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70 Jahre Freie Universität Berlin

Ein Platz für Studierende im Westen der Stadt

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Oktober/November 2018
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Wer kennt Gerda Rösch, Manfred Klein und Georg Wrazidlo und was haben die drei mit der Freien Universität zu tun? Die beiden christdemokratischen Studentenvertreter und die parteilose Studentin wurden aufgrund ihres politischen Engagements im März 1947 verhaftet. Das Sowjetische Militärtribunal verurteilte sie zu 25 Jahren Zwangsarbeit. Weiteren Studenten wurde im Frühjahr 1948 die Studienerlaubnis entzogen. Die Studierenden befürchteten, dass die Universität Berlin – ab 1949 Humboldt-Universität – zur reinen SED-Parteiuniversität würde.

Eine freie Hochschule im Westteil

So forderten sie die Gründung einer freien Hochschule im Westteil der Stadt. Die drei West-Alliierten zögerten, da sie keinen Konflikt mit der Sowjetunion heraufbeschwören wollten. Berliner Politiker wie Ernst Reuter und der Kunsthistoriker Edwin Redslob hingegen befürworteten die Neugründung und machten sich dafür stark. Auch Studenten wurden von Anfang an einbezogen. Die Freie Universität hatte viele Fürsprecher – so setzte sich die Zeitung „Der Tagesspiegel“ für die Gründung einer privaten Stiftung ein. Seit dem 19. Juni 1948 gab es den Vorbereitenden Ausschuss für die Gründung einer freien Universität, dem Professoren, Dozenten, Studenten und Politiker angehörten. Den Vorsitz hatte Ernst Reuter. Nur fünf Tage später – am 24. Juni 1948 – begann die Blockade des Westteils von Berlin. Die amerikanischen und britischen Alliierten versorgten die eingeschlossene Stadt aus der Luft. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse gab der Magistrat von Berlin seine Zustimmung zur Neugründung. Bereits im Wintersemester 1948/1949 sollten die ersten Vorlesungen beginnen.

Die Freie Universität in Dahlem

Im November 1948 war es soweit – die neue Freie Universität hatte ihren Sitz in den Häusern der früheren Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Dahlem. Die ersten Vorlesungen fanden statt. Der Wahlspruch der Freien Universität – Veritas – Iustitia – Libertas – finden sich noch heute in ihrem Siegel wieder. Die offizielle Gründung fand am 4. Dezember 1948 im Titaniapalast statt. Fast acht Jahre später – im Herbst 1956 entließ man Gerda Rösch, Manfred Klein und Georg Wrazidlo aus der Haft.

Zum 70-jährigen Bestehen stehen viele Veranstaltungen und Projekte auf dem Programm der Freien Universität. Den Anfang macht das Projekt „Gesichter der Freien Universität“ bei der sich Studierende, Beschäftigte und Alumni vorstellen. Mehr unter www.fu-berlin.de/70jahre .

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