Gazette Verbrauchermagazin

Wann wird im Grunewald wieder gebadet?

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert

Erschienen in Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf April 2020

Badespaß auch für Menschen in Berlins größtem Hundeauslaufgebiet, kann dieser Wunsch wieder Realität werden? In den folgenden Beiträgen nehmen die Fraktionen der BVV zu dem Thema Stellung.

SPD-Fraktion

Der Grunewaldsee ist einer der beliebtesten Badeseen Berlins – für Hunde. Das große Hundeauslaufgebiet im südöstlichen Grunewald, ist insbesondere rund um den Grunewaldsee bei Hundehalter*innen sehr beliebt. Trotz deutlicher Warnungen vor Schädigungen des Sees in einem ökologischen Gutachten des Bezirksamtes und der neuen Landschaftsschutzverordnung, jeweils von 2017, hat nicht nur der Nutzungsdruck im Hundeauslaufgebiet, sondern der Hundebadebetrieb auch außerhalb der offiziellen Hundebadestelle weiter zugenommen. Für Menschen ist das Baden längst verboten. Das war nicht immer so. Die Älteren von uns werden sich noch an den „Bullenwinkel“ erinnern, eine der ersten Berliner Nacktbadestellen, die noch bis in die 90er-Jahre genutzt wurde. Ab 2003 wurde dann wegen hoher Schadstoff- und Bakterienbelastungen ein Badeverbot über den Grunewaldsee verhängt, das bis heute gilt. Ob unter diesen Bedingungen – trotz inzwischen verbesserter Wasserqualität – dort bald auch wieder Menschen baden wollen, darf bezweifelt werden. Wünschenswert wäre es zumindest.

Martin Burth

CDU-Fraktion

Eine Frage, die sich nicht nur sehr viele Berliner immer wieder stellen. Der Grunewald und auch der Grundwaldsee gehören zu den vielen Naherholungsgebieten mitten in der Metropole Berlin und dies nicht nur für Hundebesitzer und deren Vierbeiner. Das ganze Jahr über kommen hier viele Spaziergänger zum See und sowie die Temperaturen es zulassen, möchten diese auch Baden. Die Verantwortlichen müssen dafür Sorge tragen, dass die Wasserqualität so beschaffen ist, dass ohne Gefahr im See gebadet werden kann. Expertenrat ist hier gefragt, wie dies geschafft werden kann. Es kann nicht hingenommen werden, dass die einzige Möglichkeit heißt: BADEN VERBOTEN! Die Selbstreinigungsfähigkeit muss mit passenden Projekten wiederhergestellt und unterstützt werden. Schilfgürtel und Röhricht müssen geschützt werden, da diese einen natürlichen Filter für das Gewässer darstellen. Verunreinigungen jeglicher Art kommen nicht durch die Natur, sondern sind auch von Menschen gemacht. Ein schlüssiges Konzept muss her. Neben den Experten ist hier auch der zuständige Stadtrat gefordert. Umgeben von vielen Bäumen im Grunewaldsee baden, ziemlich idyllisch und komplett umgeben von Wald – dafür setzt sich die CDU-Fraktion ein.

Kai-Uwe Dalichow

B‘90/Grünen-Fraktion

Im größten See in unserem Bezirk, gelegen mitten im Grunewald, kann nicht unbedenklich gebadet werden. Die Grenzwerte für einen Badesee sind überschritten. Der See gehört zum Landschaftsschutzgebiet Grunewald, gleichzeitig ist er das beliebteste Berliner Auslaufrevier für Hunde – ein Interessenkonflikt. Durch seine tiefe Lage werden bei starken Regen die umliegenden Fäkalien in den See gespült. Aber auch mangelnde Durchströmung und der Zufluss durch Straßenabwasser tragen zur schlechten Wasserqualität bei.

Seit Jahren wird versucht, die Wasserqualität mit z. B. Uferschutz oder Regulierung des Fischbestandes zu verbessern. Dies hat bisher nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Um den See wieder zum Badesee zu machen, muss viel Geld investiert werden: Unter anderem muss die Frischwasserzufuhr verbessert und das Einspülen von Hundekot vermieden werden. In unserer Stadt muss es möglich sein, unter Naturschutz stehende Gebiete zu bewahren und Lösungen zu finden, die sowohl dem Naturschutz, den erholungssuchenden Menschen – die z.T. auch im See baden wollen – als auch den Freuden der Hunde Rechnung tragen. Dazu müssen wir Veränderungen vornehmen. Denn, wenn alles so bleibt, wie es ist, wird der See niemals mehr zum Badesee.

