, nicht genug für ihr Engagement danken. Alle, die an der Feier teilnehmen konnten, wurden mit der Freude der Kinder belohnt, und sind dadurch sicher angespornt, auch beim nächsten Mal wieder aktiv mit dabei zu sein. Auch ich werde mir den Termin notieren, um wieder gemeinsam mit Ehrenamtlichen das eine oder andere der über 60 Geschenke zu verpacken. Soziales Engagement tut gut!

Wunschbaumaktion „Schenk doch mal ein Lächeln“

Bei der Wunschbaumaktion blieben für mich hingegen die Blicke der Kinder im Verborgenen. Denn sie nahmen ihre Geschenke an Heiligabend im Kreise ihrer Familien entgegen. Bereits zum dritten Mal hatte ich die Freude, zusammen mit Fayez Gilke, dem Vorsitzenden des Vereins „Schenk doch mal ein Lächeln“, den Weihnachtsbaum im Foyer des Rathauses Schöneberg in einen Wunschbaum zu verwandeln. Mit Hilfe von Erzieher_innen wurden 125 Kita-Kinder ausgewählt, deren Weihnachtswünsche ohne Unterstützung nicht in Erfüllung hätten gehen können. Mit ihren Wünschen wurde der Baum im Rathaus geschmückt und ich war begeistert, wie schnell sich wieder Pat_innen gefunden haben, um diesen Kindern einen glücklichen Weihnachtsabend zu bescheren. Die von Mitgliedern des Vereins verpackten Geschenke konnten von den Eltern rechtzeitig zum Fest entgegen genommen werden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die so selbstlos Freude in eine ihnen fremde Familie gebracht haben.

Ausstellung „Wir waren Nachbarn“

Nun möchte ich Sie aber endlich mitnehmen ins neue Jahr und Sie auf den diesjährigen Schwerpunkt der Dauerausstellung „Wir waren Nachbarn“ aufmerksam machen. Die Ausstellung, die sich den Biografien ehemaliger Schöneberger und Tempelhofer Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus widmet, beleuchtet in diesem Jahr unter dem Titel „Flüchtige Kindheit“, was es für die einzelnen Kinder bedeutete, ihr Zuhause zu verlassen, Lager oder Verstecke zu überstehen und sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden. Mit Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme waren auch jüdische Kinder immer stärker dem voranschreitenden Entrechtungsprozess unterworfen. Sie durften nicht mehr mit nichtjüdischen Kindern spielen und mussten die öffentlichen Schulen verlassen. Für sie bedeutete dies das Ende der Kindheit. Vertrautes und Geliebtes ging verloren.

In verschiedenen Veranstaltungen werden in diesem Jahr pädagogische, psychologische und historische Aspekte zu diesem Thema aufgezeigt und eine Brücke zur Gegenwart geschlagen. Mögen die Gründe andere sein, aber Kinder und Jugendliche sind auch heute auf der Flucht.

In einer Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag wird über den erzwungenen Abschied der Doris Kaplan berichtet, die als 9-jähriges Mädchen im März 1940 von ihren Eltern getrennt wird und bewegende Briefe an sie aus der Luitpoldstraße in Schöneberg schreibt. Ostern 1942 wird sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das Warschauer Ghetto deportiert, ab Herbst 1942 gelten beide als verschollen. Einige Briefe von ihr werden von Schülerinnen vorgetragen. Die preisgekrönte Autorin Jenny Erpenbeck, die das in der Ausstellung im Rathaus Schöneberg ausliegende biografische Album von Doris Kaplan verfasste, wird aus ihrem Buch „Heimsuchung“ vorlesen. Die musikalische Gestaltung übernehmen Schüler_innnen und Lehrer_innen des Rückert-Gymnasiums.

Termin: Sonntag, 22. Januar 2017, 17.00 Uhr

Ort: Aula des Rückert-Gymnasiums, Mettestr. 8, 10825 Berlin

www.wirwarennachbarn.de

Sie sind herzlich eingeladen, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und die kostenfreie Dauerausstellung im Rathaus Schöneberg zu besuchen. Die Ausstellung wird jedes Jahr weiterentwickelt und ist auch gerade für Schulen innerhalb der pädagogischen Gedenkarbeit von großer Bedeutung.

Herzlichst Ihre
Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin
Tempelhof-Schöneberg