Westend
Kulturort im Grünen
Konzerte und Krawalle: Die bewegte Geschichte der Waldbühne
 / [CC BY-SA 3.0 de](https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)](https://www.gazette-berlin.de/artikel/n3215-768.jpg)
30.07.2026: Eingebettet in die grüne Kulisse der Murellenschlucht in Westend liegt einer der bekanntesten Veranstaltungsorte Berlins: die Waldbühne. Mit Platz für bis zu 22.290 Zuschauerinnen und Zuschauer zieht die Freilichtbühne im Sommer regelmäßig Hunderttausende Menschen an. Doch die idyllische Kulisse täuscht fast darüber hinweg, dass das Denkmal auf eine wechselvolle und teils dramatische Geschichte zurückblickt – von NS-Propaganda über historische Konzertunruhen bis hin zu friedlichen Abenden mit klassischer Musik unter dem Sternenhimmel.
Antike Architektur und dunkle Anfänge
Die Entstehung der Bühne ist eng mit den Olympischen Spielen von 1936 verknüpft. Zwischen 1934 und 1936 wurde die Anlage unter der Leitung des Architekten Werner March nach Plänen von Konrad Robert Heidenreich errichtet. Heidenreich orientierte sich beim Entwurf bewusst an den antiken griechischen Theatern. Durch die Lage in einem natürlichen, rund 30 Meter tiefen Talkessel steigen die Sitzreihen steil an, was bis heute für eine hervorragende Akustik sorgt.
Während der NS-Zeit trug der Ort den Namen „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“, benannt nach einem frühen Ideengeber Hitlers. Konzipiert im Rahmen der Umbauten des damaligen Reichssportfelds, fanden hier während der Spiele 1936 Turnwettkämpfe sowie propagandistische Theateraufführungen statt. Am Eingang zeugen noch heute zwei Hochreliefs des Bildhauers Adolf Wamper von dieser Epoche.
Kino und Boxkämpfe
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die beschädigte Anlage entnazifiziert und erhielt ihren heutigen Namen „Waldbühne“. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten diente sie verschiedenen Zwecken. Unter anderem fanden hier vielbeachtete Boxkämpfe statt – darunter ein Auftritt von Max Schmeling im Jahr 1948 – und sie fungierte als Freilichtkino, zeitweise auch als Spielort der Berlinale.
Trümmerfeld von 1965
Zum Wendepunkt der Nachkriegsgeschichte wurde der 15. September 1965. An diesem Abend gastierte die britische Rockband The Rolling Stones. Nachdem die Band das Konzert nach nur einer halben Stunde beendete, eskalierte die Situation im Publikum. Enttäuschte Fans demolierten die hölzernen Sitzbänke, lieferten sich stundenlange Auseinandersetzungen mit der Polizei und hinterließen ein Trümmerfeld. Die Schäden waren so massiv, dass die Bühne nicht mehr genutzt werden konnte.
Renaissance mit weißem Zeltdach
Anfang der 1980er-Jahre erwachte die Waldbühne dank des Engagements von Peter Schwenkow und seinem Unternehmen concert concept aus ihrem Dornröschenschlaf. Ein entscheidender Schritt für die moderne Nutzung war die Installation der charakteristischen, weißen Zeltdachkonstruktion über der Bühne im Jahr 1982. Diese schützt die Musiker und die Technik vor der Witterung und prägt bis heute das optische Erscheinungsbild.
In der Folgezeit etablierte sich die Waldbühne wieder als feste Größe im Berliner Kulturleben. Legendäre Filmvorführungen von Kultfilmen wie der Rocky Horror Picture Show, bei denen das verkleidete Publikum mitsang, zogen regelmäßig Tausende an. Seit den 1980er-Jahren ist die Arena zudem Schauplatz für internationale Pop- und Rockkonzerte sowie für hochkarätige Klassik-Events.
Waldbühne heute
Heutzutage ist die Waldbühne von Mai bis September Schauplatz zahlreicher Open-Air-Veranstaltungen. Ein fester Höhepunkt im Terminkalender ist das jährliche Sommerkonzert der Berliner Philharmoniker, das traditionell mit dem gemeinsamen Anstimmen des Stücks „Berliner Luft“ endet.
Obwohl das Gelände unter Denkmalschutz steht, wurden in den vergangenen Jahren Anpassungen vorgenommen, um beispielsweise die Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrende durch zusätzliche Podeste zu verbessern. Informationen zu Veranstaltungen und Konzerten unter www.waldbuehne-berlin.de.
