Dahlem
Eva Frankfurther – geboren in Dahlem
Kunsthaus Dahlem zeigt Ausstellung über das Schaffen der Künstlerin im Exil

13.10.2026: Geboren im bürgerlichen Dahlem, gestorben im Londoner Exil: Das Leben der Malerin Eva Frankfurther war mit nur 28 Jahren kurz, hinterließ jedoch ein bemerkenswertes Werk abseits des damaligen Kunstbetriebs. Nun kehren ihre Arbeiten an ihren Geburtsort zurück. Vom 23. Oktober 2026 bis zum 14. Februar 2027 zeigt das Kunsthaus Dahlem die Ausstellung „Eva Frankfurther – Das Leben malen“.
Zur Flucht gezwungen
Frankfurther kam am 10. Februar 1930 in Berlin-Dahlem als jüngste Tochter des Textilunternehmers Paul Frankfurther und seiner Frau Henriette zur Welt. Die Familie gehörte zum assimilierten jüdischen Bürgertum. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Familie zur Flucht gezwungen: 1939 gelangten die Kinder mit einem Transport nach England, kurz darauf folgten der Vater und seine zweite Frau.
Kunststudium in London
Nach dem Krieg absolvierte Frankfurther von 1946 bis 1951 ein Studium an der traditionsreichen St Martin’s School of Art in London. Mit den theoretischen Debatten der Nachkriegszeit – etwa dem Streit zwischen Figuration und Abstraktion – konnte sie wenig anfangen. Form und Farbe waren für sie kein Selbstzweck; ihr Interesse galt den Menschen außerhalb der Ateliers. Frühe Impulse fand sie auf Reisen in die Vereinigten Staaten, wo sie unter anderem in New York die Lebensrealität der schwarzen Bevölkerung im Stadtteil Harlem festhielt.
Schnörkellose Porträts
Nach ihrer Ausbildung zog Frankfurther in das Londoner East End, genauer nach Whitechapel – ein Viertel, das damals stark von Armut und Einwanderung geprägt war. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie als Servicekraft in einem Café am Piccadilly und später in einer Zuckerraffinerie an den Victoria Docks. Sie blieb dabei keine distanzierte Beobachterin: Ihre Kollegen und Nachbarn, darunter viele Migranten und Arbeiter, wurden zu den Motiven ihrer Bilder. Frankfurther hielt deren Alltag, die körperliche Anstrengung, aber auch Momente der Ruhe und Erschöpfung in schnörkellosen Porträts fest. Stilistisch bezog sie sich dabei auf die sozial engagierte Kunst von Käthe Kollwitz, verband diese jedoch mit dem britischen Realismus der 1950er-Jahre.
Im Januar 1959 nahm sich Eva Frankfurther das Leben. Die Schau im Kunsthaus Dahlem zeigt mehr als 40 Gemälde und Arbeiten auf Papier und würdigt Frankfurthers Schaffen erstmals umfassend in Berlin.
Die Ausstellung im Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 8, 14195 Berlin ist vom 23. Oktober 2026 bis 14. Februar 2027 zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Montag von 11 Uhr bis 17 Uhr.
