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Grünes Kleinod an der Bezirksgrenze

Nelly-Sachs-Park wurde auf ehemaligem Badeanstaltsgelände angelegt

Nelly-Sachs-Park
Nelly-Sachs-Park
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juni 2020
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An der östlichen Grenze zu Tempelhof-Schöneberg, dort, wo der Ortsteil an Tiergarten und Kreuzberg grenzt, liegt ein zauberhafter kleiner Park. Er erstreckt sich über eine Fläche von ca. 11.000 qm. Mit einem Teich, Spielplatz und der Liegewiese lädt er zur Erholung ein. Der Teich wird von dem Tauchsportclub Adlershof gepflegt, der eine Patenschaft für das kleine Gewässer übernommen hat. Auffällig oft wurden Tresore hineingeworfen – auch die Unterwelt schätzt die zentrale Lage des Parks. Doch dank der guten Pflege durch die Taucher ist die Sichtweite im Teich gut und das Gewässer mittlerweile so sauber, dass sogar Fische und Schildkröten – die vermutlich jemand ausgesetzt hat – hier ein Zuhause gefunden haben.

Baden für die Hygiene

Der Park wurde im Jahr 1988 angelegt, vorher war hier lange Zeit eine Brachfläche. Bis 1944 wurde das Gelände allerdings völlig anders genutzt. 1903 eröffnete hier das Volksbad Dennewitzstraße. Das war weniger dem Sport oder Vergnügen geschuldet, sondern vielmehr eine hygienische Notwendigkeit. Badewannen oder gar Duschen gab es in den wenigsten Wohnungen. Das Motto „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“, unter dem der Berliner Dermatologe Oskar Lassar den Berliner Verein für Volksbäder gründete, hatte die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Anlagen bei den Stadtvätern gefördert. Das Volksbad Dennewitzstraße hatte jedoch nicht nur Badewannen und Duschen, sondern auch eine große Schwimmhalle. Leider konnte die Badeanstalt nicht lange genutzt werden – während des Ersten Weltkriegs wurde in der Schwimmhalle Material eingelagert und die anschließende Renovierung dauerte bis 1923. 1938 wurde das Schwimmbad geschlossen und 1944 zerstörten Bomben das Bad. Nach Kriegsende wurden die Trümmer beseitigt. Lediglich der Fassadenschmuck am Wohnhaus an der Dennewitzstraße weist heute noch auf die frühere Nutzung des Geländes hin. Durch dieses Wohnhaus führte der Zugang zur Badeanstalt.

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