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Skulpturenfund im Kunsthaus Dahlem

Sie waren für über 70 Jahre im Garten vergraben

Links: Arno Breker, Romanichel, 1940.  Rechts: noch nicht identifizierte Plastik.  Foto:  Gunter Lepkowski, 2020
Links: Arno Breker, Romanichel, 1940. Rechts: noch nicht identifizierte Plastik. Foto: Gunter Lepkowski, 2020
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Dezember/Januar 2020

Im August wurden bei Bauarbeiten im Garten des Kunsthaus Dahlem zwei Marmorskulpturen gefunden. Wie anhand historischer Fotos ermittelt werden konnte, handelt es sich bei einer um Arno Brekers verschollenen »Romanichel« von 1940. Die Identifizierung des zweiten Werks, ebenfalls ein monumentaler Kopf, sowie die Erforschung der Fundumstände sind derzeit in Bearbeitung.

Bei Brekers »Romanichel« handelt es sich um einen überlebensgroßen Porträt-Kopf aus weißem Marmor, der einen jungen Sinto oder Rom zeigt. Breker lernte den jungen Mann, der seinerzeit den Künstlerkreis um Jean Cocteau faszinierte, Ende der 1920er-Jahre in Paris kennen. Nach eigener Aussage fertigte er mehrere Büsten des ausdrucksstarken Gesichts, einige kleinere Versionen in Bronze sind bis heute im Umlauf. Der in Dahlem aufgefundene Kopf wurde nach einem Gipsmodell aus dem Jahr 1931 gearbeitet. Spuren des Übertragungsprozesses haben sich erhalten.

Auch der zweite Monumentalkopf wurde aus weißem Marmor gearbeitet. Stilistisch fügt er sich in Brekers Werk der späten 1930er-Jahre ein. Es wird vorläufig angenommen, dass das Werk im Kontext des von Breker konzipierten Skulpturenschmucks für die geplante Hauptstadt »Germania« entstanden ist.

Beide Werke wurden vermutlich in Brekers Atelier am Käuzchensteig geschaffen. Der in den 1930er-Jahren zu einem der prominentesten Künstler des „Dritten Reichs“ aufgestiegene Bildhauer hatte das für ihn errichtete Staatsatelier um1940/41 bezogen, arbeitete aber nur kurze Zeit dort. Bereits 1943 wurde das Haus durch Luftangriffe beschädigt und konnte daher nicht mehr genutzt werden. Nach dem Krieg war das Gebäude Sitz der US-amerikanischen Militärverwaltung, die noch vorhandenen Werke Brekers zu einer Sammelstelle im Völkerkunde-Museum in Dahlem brachte. Vermutlich wurden die wiederentdeckten Skulpturen im Zuge der Aufräumarbeiten vergraben. Beide Werke werden im Kunsthaus Dahlem voraussichtlich bis zum 15. Januar 2021 gezeigt.

Kunsthaus Dahlem

Käuzchensteig 8–12
14195 Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch – Montag, 11 –17 Uhr. Dienstag geschlossen.

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