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Die Frauen der Familie Liebermann

Neue Ausstellung in der Villa am Wannsee

Max Liebermann, Der Künstler skizzierend im Kreise seiner Familie, 1925, Öl auf Leinwand.Stiftung Stadtmuseum Berlin
Max Liebermann, Der Künstler skizzierend im Kreise seiner Familie, 1925, Öl auf Leinwand.Stiftung Stadtmuseum Berlin
Erschienen in Gazette Steglitz März 2024
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Die Liebermann-Villa am Wannsee rückt in ihrer aktuellen Sonderausstellung drei Frauen der Familie in den Fokus – und mit ihnen ein zentrales Kapitel der bewegten und bewegenden Familiengeschichte der Liebermanns. „Meine Damen“ so nannte Max Liebermann sie liebevoll. Seine Gattin Martha (1857–1943), die gemeinsame Tochter Käthe (1885–1952) und die Enkelin Maria (1917–1995) prägten die Familie maßgeblich. Der Zusammenhalt war stark – und musste es auch sein, denn das Leben neben einem ehrgeizigen Künstler war zwar oft glanzvoll, aber nicht immer einfach. So boten der Wannsee und das Sommerhaus auch für Martha, Käthe und Maria einen willkommenen Rückzugsort ins Private. Mit neuen Recherchen wirft die Ausstellung Licht in den Kern einer deutsch-jüdischen Familie. Neuentdeckungen erzählen insbesondere vom Neuanfang der Familie von Käthe Riezler, geb. Liebermann, 1938 im Exil in New York.

„Meine Damen“ – Martha, Käthe und Maria

Martha Liebermann geb. Marckwald war mit Max Liebermann schon seit ihrer Jugend bekannt, die Familien Marckwald und Liebermann waren sich eng verbunden. Nach der Heirat stand Martha ihrem Ehemann über fünfzig Jahre zur Seite. Sie war eine sehr eigenständige Persönlichkeit, die sich durchaus zu behaupten wusste. In der Ausstellung wird diese bemerkenswerte Frau durch Porträts, Zitate und historische Fotografien gewürdigt.

Ein besonderes Augenmerk wirft die Schau auf die Tochter Käthe Riezler geb. Liebermann und die Enkelin Maria White geb. Riezler. Neue Forschungserkenntnisse zeichnen ein deutlicheres Bild der beiden Frauen und ihrer Biografien. Käthe war vielseitig gebildet und interessiert, sie spielte Tennis, nahm Zeichenunterricht und wusste auch die Vergnügungen des Lebens zu schätzen. Beleuchtet werden unter anderem ihre jungen Jahre in Berlin um 1900, die Freundschaft mit ihrer Cousine Grete Ring, die Begegnung mit ihrem Ehemann Kurt Riezler und die Zeit nach dem Umzug ihrer Familie nach Frankfurt 1928.

Maria Riezler, die gemeinsame Tochter von Käthe und Kurt, kam 1917 zur Welt. Die Riezlers besuchten Martha und Max häufig in der Villa am Wannsee. Max Liebermann machte dieses Miteinander zu einem Thema seiner Kunst und öffnete damit seltene Einblicke ins Private. Einige dieser Porträts sind in den Kriegsjahren verloren gegangen und gelten bis heute als verschollen. Vielleicht kann die Ausstellung auch zu deren Wiederauffindung beitragen.

Die Familie Riezler im Exil

Die Etablierung des NS-Regimes Anfang 1933 und der Tod Max Liebermanns im Februar 1935 brachten dramatische Wendungen in das Leben der Familie. In der Ausstellung werden die tragischen letzten Jahre von Martha Liebermann in Berlin nachgezeichnet – von der Verfolgung und Enteignung bis hin zu ihrem Selbstmord 1943. Käthe, Kurt und die 21-jährige Maria konnten hingegen 1938 nach Amerika fliehen. Anhand neuer Forschungserkenntnisse folgt man ihrer Reise mit dem Ozeandampfer Aquitania über Southampton und ihren ersten Jahren im New York der 1940er-Jahre. Insbesondere Maria Riezler, die in den Gemälden Liebermanns so oft als Kleinkind zu sehen ist, wird aus einem neuen Blickwinkel betrachtet: Als nunmehr erwachsene Frau baut sie sich in Amerika ein neues Leben auf. Dabei sind auch die spannenden Verbindungen zwischen der Familie Riezler und der legendären New School for Social Research in Manhattan zu entdecken.

Die Ausstellung ist bis zum 22. April in der Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin, zu sehen. Informationen unter www.liebermann-villa.de

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