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Tempelhof-Schöneberg

„Spurensuche Demokratie“

Ausstellung über die Verfolgung der Bezirkspolitiker von 1933 bis 1945

Darstellung Angehöriger der Bezirksversammlung, Wandbild von Arthur Johnson im Ratsweinkeller, 1929  Bild: Friedhelm Hoffmann, 2024, Museen Tempelhof-Schöneberg
Darstellung Angehöriger der Bezirksversammlung, Wandbild von Arthur Johnson im Ratsweinkeller, 1929 Bild: Friedhelm Hoffmann, 2024, Museen Tempelhof-Schöneberg

03.04.2024: Die Sonderausstellung „Spurensuche Demokratie – Im Nationalsozialismus verfolgte Angehörige der Bezirksversammlungen Schöneberg und Tempelhof 1933 bis 1945“ wird im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße gezeigt. Im Nationalsozialismus wurden viele Bezirkspolitiker und –politikerinnen aus politischen und antisemitischen Gründen ausgegrenzt und verfolgt. Anhand von 16 Biografien zeichnet die Ausstellung unterschiedliche Lebenswege von verfolgten Angehörigen der Bezirksversammlungen aus Schöneberg und Tempelhof nach und zeigt die politischen Brüche auf lokaler Ebene.

Entdemokratisierung und Repressalien

Bei der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920, entstanden die Bezirke Schöneberg und Tempelhof. In die neuen Bezirksversammlungen zogen gewählte Frauen und Männer unterschiedlicher Parteien, die bis 1933 ihre Vorstellungen in die Bezirkspolitik trugen und zusammenarbeiteten. Die Bezirksversammlungen nahmen die lokalen Interessen wahr, übernahmen die Selbstverwaltung und entlasteten die städtischen Körperschaften. Sie waren wichtige Orte, um Demokratie zu entwickeln und zu erproben. Eine Entdemokratisierung zeigte sich in den Bezirken bereits 1931, als Aufgaben des Vorsitzes auf die Bürgermeister übergingen und die Sitzungen der Bezirksversammlungen nicht mehr öffentlich stattfanden. Die letzten Wahlen im März 1933 waren begleitet von Repressalien, vor allem gegen Parteimitglieder von KPD und SPD. Gesetze über die Vereinfachung der Verwaltung stärkten die Zentralisierung der politischen Macht, bis die Bezirksversammlungen, ihre Deputationen und Ausschüsse am 15. Juli 1934 schließlich endgültig aufgelöst wurden.

Mehrere Ausstellungsorte

Die Ausstellung erzählt von verfolgten Angehörigen der Bezirksversammlungen, die in der Nachbarschaft durch ihre politische Arbeit bekannt waren. Zehn von ihnen waren in Schöneberg, sechs in Tempelhof aktiv. Gezeigt werden zahlreiche Fotos und Dokumente, die von Entlassungen, antisemitischen Ausgrenzungen, Hausdurchsuchungen, Widerstand, Haft oder Ermordung berichten. Neben der zentralen Ausstellung im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße sind weitere Ausstellungsteile im Foyer des Rathaus Schöneberg, in den Ausstellungsräumen von „Wir waren Nachbarn“ sowie vor dem Rathaus Tempelhof zu sehen.

Die Ausstellung wird bis zum 20. Oktober im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, Werner-Voß-Damm 54a, 12101 Berlin, gezeigt. Der Eintritt ist frei. Im Begleitprogramm finden Ausstellungsgespräche, Vortragsabende sowie historische Stadtführungen statt. Weitere Informationen unter www.gedenkort-papestrasse.de

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