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Charlottenburg-Wilmersdorf

Kunst- und Kulturquartier ICC – Welche Zukunftsperspektiven ergeben sich für den Bezirk?

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert

Das Internationale Congress Centrum Berlin (ICC Berlin) wurde in der 70er-Jahren gebaut.
Das Internationale Congress Centrum Berlin (ICC Berlin) wurde in der 70er-Jahren gebaut.

01.10.2026: Monatlich erscheint in der Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf ein Thema, zu dem die in der BVV vertretenen Fraktionen Stellung nehmen. Das Thema wird „reihum“ von einer der Fraktionen bestimmt. In dieser Ausgabe hat die CDU-Fraktion das Thema vorgeschlagen.

CDU-Fraktion

2014 fiel unser „Raumschiff“ in einen tiefen Dornröschenschlaf und seither wartet ganz Berlin auf den Tag, wenn das ikonische ICC wieder dauerhaft seine Türen öffnet. Mit der im September unterschriebenen Exklusivitätsvereinbarung ist nach langen Jahren des Stillstands endlich ein verlässlicher Weg für die Zukunft des ICC vorgegeben worden – doch die Projektpartnerschaft Quartier ICC sieht weit mehr vor: In den kommenden Jahren wird nicht nur ein tragfähiges Nutzungskonzept für ein offenes Kunst- und Kulturquartier vorbereitet. Vielmehr sollen die umliegenden Kieze stärker zusammenwachsen und die Straßenzüge vom Messedamm bis zur Neuen Kantstraße nachhaltig belebt werden. Somit können sich die Charlottenburg-Wilmersdorfer auf ein neues Stadtquartier zwischen S-Bahnhof Messe Nord/ICC und dem Westkreuz freuen. Das neue ICC-Quartier ist eine Chance, unserem Bezirk ein neues, internationales Aushängeschild zu geben. Wir als CDU-Fraktion werden uns daher weiterhin mit Vorschlägen und Konzepten diesem Zukunftsort widmen. Frei nach dem Motto: ICC dauert noch ein bisschen, aber wird mega!

Alexander Pönack

B‘90/Grünen-Fraktion

Gut, dass die Projektpartner für das ICC das ikonische Gebäude in seiner Wertigkeit anerkennen. Durch Hochhäuser für den Kongressbetrieb im Norden und im Süden soll das ICC neue Platzfassungen erhalten. Mit Eingängen zum Messegelände und der fußläufigen Anbindung an das Westkreuz sollen die umliegenden Viertel angebunden werden. Das Konsortium um MIB bringt mit der ehemaligen Leipziger Spinnerei, die sehr erfolgreich als privat getragenes, neues Quartier umgesetzt wurde, Expertise mit. So soll auch das ICC zu einem gemischten Kultur-, Kreativ- und Veranstaltungsquartier entwickelt werden: mit Konzerten, Ausstellungen, Galerien, Studios, Gastronomie und öffentlichen Räumen. Wirtschaftlich tragen sollen das Modell vor allem die neuen Hotel- und Bürotürme an den beiden Enden. Dass die öffentliche Hand dabei außen vor bleiben kann, ist eher unwahrscheinlich. Für unseren Bezirk wäre die Belebung des ICCs städteplanerisch und kulturell ein Meilenstein. Doch davor liegen zwei weitere Jahre Verhandlungen und Planungen. Zu hoffen bleibt, dass tatsächlich ein Modell entsteht, das dauerhaft bezahlbare Räume für freie und nichtkommerzielle Kultur ermöglicht.

Anja Kraus und Sibylle Centgraf

SPD-Fraktion

Das ICC wurde am 2. April 1979 offiziell eröffnet. Ich kann mich gut erinnern, wie ich staunend zum ersten Mal die Räumlichkeiten betrat.

Seit 2014 befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude im Stillstandbetrieb.

Es brauchte zwei Landesregierungen bis 2023 das Abgeordnetenhaus die Wiederbelebung beschloss. Es folgten am 25.11.2024 ein europaweites Konzeptverfahren, die offizielle Vergabeempfehlung des Senats am 23. Juni 2026 – einen Tag später präsentieren Franziska Giffey und Christian Gaebler das neue Konzept.

Noch immer steht an der Fassade: „Dauert noch ein bisschen – aber wird mega“

Geplant ist ein Nutzungsmix aus Kunst, Kultur, Konzerten, Ausstellungen, Veranstaltungen und Kreativwirtschaft.

Dass die Deutschlandhalle 2011 abgerissen wurde, hat mich geschockt. Der Verlust des ICCs wäre noch tragischer. Auch wenn das bisherige Konzept vage bleibt, ist es ein guter Ausblick für den Kulturstandort. Die geplanten Projekte werden einem Bezirk, in dem immer schon die Hochkultur und die dezentrale Kulturarbeit ihren Platz hatten, guttun, wie die Wiederbelebung des Schoeler-Schlösschens!

Dr. Felicitas Tesch

Linksfraktion

Berlin bezahlbar machen. Dazu gehören für Die Linke auch Räume für die freie Kunst- und Kulturszene unserer vielfältig kreativen Stadt und unseres Bezirks. Das Baudenkmal ICC bietet so viel Platz für Bandprobenräume, leistbare Künstler:innenateliers, Produktions- und Proberäume sowie für die Clubkultur. Ein Ort für all jene, die besonders unter der Verdrängung durch explodierende Mieten und Immobilienverwertung betroffen sind. Und dieses einmalige Gebäude bietet außerdem die Chance, allen Berliner:innen unabhängig vom Portemonnaie Zugang zu Kunst und Kultur zu verschaffen.

Stattdessen hat uns der CDU-SPD-Senat Pläne für einen Konsumtempel in der Hand von Investoren, für weitere Hotels und Büros hinterlassen. Davon gibt es im Bezirk mehr als genug. Ein Großteil davon steht leer. Was uns CDU und SPD als Bereicherung für die Menschen vor Ort verkaufen wollten, ist in Wahrheit ein weiterer Kniefall vor Investoreninteressen.

Aus Sicht der Linken muss das ICC als ein Ort vielfältiger, kultureller Nutzungsformen und der Begegnung neu entstehen und für alle Berliner:innen offen sein.

Anne Zetsche

AfD-Fraktion

„Kunst- und Kulturquartier ICC“ – Restaurants, Galerien, Künstlerstudios, Platz für Forschung, ein Museum, dazu zwei Hotels und ein Hochhaus mit Büros und Wohnungen. Zukunftsperspektiven? Ja! Mehr Raum für Kulturakteure, Ausstellungen, Konzerte und Kreativwirtschaft können das Ansehen des Bezirks und der City West als Kultur- und Wirtschaftsstandort stärken. Ein neuer Anziehungspunkt könnte entstehen, Arbeitsplätze in vielerlei Branchen und Bereichen ebenso. Hotels und Büroflächen würden das Umfeld als Arbeits- und Übernachtungsort stärken. Kann gut gehen, kann aber auch scheitern. Ein schlüssiges Finanzierungskonzept fehlt bisher nämlich. Die AfD-Fraktion begrüßt, dass der Leerstand des ICC enden soll. Aber wir fordern auch: Vorrang für Anwohner und Messe, für Denkmalschutz, Parkraum und Verkehr sowie echte Mitbestimmung des Bezirks, kein Abwälzen von Kosten auf den Steuerzahler. Gigantische Projekte bergen immer auch Gefahren. Das „neue ICC“ samt Umfeld darf kein ödes Prestigeobjekt, kein tristes Monument von Größenwahn werden.

Michael Seyfert

TitelbildTitelbild

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