Susan Drews

FDP-Fraktion

Dass der Grunewaldsee zum reinen Hundebadesee mutiert ist, empfinden manche Mitbürger als Verlust. Doch blicken wir zurück: Bis in die neunziger Jahre packten die Berliner und Berlinerinnen ihre Badehosen ein, auch um im Grunewaldsee zu schwimmen. 2004 wurde dem See nach EU-Richtline die Badeerlaubnis entzogen. Bakterien durch die Hinterlassenschaften der Vierbeiner verunreinigten das nasse Element. Seit 2010 wird mit dem Röhrichtschutzprogramm und dem Einzäunen der meisten Uferbereiche versucht, die Wasserqualität zu verbessern sowie die Zerstörung der Natur aufzuhalten.

Spaziergänger von heute können Mülleimer für die Hundebeutelchen finden, damit die Hundehalter diese nicht „schmückend“ an die Zäune hängen oder ihre Benutzung vergessen. Die gestiegene Zahl in Berlin gemeldeter Hunde kann nicht zur Verkleinerung bestehender Auslaufgebiete führen, aber zur Information über Naturschutzmaßnahmen, damit alle Erholungsuchenden die Landschaft genießen können. Die Selbstreinigung des Sees ließe sich erneut durch Sauerstoffeinleitung unterstützen und durch ein Ausbaggern der Schlammschicht, die sich über Jahre gebildet haben wird. Diese Maßnahmen kosten Zeit und Geld und sind nicht in der Diskussion. Damit erübrigt sich die Frage, wann dort wieder gebadet werden kann.

Stephanie Fest

AfD-Fraktion

Den Halensee als Badegewässer haben sich Bürger/innen im letzten Jahr gegen den erbitterten Widerstand des Bezirksamtes und der grünen Badebremse, Stadtrat Schruoffeneger, zunächst erfolgreich zurückgeholt. Schwieriger wird es mit dem größten See des Bezirks, dem Grunewaldsee, einem landschaftlichen Kleinod, an dessen südlichen Teil Kurfürst Joachim von Caspar Theiss 1546 Berlins ältestes erhaltenes Schloß (heute Museum) bauen ließ. W. Leistikow (Berliner Secession) malte den See als eines seiner Hauptwerke. Generationen von Berliner/innen zogen an den Grunewaldsee, um zu baden. Den weit über Berlin hinaus bekannten See ließ der Bezirk zu einer Kloake verkommen, so dass er 2004 für Badelustige gesperrt wurde.

Die rotrotgrüne Zählgemeinschaft zeigt keine erkennbaren Anstrengungen, den See wieder zu renaturieren. Obwohl ein Teil des Ufers im Südwesten des Sees unter Landschafts- und Naturschutz steht, was beinhaltet, dass keine Hunde mitgeführt werden dürfen, kümmert sich niemand um dieses Verbot. Berlin leistet sich Europas größtes Hundeauslaufgebiet, was bedeutet, dass große Flächen um den See für private Tierhaltung missbraucht werden; letztlich haben die Hunde die Menschen vom See vertrieben!

Wann werden Sie tätig, Herr Stadtrat?

Hans Asbeck

Linksfraktion

Der Frühling steht vor der Tür und alles drängt nach draußen in die freie Natur – so auch in und an den Grunewaldsee. Das nun scheinbar wieder saubere und klare Wasser lädt Mensch und Tier zum Badespaß ein, der aber seit einiger Zeit verboten ist. Ist das noch richtig, könnte man sich jetzt fragen? Aus unserer Sicht ist das Badeverbot immer noch notwendig, da dieses vor einiger Zeit aufgrund massiver ökologischer Schäden an der Uferzone und schlechter Wasserqualität verhängt wurde. Der schlechte Zustand des Sees konnte ausschließlich auf menschliche Aktivitäten, wie Badespaß, insbesondere auch mit Haustieren, zurückgeführt werden und wurde deshalb zwingend notwendig. Seitdem ist zwar einige Zeit vergangen, aber der See mit seiner Uferzone, dem Schilfgürtel, den kleinen Böschungen und Buchten erholt sich erst langsam wieder und die Renaturierung für das notwendige ökologische Gleichgewicht des Gewässers wird noch einige Zeit brauchen. Das gilt natürlich auch für die Wasserqualität. Jedoch auch wenn Mensch und Tier momentan noch nicht ungetrübt ins Wasser springen können, bieten die Wanderwege rund um den See und durch den Grunewald viele Möglichkeiten der Erholung und Entspannung im Einklang mit der Natur.

Sebastian Dieke

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