Schöneberg
Blumen statt Wasser am Wittenbergplatz
In marode Zierbrunnen wurden Stauden und Gräser gepflanzt

01.09.2026: Wer derzeit am Wittenbergplatz aus der U-Bahn steigt, den erwartet ein verändertes Bild: Die Bauzäune, die die beiden stillgelegten Zierbrunnen im Norden und Süden des Platzes lange Zeit umringten, sind verschwunden. Wo früher das Wasser plätscherte, wächst nun eine Mischung aus Gräsern und Stauden. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat die steinernen Schalen kurzerhand zu großen Pflanztrögen umfunktioniert.
Wassertechnik muss erneuert werden
Der Grund für diese unkonventionelle Umgestaltung ist pragmatischer Natur. Die Brunnen sind baulich und technisch in einem so schlechten Zustand, dass eine grundlegende Sanierung nötig wäre. Von der Wassertechnik über die Abdichtungen bis hin zu den Leitungsanlagen müsste alles erneuert werden, um den Auflagen der aktuellen Trinkwasserverordnung zu entsprechen. Für ein solches Großprojekt fehlt es dem Bezirk und den Berliner Wasserbetrieben derzeit jedoch nicht nur am Geld, sondern auch an der nötigen Spezialexpertise.
Grüne Zwischenlösung
Um einen der bekanntesten Plätze des Bezirks nicht auf unbestimmte Zeit als Baustelle zu belassen, entschied man sich für die grüne Zwischenlösung. Gepflanzt wurden klimarobuste Arten, die das ganze Jahr über optisch etwas hermachen sollen. In den Schalen wurzeln nun unter anderem Chinaschilf, Großes Windröschen, Steppen-Salbei und Prachtscharten. Auch an die heimische Insektenwelt wurde gedacht: Im Boden verstecken sich bereits zahlreiche Zwiebelpflanzen wie Krokusse. Wenn diese im Frühjahr austreiben, dienen sie Bienen als wichtige erste Nahrungsquelle. Noch sind die frisch gesetzten Pflanzen recht klein, sie sollen aber bis zum Ende der Vegetationsperiode anwachsen.
Bezirk und Wirtschaft kooperieren
Das Begrünungsprojekt ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Bezirk und der lokalen Wirtschaft. Während das Bezirksamt für die Erstbepflanzung der Brunnen zuständig war, übernimmt die Initiative „Business Improvement District“ (BID) Kudamm-Tauentzien ab sofort die dauerhafte Pflege und die damit verbundenen Kosten.
Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann und Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck zeigten sich bei der Vorstellung des Projekts zufrieden mit der pragmatischen Lösung für die Visitenkarte des Bezirks. Eine spätere Sanierung der Brunnenanlagen ist durch die Bepflanzung übrigens nicht ausgeschlossen.
Die blühenden Brunnen sollen zudem nur der Anfang sein. In den kommenden Monaten will der Bezirk die Aufenthaltsqualität am Wittenbergplatz weiter verbessern, unter anderem durch das Aufstellen neuer Bänke. Auch die BID hat bereits angekündigt, im nächsten Jahr gemeinsam mit dem Bezirk den gesamten Platz und seine Grünflächen Schritt für Schritt weiterentwickeln zu wollen.


