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Wenn ich ein Vöglein wär, flög ich zum Klausenerplatz-Kiez

Pilotprojekt verspricht wirksamen Vogel- und Fahrradschutz

Fahrradgarage mit Vogelschutz-Muster. Foto: Umweltamt / BACW
Fahrradgarage mit Vogelschutz-Muster. Foto: Umweltamt / BACW
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau März 2022
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Sie zwitschern, tirilieren und bringen uns in der Großstadt mit ihrem Gesang der Natur näher: Vögel, vom frechen Spatzen bis zur pfiffigen Meise und stimmgewaltigen Amsel, die sich zwischen Häuserschluchten eingerichtet haben. Doch sie benötigen unseren Schutz, drohen ihnen doch vielerlei Gefahren in ihrem innerstädtischen Vogelalltag. Nicht selten übersehen sie dabei durchsichtige Glasflächen, die schnell zur tödlichen Falle werden können.

Dieser Gefahr tritt ein Pilotprojekt des Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf entgegen. Dazu hat der Bezirk erste Fahrradgaragen im Klausenerplatz-Kiez mit wissenschaftlich auf Wirkung geprüften Mustern gegen Vogelschlag beklebt und verbindet so sinnvoll Fahrrad- mit Vogelschutz. Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger erklärt: „Die üblichen Greifvogel-Silhouetten funktionieren nicht. Vögel fliegen dann daneben gegen die transparenten Scheiben und verletzen sich mitunter tödlich. Wir wollen zeigen, mit welch einfachen und ästhetisch ansprechenden Mitteln Vogelschutz erreicht werden kann.“ So bittet das Bezirksamt alle Bauherren, zum Schutz der gefiederten Freunde transparente Gebäudeteile derart auszustatten.

Übrigens wollen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nach und nach ihre Buswartehäuschen mit Vogelschutzfolien nachrüsten.

Vogelschutzglas statt todbringender Vogelfalle

Als Anhaltspunkt für das gestartete Vogelschutzprojekt dienten die Forschungsergebnisse der Wiener Umweltanwaltschaft. Zugrunde liegt ihnen die Tatsache, dass jährlich für hunderttausende Vögel Kollisionen mit Glasscheiben tödlich enden, weil sie die durchsichtigen Glasflächen nicht erkennen können. Wenn sich dann noch Himmel, Bäume und Sträucher darin spiegeln, können diese Flächen schnell zu tödlichen Vogelfallen werden. Auch wenn tote Vögel relativ selten zu sehen sind: Viele der gefiederten Anprallopfer schaffen es gerade noch ins nächste Gebüsch, bevor sie dort meist infolge von Gehirnbluten verenden. Jalousien und Vorhänge bieten da nur eine Notlösung, weil sie die Durchsicht, nicht aber die Spiegelung verhindern.

Da sich starre Greifvogelsilhouetten aufgrund ihrer Bewegungslosigkeit als nahezu unwirksam erwiesen hatten, galt es neue Wege des Vogelschutzes zu finden. Als wirkungsvoll erweisen sich beispielsweise aufgeklebte Muster vertikaler und horizontaler Streifen, weiße Punktraster sowie sogenannte Birdpens: Filzstifte, mit auf Glas im UV-Bereich kontrasterzeugenden Substanzen. Die unterschiedlichen Markierungen wurden im Flugtunnel getestet. Dabei hatten die Vögel die Wahl, den Tunnel durch eine unmarkierte Scheibe oder eine mit wechselnden Markierungen versehene zu verlassen. Rechtzeitig mit einem Netz abgefangen, nahmen die Tiere keinen Schaden bei diesem Versuch. Wichen mindestens 90 Prozent der Vögel der Markierung aus, konnte diese als „Vogelschutzglas“ gekennzeichnet werden. Dabei spielen Materialunterschiede eine ebenso wichtige Rolle wie Oberflächen-Beschaffenheit und Lichtdurchlässigkeit. Es ist daher sinnvoll, vor der Planung eines Baus mit großen Glasflächen, Ornithologen zu Rate zu ziehen. Hat man sich dann für eine Variante des Vogelschutzglases entschieden, sollte unbedingt die gesamte Glasfläche damit versehen werden. Übrigens eignen sich auch Absturzsicherungen aus Drahtgeflecht als preisgünstige Schutzmaßnahme.

Wenn aber doch einmal ein durch Scheibenanprall benommener Vogel gefunden wird, kann er in eine mit Luftlöchern versehene geschlossene Schachtel gesetzt werden und sich darin ca. zwei Stunden erholen. Kein Wasser oder Futter anbieten, da das Tier in benommenem Zustand daran ersticken könnte. Sobald sich der Vogel erholt hat, ist er an einer ruhigen und sicheren Stelle wieder freizulassen. Ansonsten ist ein Tierarzt hinzuzuziehen.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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