Photovoltaik
Zeitenwende auf dem Dach
Warum sich der Einstieg in Solarstrom bald grundlegend ändert und worauf man achten sollte
20.08.2026: Ob auf dem Einfamilienhaus in Biesdorf, dem Reihenhaus in Spandau oder auf Berliner Mehrfamilienhäusern: Wer eigenen Sonnenstrom produziert, konnte sich bisher auf eine feste Vergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde verlassen – und das über zwei Jahrzehnte hinweg. Doch dieses Prinzip steht vor dem Aus. Ab dem Jahr 2027 plant die Bundesregierung eine umfassende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die die wirtschaftlichen Spielregeln für neue Photovoltaikanlagen grundlegend verändert.
Abschied von der garantierten Vergütung
Kern des aktuellen Gesetzentwurfs ist das Ende der über 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung für Neuanlagen. Künftig soll überschüssiger Strom vor allem direkt an der Strombörse vermarktet werden. Die Erlöse richten sich damit nach dem Marktpreis und können im Jahresverlauf stark schwanken. Zwar sieht der Entwurf für neue Anlagen ab 2027 noch eine Übergangsvergütung von maximal drei Jahren vor (beginnend bei 5,2 Cent pro Kilowattstunde), doch spätestens ab dem Jahr 2030 soll jede gesetzliche Einspeiseförderung für neue Hausanlagen entfallen. Auch die Option der reinen Volleinspeisung wird mit der Reform gestrichen.
Eigenverbrauch wird zum entscheidenden Faktor
Mit den neuen Vorgaben ändert sich die Planungslogik für private Dächer: Es geht künftig nicht mehr darum, die maximale Dachfläche für den Verkauf an das Netz zu belegen, sondern die Anlagengröße passgenau auf den eigenen Strombedarf zuzuschneiden. Je mehr Solarstrom direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird, desto weniger teurer Netzstrom muss bezogen werden.
Mit modernen Batteriespeichern lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf bis zu 70 Prozent steigern. Noch effektiver wird die Anlage in Kombination mit Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen: Sie nehmen tagsüber größere Mengen an Strom ab und erhöhen den Eigenverbrauch spürbar. Intelligente Steuerungssysteme sorgen zusätzlich dafür, dass Fahrzeuge oder Heizsysteme bevorzugt dann laden, wenn die Sonne die höchste Leistung liefert.
Was Eile bringt – und was nicht
Wer eine Solaranlage noch im Jahr 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich für 20 Jahre die bisherigen Festvergütungen – bei einer Anlage mit zehn Kilowatt Leistung sind das derzeit 7,7 Cent pro Kilowattstunde bei Überschusseinspeisung bzw. 12,2 Cent bei Volleinspeisung.
Dennoch warnt Ane Esdohr von der Energieberatung der Verbraucherzentrale vor überstürzten Schnellschüssen: Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg bleiben die Anschaffungskosten, der zu erwartende Ertrag und das persönliche Nutzerverhalten. Nicht die größtmögliche Anlage sei die beste, sondern diejenige, die exakt zum Alltag der Bewohner passt. Ein sorgfältiger Vergleich von Fachangeboten und eine unabhängige Prüfung der Wirtschaftlichkeit bleiben daher unerlässlich.