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Ein Herrenhaus in Lankwitz

Friedrich Correns ließ Deutschlands größtes Privathaus bauen

Erschienen in Gazette Steglitz Juli 2018
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Wohnen in schönster Lage – das wollte auch Friedrich Christian Correns, kaufmännischer Direktor der „Accumulatorenfabrik AG Berlin“, als er sein Herrenhaus in Lankwitz an der Ecke Calandrelli-/Gärtnerstraße planen ließ. Der Industrielle gönnte sich und seiner Familie einiges und so entstanden um 1913 nicht nur das größte private Wohnhaus Deutschlands, sondern auf 38.000 qm auch Gewächshäuser, ein Palmenhaus, ein Gärtnerwohnhaus, ein Teehaus und ein Pförtnerhaus sowie ein Park mit Wasserspielen. Das Ensemble steht heute unter Denkmalschutz.

Die Pläne für den Bau des Hauses stammten von Fritz Freymüller, dem damaligen Gemeindebaurat von Lankwitz und späteren ersten Stadtbaurat von Steglitz. Die beeindruckende Fassade vereinigt barocke und klassizistische Elemente. Von der Straßenseite aus gesehen macht das Haus einen strengen Eindruck, die hintere, malerische Seite hat etwas Schlossähnliches. Die großzügige Innenausstattung stand dem hochherrschaftlichen Äußeren in nichts nach. Die Villa verfügte mit über 73 Zimmern auf 3.800 qm, von denen 33 als Wohnräume für die Familie genutzt wurden. Zu ihnen zählten Damen- und Herrenzimmer, Musikzimmer, Speisezimmer, Wintergarten, Salon und Bibliothek. Im Musikzimmer ließ Correns eine echte Walcke-Orgel einbauen. Auch das Feiern und die Gesellschaften kamen nicht kurz – und so gab es im Keller eine Trinkstube, ein Billardzimmer und eine Kegelbahn. Der Bauherr hatte nur zehn Jahre lang Freude an seinem Projekt, er starb bereits 1923. Correns soll sich auch für die Fliegerei stark gemacht haben. Seine Firma fertigte nicht nur Akkumulatoren für Flugzeuge, er soll auch an den Vorbereitungen zur Gründung der Deutschen Lufthansa beteiligt gewesen sein. Vielleicht ist es deshalb umso tragischer, dass sein Sohn Theodor 1916 während des Ersten Weltkriegs als Frontflieger bei einem Beobachtungsflug starb.

Von Correns zu Siemens

Die Witwe des Erbauers verkaufte das Anwesen an seinen heutigen Namensgeber – denn im Volksmund ist das Haus als „Siemens-Villa“ bekannt. Allerdings gibt es eine zweite Siemens-Villa am Kleinen Wannsee. Werner Ferdinand von Siemens war ein großer Musikfreund und ließ die Gewächshäuser abreißen, um einen Musiksaal zu errichten, die er u. a. mit einer Wurlitzer-Orgel, die zwei Manuale und acht Register hatte, ausstatten ließ. Das Instrument tauschte er 1929 durch eine größere Wurlitzer-Orgel aus und verkaufte die erste dem Ufa-Palast-Kino. Siemens ließ in seinem Saal viele Musikveranstaltungen abhalten und dirigierte einige Stücke persönlich. Werner Ferdinand von Siemens starb 1937 im Alter von nur 52 Jahren und seine Erben verkauften die Villa dem Deutschen Reich.

Nutzung als Institutsstandort

Dieses stellte die Räume ab 1941 dem Ibero-Amerikanischen Institut, gegründet 1930, zur Verfügung, da dessen ursprünglicher Standort, der Schlossflügel des ehemaligen Marstalles, für das Kolonialpolitische Amt der NSDAP benötigt wurde. Das Institut nutzte die Villa bis in das Jahr 1976. Anschließend zog das Deutsche Musikarchiv der Nationalbibliothek ein, das 2010 nach Leipzig verlegt wurde.

Die große Wurlitzer Orgel gibt es immer noch – sie hat allerdings den Standort gewechselt und ist im Berliner Musikinstrumentenmuseum zu sehen. Der Musiksaal wurde für Orchesterproben, von den Berliner Philharmonikern, dem RIAS, aber auch für Schallplattenaufnahmen genutzt. In der Villa nahm Caterina Valente ihre erste Schallplatte auf. Heute wird der Saal noch für Aufnahmen von Deutschlandradio Kultur genutzt.

Aktuell ist in dem Haus, das mittlerweile wieder in Privathand ist, die MSB Medical School Berlin ansässig. Besonders bemerkenswert ist, dass die Räume zum größten Teil noch im Originalzustand sind. Das Land Berlin hatte kein Geld für Modernisierungen, so sind die Fenster und die Badarmaturen unverändert wie Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben. Das Haus mit zwei Brunnen im Inneren – übrigens das einzige Wohnhaus in Deutschland mit dieser Ausstattung – wurde auch als Drehort für den Film „Die Adlons“ genutzt.

Die Medical School Berlin veranstaltet regelmäßig offene Campustage, mit Kurzvorlesungen und der Möglichkeit, das Haus zu besichtigen. Die Termine finden Sie unter www.medicalschool-berlin.de .

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