Steglitz
„Die Mütter“ in Zeiten von Krieg und Krisen
Schwartzsche Villa zeigt Käthe Kollwitz und Isaac Chong Wai im Dialog

18.09.2026: Mit den universellen Folgen von Krieg, Verlust und der Rolle von Müttern in Zeiten bewaffneter Konflikte befasst sich eine neue Ausstellung im Steglitzer Kulturhaus Schwartzsche Villa. Unter dem Titel „Die Mütter“ treten Arbeiten der bedeutenden Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867–1945) in ein generationenübergreifendes Zwiegespräch mit Werken des zeitgenössischen Künstlers Isaac Chong Wai.
Trauer und Weiterleben
Die von Christine Nippe kuratierte Schau spannt einen Bogen vom Ersten Weltkrieg bis in die von aktuellen Krisen geprägte Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Schuld, Trauer und dem Weiterleben nach traumatischen Einschnitten. Kollwitz verarbeitete in ihrer Kunst den Verlust ihres 18-jährigen Sohnes Peter, der 1914 bereits wenige Tage nach seinem Einrücken an die Front fiel. In Steglitz ist unter anderem ihre berühmte Skulptur „Pietà“ zu sehen. Das Werk greift das klassische Motiv der um ihren toten Sohn trauernden Mutter auf, verzichtet jedoch auf christliche Überhöhung und konzentriert sich ganz auf das menschliche Leid.
Multimediale Arbeiten
Diesen historischen Positionen stellt der zwischen Berlin und Hongkong arbeitende Gegenwartskünstler Isaac Chong Wai multimediale Arbeiten gegenüber. Die namensgebende Videoinstallation „Die Mütter“ zeigt eine Gruppe von Darstellern, die in einer Schutzformation Wiegen- und Klagelieder aus unterschiedlichen Kulturkreisen anstimmen. In weiteren Werken beschäftigt sich Chong mit den materiellen Hinterlassenschaften von Gewalt: Fragile Glasskulpturen füllen etwa die Leerräume von Einschusslöchern an historischen Gebäuden aus. Bei der Serie „Muted Dimensions“ können Besucher zudem mit Steinen Markierungen auf Plexiglasplatten hinterlassen, die den Umrissen historischer Fliegerbomben nachempfunden sind.
Die Ausstellung in der Schwartzschen Villa, Grunewaldstraße 55, wird am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, im Rahmen einer Vernissage von 18 bis 21 Uhr eröffnet. Zu sehen sind die Arbeiten anschließend vom 9. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 täglich von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.
